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Aus der Wirtschaft

Tönnies verwertet Schweinedünndarm zu Heparin

von , am
07.11.2014

Rheda-Wiedenbrück - Der Fleischverarbeiter Tönnies beliefert seit kurzem den Konzern Pharma Action mit Dünndarmschleimhaut aus Schweinen für die Heparinherstellung.

Werksgebäude des Unternehmens Tönnies
Platz 5: Unter die Top 5 der weltweit größten Schlachtunternehmen hat es die deutsche Firma Tönnies mit rund 18 Millionen geschlachteten Schweinen im Jahr 2016 geschafft. © Werkbild
Der Rohstoff für die Heparinherstellung des Unternehmens Pharma Action kommt seit kurzem von Schweinen des Fleischverarbeiters Tönnies. Seit 2012 ist Tönnies Mehrheitsgesellschafter beim Heparin-Spezialist Pharma Action in Berlin. In 2013 begannen die Bauarbeiten des  Werkes Aurea am Standort in Rheda-Wiedenbrück. Künftig wird auf einer Gesamtfläche von 3.500 Quadratmeter der Rohstoff für den Blutgerinnungshemmer Heparin hergestellt. Das Roh-Heparin wird aus der Dünndarmschleimhaut von Schweinen gewonnen.

Geschlossene Lieferkette

In der "Inline-Produktion" soll Schlachtung, Zerlegung, Zubereitung, Verpackung und Versand unter einem Dach organisiert werden. Somit entsteht eine geschlossene Lieferkette. So kann man genau zurückverfolgen, wo die Rohstoffe für die Produkte herkommen. Das gilt auch für die Dünndarmschleimhaut (Mucosa), aus der im neuen Werk Aurea Roh-Heparin gewonnen wird, erklärt der Hersteller.

Synergien beider Unternehmen

Zukünftig sollen Synergien aus den Kerngeschäften beider Unternehmen entstehen: die Dünndarmschleimhaut (Mucosa) der bei Tönnies geschlachteten Schweine wird bei Pharma Action weiter verwendet und für die Herstellung des Heparin-Grundstoffs genutzt. Im nächsten Schritt erfolgt die Veredelung zu Heparin-Wirkstoffen (Blutgerinnungshemmer), die bei der Vorbeugung und Therapie bei Embolien und Thrombosen oder bei Operationen und Herzkrankheiten eingesetzt werden.
 
Die Produktion am Standort in Rheda-Wiedenbrück startet im 4. Quartal 2014. Bei Vollauslastung und Nutzung aller Kapazitäten werden mittelfristig rund 60 Prozent der europaweit rückverfolgbaren Heparin-Grundrohstoffe verarbeitet. So sei es in Deutschland erstmals möglich, große Mengen an Heparin-Wirkstoffen zu produzieren, die aus einer Quelle kommen, sagt das Unternehmen.
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