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Aus der Wirtschaft

'Tierwohl muss bezahlt werden'

von , am
14.09.2012

Schweringen - "Moderne Schweinehaltung im Umbruch" lautete das Motto des DBV-Veredlungstags. 400 Landwirte und Experten debattierten, ob der Veredlungsstandort Deutschland in Gefahr ist.

400 Landwirte und Experten aus Politik und Wirtschaft nahmen am Veredlungstag teil. © tb/NL
Die moderne Schweinehaltung sieht sich mehr und mehr Forderungen aus Politik und Gesellschaft gegenüber. Die Überarbeitung des Tierschutzgesetzes, die Arzneimittelgesetz-Novelle, die Charta für Landwirtschaft und der Anspruch nach mehr Tierwohl machen die Schweineproduktion zu einer Herausforderung.

BMELV: Verbraucher entscheiden nach ökonomischen Aspekten

Karin Schwabenbauer vom BMELV forderte die gesamte Lebensmittelbranche dazu auf, sich kritisch zu hinterfragen, um sich weiter entwickeln zu können. Bei den Umsetzungen der Forderungen nach mehr Tiergerechtheit versprach sie, dass die Politik die Schweinehalter nicht allein lassen werde. Sie machte weiterhin deutlich, dass die Verbraucher an der Ladentheke immer nach ökonomischen Aspekten handeln werden und sich somit für das billigere Produkt entscheiden. Die Frage, wer dann die Kosten für das teurere Tierwohl-Fleisch trägt, ließ sie offen.

LWK NRW: Zusammenspiel zwischen Praktikern und Forschung wichtig

Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rechnete Kosten für einige bauliche Anforderungen an mehr Tier- und Artgerechtheit vor. Dabei kam er für Investitionen in Beschäftigungsmöglichkeiten, ein höheres Platzangebot und komfortablere Stallböden auf Mehrkosten von 15 bis 20 Euro je Mastschwein. Der richtige Weg, erklärte Spandau, könne nur in einem Zusammenspiel von Stallbauern und -einrichtern sowie praxisorientierter Forschung gefunden werden, jedoch nicht am grünen Tisch der Politik. 

LEH: Mehrleistungen honorieren

Als Vertreter für den Lebensmitteleinzelhandel erklärte Ludger Breloh, dass sich die Landwirte betriebsindividuell an die aktuellen Herausforderungen wagen müssten. Eine Mehrleistung in Sachen Tierwohl bei der Produktion müsse auch dementsprechend honoriert werden. Die Differenz des gestiegenen Verbraucherpreises stünde denjenigen zu, die die Mehrausgaben getätigt haben. Der Lebensmitteleinzelhandel wolle Landwirte bei der Umsetzung der politischen Forderungen unterstützen und mit ihnen zusammen daran arbeiten, dass der Tierproduktion künftig mehr Akzeptanz von den Konsumenten entgegen gebracht wird.
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