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Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

Tierschutz: Funktioniert die Gruppenhaltung der Sauen im Deckstall?

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am Montag, 09.05.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Sauen müssen künftig auch im Besamungsstall in Gruppen gehalten werden. Eine Folge sind vermehrte Rangkämpfe unter den Tieren nach dem Absetzen und damit verbundene Verletzungen, wie eine Praxisstudie zeigt.

Laut neuer Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen Sauen künftig auch im Besamungsstall in Gruppen gehalten werden. Jeder Sau ist hier eine uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche von 5 m2 bereitzustellen. Für die Sauen müssen zudem Rückzugsmöglichkeiten in ausreichendem Maße vorhanden sein. Fress-Liege-Buchten oder sonstige Fressplätze werden dabei nicht als Rückzugsmöglichkeit anerkannt.

Rangkämpfe der Sauen per Video erfasst

Wie sich die Gruppenhaltung der Sauen nach dem Absetzen bis zum Besamen auf das Verhalten der Sauen auswirkt, wurde in einer Praxisstudie der Universität Gießen untersucht. Konkret ging es darum, wie Rangkämpfe unter den verordnungskonformen Haltungsbedingungen die Gesundheit und die Fruchtbarkeitsleistungen der Tiere beeinflussen.

Am Absetztag wurden die Sauen einzeln gewogen. Mithilfe von zwei Videokameras wurden sämtliche Rangordnungskämpfe „jede gegen jede“ sowie Aufsprünge und Duldungen in der Gruppe registriert. Dazu waren die Sauen auf dem Rücken markiert. Aus der Zahl der „Siege“ und der „Nieder- lagen“ wurden für jedes Tier ein Rangindex und die entsprechende Rangposition berechnet. Vier Tage nach dem Absetzen wurde das Auftreten von äußerlichen Verletzungen bonitiert.

Die meisten Rangkämpfe am ersten Tag nach dem Absetzen

Die Anzahl an Rangkämpfen war am ersten Tag nach dem Absetzen, also am Beginn der Gruppierung, am größten. Je Sau waren das fast 30 Kämpfe pro Tag. Danach nahm die Zahl an aggressiven Verhaltensweisen deutlich ab und lag am dritten Tag nach dem Absetzen bei im Mittel weniger als zehn Auseinandersetzungen je Sau.

Am vierten und fünften Tag nach dem Absetzen kamen die Sauen in die Rausche, deutlich erkennbar an der zunehmenden Zahl an Aufsprüngen. Diese gesteigerte Aktivität mit „Belästigungen“ anderer Sauen führte zugleich zu einem Anstieg an Rangkämpfen, ohne allerdings das Niveau des ersten Tags nach dem Absetzen zu erreichen.

Es zeigte sich, dass die ranghohen Sauen aktiver sind. Sie sprangen während der Brunst im Mittel 15-mal auf, die rangniederen Sauen nur elfmal. Die ranghohen Tiere sind damit auch beim Brunstverhalten dominant.

Rangniedere Sauen waren öfter verletzt

Bestätigt hat sich auch in dieser Praxisstudie, dass die Gruppenhaltung generell ein höheres Verletzungsrisiko für die Sauen mit sich bringt. Deshalb ist insbesondere auf eine hohe Qualität des Fußbodens bei Spaltenböden ist größter Wert zu legen (Entgraten der Kanten, keine ausgebrochenen Balken). Die Bonitur zeigte, dass rangniedere Sauen im Vergleich zu ranghohen Tieren häufiger Hautverletzungen hatten (64 Prozent der Tiere mit wenigen bis mehreren Kratzern). Von den ranghohen Sauen zeigten nur 25 Prozent eine geringe bis hohe Anzahl an Hautverletzungen. Die Hautläsionen blieben insgesamt nur leicht.

In Bezug auf die Fruchtbarkeit zeigten sich bei den Sauen in der Gruppe kaum Unterschiede zur Einzelhaltung im Besamungstall.

Gravierende betriebswirtschaftliche Konsequenzen

Wesentlich gravierender sind die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen, die sich aus den Vorgaben der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ergeben. Viele Betriebe mit geschlossenen Anlagen und einer hohen Biosicherheit (Schwarz-Weiß-Prinzip) haben innerhalb des Stallgebäudes kaum den Platz, um die geforderten 5 m2 je Sau in der Gruppierungsphase umsetzen zu können. Aus Gründen der Seuchenprophylaxe – Stichwort Afrikanische Schweinepest (ASP) – scheidet hierfür auch der Außenbereich des Stalls in den meisten Fällen aus.

Insofern ist vielerorts eine Abstockung des Sauenbestands unvermeidlich. Im Extremfall kann das die Hälfte der Sauen betreffen, obwohl der Stall noch nicht abgeschrieben ist.

Mit Material von Anna-Lena Schäfer und Prof. Dr. Steffen Hoy, Universität Gießen

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