Heimlich gedrehte Videoaufnahmen von Tierrechtlern sorgen derzeit für Aufregung. Das Bildmaterial soll aus vier Schweinemastbetrieben im Kreis Steinfurt (NRW) stammen. Zu sehen seien „blutige Verletzungen“ und „sterbende Schweine in Buchtengängen“. Agrarheute berichtete.
Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) hat nun auf die Vorwürfe reagiert. Er fordert einen Gesellschaftsvertrag zur Zukunft der Nutztierhaltung. Gebraucht werde eine Vereinbarung, die mehr Tierwohl biete und den Bauern eine wirtschaftliche Perspektive eröffne, sagte WLV-Präsident Johannes Röring.
Röring: „Tierhalter müssen sich fortbilden“
Neben dem Gesellschaftsvertrag forderte der WLV-Präsident neue Stallbaukonzepte und eine Lösung, wie ein flächendeckender Umbau der Ställe finanziert werden könne. Die Landwirte seien „auf jeden Fall“ dazu bereit, diesen Weg zu gehen.
Die in der WDR-Sendung „Westpol“ ausgestrahlten Bilder zeigten laut Röring überwiegend Krankheitssymptome und Verletzungen an Tieren, die nachweislich tierärztlich behandelt worden seien. In einigen Fällen aber hätten beispielsweise Tiere rechtzeitig notgetötet werden müssen, was vielen Bauern schwerfalle.
„Dies ist menschlich verständlich, letztlich aber nicht akzeptabel - auch nicht für Landwirte“, sagte der WLV-Präsident. Er hält es für erforderlich, dass sich die Tierhalter konsequent fortbilden lassen. Als „nicht akzeptabel“ stufte Röring zudem das Fehlen von Krankenbuchten ein.
Grüne sehen Tierskandale nicht als Einzelfälle
Der Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, hält die aktuellen Vorwürfe als ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Skandale in der Schweinehaltung „schon lange nicht mehr durch Einzelfälle begründen lassen“.
Die ausgestrahlten Bilder zeigten einmal mehr fühlende, hochintelligente Tiere, denen ein Mindestmaß an Fürsorge und Schutz verwehrt werde. „Das System der industriellen Tierhaltung nimmt Tierleid billigend in Kauf und ist in der hier gezeigten Ausprägung pervers und widerwärtig“, sagte Ostendorff.
Der Agrarsprecher forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, zu handeln und innerhalb von vier Wochen einen Aktionsplan für die Tierhaltung vorzulegen. Die Betriebe müssten regelmäßig kontrolliert und Verstöße konsequent geahndet werden.
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