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Schweine

Tierschutzverstöße bei Schweinen: Das steht in der TiHo-Studie

Mastschwein
Nicht allen Schweinen geht es in der Krankenbucht so gut. Eine Studie belegt nun erhebliche Tierschutzverstöße bei verendeten Tieren. © papinou/fotolia.com
von , am
17.11.2017

Die TiHo Hannover veröffentlicht eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die Tierschutzverstöße bei Schweinen nachweisen.

Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) untersuchte Schweinekadaver in Tierkörperbeseitigungsanstalten (TBA), wobei zum Teil schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt wurden. Bereits gestern reagierte die Branche auf die aktuellen Ergebnisse. Nun veröffentlichte die TiHo eine Zusammenfassung der Untersuchung.

Von Januar bis April 2016 wurden in vier TBA in verschiedenen Regionen Deutschlands Befunderhebungen an Schweinekadavern durchgeführt. Dabei lag der Fokus auf dem äußerlichen Begutachten und Erheben tierschutzrelevanter Hinweise an den Tierkörpern, sodass diese auch für Tierhalter erkennbar und bewertbar gewesen wären.

Erhebliche Verletzungen weisen auf Schmerzen bei den Schweinen hin

Bei insgesamt 57 Anlieferungen an die TBA konnten 485 Mastschweine und 128 Zuchtschweine auf tierschutzrelevante Befunde untersucht werden. Bei 13,2 Prozent dieser Mastschweine und 11,6 Prozent der Zuchtschweine erhoben die Wissenschaftler Befunde, die auf länger anhaltende Schmerzen und Leiden bei den Tieren hindeuteten. Bei Ferkeln konnten sie eine entsprechende Häufigkeit nicht nachweisen, da dies aufgrund der hohen Anzahl der angelieferten Jungtiere nicht möglich war.

Beim Untersuchen der Kadaver konnten folgende Diagnosen als Hinweise für anhaltende Schmerzen und Leiden ermittelt werden:

  • chronischer Gewichtsverlust
  • chronische eitrige Gelenksentzündungen
  • starke Klauenerkrankungen
  • chronische Entzündungen infolge des Abrisses oder der Verletzung der Afterklaue
  • tiefgehende Bissverletzungen an Ohren und Schwänzen mit chronischen Entzündungen
  • großflächige oder tiefgehende Verletzungen an Hernien (Eingeweidebrüchen)
  • Mastdarmvorfälle
  • tiefgehende Hautläsionen aufgrund von Geschwüren.

Bei insgesamt 323 Schweinen mussten die Wissenschaftler davon ausgehen, dass sie länger anhaltenden Leiden ausgesetzt waren. Diese Befunde stuften sie nach §17 Nr. 2b des Tierschutzgesetzes als tierschutzrelevant ein. Nicht nach dem Tierschutzgesetz bewertete Diagnosen konnten sie bei weiteren 69 Schweinen stellen.

ISN und Wissenschaftler sehen Handlungsbedarf

Da bei mehr als 10 Prozent der untersuchten Kadaver Hinweise auf Tierschutzverstöße zu finden waren, besteht den Forschern zufolge, dringender Handlungsbedarf im Umgang mit kranken und verletzten Tieren. Die Ergebnisse lassen weiterhin den Schluss zu, dass bei 20 Prozent der an die TBA angelieferten Schweine eine Nottötung unumgänglich gewesen wäre. Eine mangelhafte Durchführung der Betäubung oder Tötung konnte zudem bei 61,8 Prozent der insgesamt 165 Tiere, denen eine Euthanasie anzusehen war, nachgewiesen werden.

Auch die ISN sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert schnelle Lösungen im Sinne jedes ordentlich arbeitenden Tierhalters.Hierfür müssten beispielsweise kurzfristig breit angelegte Schulungen anlaufen.

Mit Material von Tierärztliche Hochschule Hannover
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