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Trotz Berufsverbot: Straathof-Betriebe produzieren weiter

pd/af
am
11.12.2014

Das Tierhaltungs- und Betreuungsverbot gegen den niederländischen Schweineproduzenten Adrianus Straathof hat bisher keine Auswirkung auf die Produktion in den Betrieben. Straathof geht jetzt juristisch gegen das Verbot vor.

Wie wir gestern berichtet haben, hat der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt dem niederländischen Schweinproduzenten Adrianus Straathof das "Tierhaltungs- und Betreuungsverbot" ausgesprochen. Da sich der Beschluss lediglich auf seine Person und nicht gegen das Unternehmen richtet, dürfen die Betriebe weiter arbeiten. Weitere Maßnahmen, wie Bestandsräumungen wird es daher nicht geben. "Ich hoffe, dass sich die Geschäftspraktiken grundlegend ändern werden und nun nicht nur ein Strohmann gefunden wird, der weiter macht, als wäre nichts geschehen", so der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg Vorpommern, Till Backhaus.
Seit 2001 betreibt Straathof die Schweinezucht Gladau GmbH in Gladau. Im Jahr 2010 wurde dort mit 13.500 Sauen Ferkelaufzucht betrieben. In Gladau sind nach unserer Recherchen die meisten Betriebe von Adrian Straathof in Deutschland eingetragen.

Straathofs Betriebe in Deutschland

Betriebe in Sachsen-Anhalt:
  • Schweinezucht Gladau GmbH
  • Schweinefleischproduktion Gladau GmbH,
  • Altenenplathower Agrarbetrieb GmbH
  • Jüterporc GmbH
  • Schweinmast Binde GmbH
  • Ferkelproduktion Demsin
  • Schweineprojekt Plätz GmbH
Betriebe in Mecklenburg Vorpommern:
  • Schweinemastanlage Medow
  • Sauenzuchtanlage Alt Tellin
  • Schweinezucht Fahrbinde GmbH
Betriebe in Sachsen:
  • Sauenhaltung Thierbach GmbH
Da die Unternehmensstrukturen sehr komplex sind, könne wir hier leider keine Vollständigkeit garantieren. 

Straathof wehrt sich gegen die Vorwürfe

Wie die Mitteldeutsche Zeitung gestern abend auf ihrer Internetseite berichtete, wollten Straathofs Anwälte gegen den Bescheid des Landkreises juristisch vorgehen, möglicherweise sogar bis zum Europäischen Gerichtshof. Laut Kreissprecher Henry Liebe werde bereits Widerspruch gegen die Entscheidung des Kreises eingelegt und eine Klage angekündigt. Eine Sprecherin des Unternehmens Straathof weise laut MZ die Vorwürfe zurück, nach denen Tieren anhaltende Schmerzen zugefügt worden seien. Auch würden ohne eine tierärztliche Anweisung keine Antibiotika verabreicht. Straathof selbst ließ in Medien verlautbaren, dass viele Vorwürfe unzutreffend seien und der Verbotsbescheid des Landkreises zudem rechtliche Mängel aufweise.
Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) stellte sich laut Mitteldeutscher Zeitung hinter die Entscheidung des Landkreises. "Die zuständigen Behörden - und das ist für die amtliche Tierschutzaufsicht der Landkreis - sind von mir angehalten, Probleme engagiert anzugehen.

Betriebe in Mecklenburg -Vorpommern stehen unter ständiger Kontrolle

Auch in Mecklenburg -Vorpommern betreibt die Straathof Holding drei weitere Standorte. Diese wurden und werden intensiv durch die zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Landkreise überwacht. Insgesamt wurden seit 2011 Bußgelder in Höhe von ca. 163.000 Euro gegen die Straathof Holding durch die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern verhängt, darunter auch gegen Tierschutzverstöße. Es sind derzeit auch zwei Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Für Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat "Diese Tierhaltung nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun. Wir werden alles daran setzen, dass Missstände weiter aufgedeckt werden und konsequent verfolgt werden."

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