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Schwein

Tönnies macht mit der Ebermast weiter

von , am
28.12.2009

Berlin - Der Fleischkonzern Tönnies hält an dem eingeschlagenen Kurs der Schlachtung von Ebern fest. Damit wandert eine größer werdende Zahl nicht kastrierter männlicher Tiere Woche für Woche an die Schlachthaken in Rheda-Wiedenbrück.

© agrarfoto.com

Wie der Abteilungsleiter Landwirtschaft von Tönnies, Dr. Wilhelm Jaeger, vergangene Woche erklärte, ist der Fleischverarbeiter aufnahmebereit für weitere Landwirte, die in die Ebermast einsteigen wollen. Bislang beteiligten sich "einige Hundert" Schweinemäster, davon viele aus Westfalen, aber auch einige große Betriebe aus den Niederlanden. Eine Ausweitung der Eberschlachtungen von derzeit rund 700 pro Tag sei geplant.

Hintergrund der Aktivitäten von Tönnies ist das seit diesem Jahr geltende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration in den Niederlanden, auf das die Ebermast eine Antwort ist. Deutschland ist aufgrund der engen Handelsverflechtung mit Holland von den Tierschutzregelungen im Nachbarland betroffen. Tönnies war vor rund zwei Jahren in die Eberschlachtung eingestiegen und weitete das Pilotprojekt in diesem Jahr auf das aktuelle Niveau aus.

Abzug von vier Cent/Kilogramm auf den Nordwestpreis

An der Preisgestaltung habe sich in diesem Jahr nichts verändert, erläuterte Jaeger. Auf den Nordwestpreis werde bei den Ebern ein Abzug von vier Cent/Kilogramm fällig. Im Durchschnitt entspreche dies dem Preisniveau für Kastraten, das bei Abrechnung über die Preismaske erreicht würde, betonte der Abteilungsleiter Landwirtschaft bei Deutschlands größtem Schweinefleischverarbeiter. Er verwies zudem auf die Vorteile in der Futterverwertung, die die Landwirte bei den Ebern hätten.

Elektronische Nase in der Entwicklung

Die Abnehmer des Eberfleisches stammen Jaeger zufolge sowohl aus dem Frischfleischbereich wie auch aus der Fleischwarenwirtschaft und kommen aus Deutschland ebenso wie aus anderen Ländern. Was die langfristigen Perspektiven der Branche angeht, sieht der Tönnies-Abteilungsleiter den Weg zum kompletten Ausstieg aus der Ferkelkastration vorgezeichnet. Die Aufgabe, möglicherweise geruchsbelastetes Fleisch bestimmter Eber aus der Lieferkette herauszubekommen, hält er durch verschiedene Forschungsaktivitäten für in Angriff genommen. Sein eigenes Projekt einer "elektronischen Nase" zum Aufspüren von problematischen Fleischpartien hat Tönnies mittlerweile an den Verband der Fleischwirtschaft (VDF) abgegeben und damit auf eine breite Basis gestellt.

Neues Projekt geplant

Eine Koordinierungsstelle zu Fragen der Ebermast sei bei der Qualität und Sicherheit GmbH (QS) eingerichtet, erläuterte Jaeger. Bei QS ist seit April dieses Jahres der Einsatz von Schmerzmitteln verpflichtend. QS wird sich auch finanziell an dem VDF-Projekt zur elektronischen Nase beteiligen, das in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut durchgeführt wird. Ergänzend dazu sollen in einem zweiten Projekt der Universität Göttingen mit Hilfe eines Experten- und Verbraucherpanels grundlegende Erkenntnisse zur sensorischen Bewertung von Fleisch gewonnen werden. (AgE)

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