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Tierschutz

Überfüllte Ställe wegen Tönnies: Tierärzte fordern Krisengipfel

Tierarzt und Landwirt bei der Tierkontrolle im Schweinestall
am Dienstag, 07.07.2020 - 10:10 (Jetzt kommentieren)

Die Bundestierärztekammer hat die Bundesregierung aufgefordert, vor dem Hintergrund der Schlachthofschließungen und dessen Folgen einen raschen Krisengipfel einzubrufen.

Die Bundestierärztekammer (BTK) hat die Bundesregierung aufgefordert, umgehend einen Krisengipfel unter Einbeziehung von Veterinären, Landwirten, Schlachthofbetreibern und zuständigen Behörden einzuberufen. Es gehe darum, schnell Lösungen für die aktuelle Situation nach der Corona-bedingten Schließung von Schlachtstätten zu finden.

Infolge der insgesamt verringerten Schlachtkapazitäten mit einem Wegfall von mehreren Zehntausend Schlachtungen pro Tag würden sich aktuell aber große Tierschutzprobleme ergeben. Der plötzliche Wegfall von Schlacht- und Zerlegekapazitäten hat unmittelbare Auswirkungen auf die tierhaltenden Betriebe und die Tiere in den Ställen“, warnte BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann. Dabei könnten tierschutzrelevante Probleme entstehen.

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BTK: Überbelegung und längere Transportzeiten sind tierschutzrelevant

Als tierschutzrelevant bezeichnet die Bundestierärztekammer folgende Probleme:

  • Es kommt zu höheren Besatzdichten und überbelegten Ställen, was insbesondere bei sommerlichen Temperaturen mit einer höheren Kreislaufbelastung für die schwereren Mastschweine einhergeht. Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden.
  • Die Transportwege zu alternativen Schlachtstätten, unter Umständen sogar im Ausland, werden deutlich länger. Gerade in der warmen Jahreszeit sind lange Transporte aber kritisch und sollten vermieden werden. Für ohnehin kreislaufschwache Tiere ergeben sich zusätzliche Belastungen.
  • Auch in den Küken- und Ferkelaufzuchten ist ein Rückstau mit entsprechenden Überbelegungen der Ställe zu erwarten.

Laut BTK ist es nur schwer möglich, fehlende Schlachtkapazitäten durch andere Standorte zu kompensieren. Die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln hätten bereits deutliche Kapazitätseinbußen zur Folge. Darüber hinaus ständen aufgrund der branchenweiten Tests und zahlreicher offener Testergebnisse weniger Mitarbeiter zur Verfügung.

Die Forderung, Produktionspersonal in Schlachtung und Zerlegung zweimal wöchentlich zu testen, verstärke diesen Kapazitätsmangel. Eine kurzfristige Erhöhung der Schlachtkapazitäten in bisher nicht betroffenen Schlachtbetrieben dürfte daher schwierig werden. Es sei zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitzt. Ein Krisengipfel sei daher notwendig.

Konzentration auf wenige große Schlachtunternehmen rächt sich

Wie die Bundestierärztekammer betont, räche sich jetzt die Konzentration auf wenige große Schlachtunternehmen, die zu Lasten regionaler Betriebsstrukturen ging. Allerdings reiche die notwendige Diskussion um einen Wandel des Systems in der akuten Situation nicht aus. Auch die Forderung der Politik, Bestandszahlen vorübergehend zu reduzieren, greife kurzfristig nicht.

Es müssten vielmehr praktikable, tierschutzgerechte Lösungen für die Tiere gefunden werden, die sich jetzt in der Mast und in der Aufzucht befinden. Hier sind laut BTK die Haltungs- und Schlachtbetriebe in enger Zusammenarbeit mit den Veterinärbehörden gefordert. Es könne nicht sein, dass schlicht keine Schlachttiere mehr angekauft und die Problemlösung den tierhaltenden Betrieben überlassen werde.

Mit Material von Bundestierärztekammer

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