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Tipps gegen das Schwanzbeißen bei Ferkeln

von , am
13.07.2015

Per EU-Richtlinie ist das routinemäßige Kuperien der Schwänze von Ferkeln verboten. Dadurch wird aber auch das Risiko von Schwanzbeißen erhöht. Die LfL Bayern forscht an wirksamen Gegenmaßnahmen.

Ein "eingeklemmter" Schwanz deutet auf die Gefahr des Schwnzbeißens hin, deshalb: Tiersignale beachten. © LfL Bayern
Ziele der aktuellen Versuchsreihe zum Thema "Schwanzbeißen in Ferkelaufzucht und Mast" sind laut Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Bayern:
  • Risikoeinschätzung: Das Risiko eines Verzichts auf das Kürzen der Schwänze in konventionellen, strohlosen Haltungssystemen soll abgeschätzt werden.
  • vorbeugende Maßnahmen: Möglichkeiten sollen erarbeitet werden, die dem Schwanzbeißen unter oben genannten Haltungsbedingungen vorbeugen.
  • Haltungsalternativen: Praktiken sollen gefunden werden, wie ein Schwanzbeißgeschehen frühzeitig erkannt und gestoppt werden kann.
Als die wichtigsten Gegenmaßnahmen bei akutem Schwanzbeißen empfehlen die Wissenschaftler der LfL Bayern:
  • eine sofortige Gabe von Raufutter und, bei Bedarf,
  • die Entfernung hartnäckiger Beißer aus der Bucht.
Um Schwanzbeißen früh zu erkennen, sei ferner auf entsprechende Tiersignale zu achten. Ein zwischen die Hinterbeine "eingeklemmter" beziehungsweise zum Körper gezogener Schwanz sei ein sehr sicherer Hinweis.

Versuchsaufbau der LfL Bayern

Laut LfL Bayern wurden im Rahmen des Versuches bislang acht Durchgänge zu den folgenden Fragen durchgeführt:
  • Durchgänge 1 und 2: Wie wirkt sich ein Kupierverzicht unter praxisüblichen, konventionellen Haltungsbedingungen auf die Entwicklung von Schwanzbeißen aus?
  • Durchgänge 3 und 4: Wie wirkt sich eine Verbesserung der Haltungsumwelt ("Tierwohlbucht": Beschäftigung, Raufutter, Wasser, Besatzdichte) aus?
  • Durchgänge 5 und 6: Welchen Einfluss hat die Besatzdichte auf das Schwanzbeißgeschehen in der sogenannten "Tierwohlbucht"?
  • Durchgang 7: Wie wirken verschiedene Raufutterarten?
  • Durchgang 8: Wie wirkt es sich aus, wenn der Schwanz weniger stark gekürzt wird?
Die Versuche dauerten jeweils sechs Wochen und fanden in acht Ferkelaufzuchtbuchten statt.
 
In allen Versuchsdurchgängen (Ausnahme Durchgang 7) wurden laut LfL Bayern praxisübliche Standardbuchten als Kontrollvariante berücksichtigt. Diese Buchten waren mit Kunststoffrosten und einer geschlossenen, beheizbaren Bodenfläche ausgestattet. Bei der üblichen Belegung mit 28 Ferkeln standen jedem Tier 0,35 m²uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche zur Verfügung. Die Tiere erhielten Futter an vier Fressplätzen an Breiautomaten und Wasser aus drei Tränkenippeln. Als Beschäftigungsmöglichkeit stand eine Kette mit einem Kunststoffobjekt zur Verfügung.

Maßnahmen bei akutem Schwanzbeißen

    In der Zusammenfassung gibt die LfL Bayern folgende Empfehlungen bei akutem Schwanzbeißen:
    • Verzicht auf das Kupieren der Schwänze erhöht das Risiko
      Der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze erhöht laut LfL das Risiko für ein Auftreten von Schwanzbeißen erheblich. Trotz Fortschritten im Bereich der Ferkelaufzucht, die durch großzügigere Haltungsbedingungen und ein verbessertes Management im Falle des Auftretens von Schwanzbeißen erzielt wurden, erreichten bislang nur wenige Schweine das Schlachtalter mit ursprünglicher Schwanzlänge.

    • Gabe von Raufutter: günstige Wirkung
      Von den während der Ferkelaufzucht geprüften Faktoren erzielte vor allem die Gabe von Raufutter eine günstige Wirkung. Bekamen die Ferkel vom Absetzen weg Raufutter, trat Schwanzbeißen später und weniger stark auf. Raufutter bewährte sich auch als Gegenmaßnahme, falls Schwanzbeißen aufgetreten war. Wurde zusätzlich zur Gabe von Raufutter auch das Flächenangebot um 50 Prozent erhöht, erbrachte diese Maßnahme nur noch geringe Verbesserungen hinsichtlich des Schwanzbeißens. Konnte die Raufuttergabe ein akutes Schwanzbeißen nicht gänzlich beenden, wurde zumeist ein noch in der Bucht befindliches Tier als sogenannter "hartnäckiger" Beißer identifiziert. Dieser musste dann ausgestallt werden.
    • Sensibilisierte Tierbetreuung
      Bemerkenswert sei, dass bereits eine für das Thema Schwanzbeißen sensibilisierte Tierbetreuung erhebliche Verbesserungen erbrachte. So konnte die Häufigkeit schwerer Verletzungen (Note 2 & Note 3) in den Standardbuchten laut LfL Bayern von etwa 80 Prozent in den Durchgängen 1 und 2 auf 60 Prozent in allen weiteren Durchgängen reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von 25 Prozent ohne dass gleichzeitig Haltungsfaktoren verändert wurden.
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