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Schweinemarkt

Überproduktion drückt Preise

Dr. Olaf Zinke/agrarmanager/Bernadette Schweiger/agrarheute
am
13.11.2015

Die stiegende Produktion von Schweinefleisch führt zu einem starken Druck auf die europäischen Schweinepreise. Verbrauch und Export können momentan die Überproduktion nicht kompensieren.

Die steigende Produktion von Schweinefleisch übertrifft den Verbrauch, was zu dem derzeitigem Preisdruck auf dem Schweinemarkt führt. Das berichtet Marktexperte Dr. Olaf Zinke in seiner aktuellen Marktanalyse. Auch der kräftig wachsende Export kann die Überproduktion nicht kompensieren.

Nach der derzeitigen Einschätzung der Europäischen Kommission übertrifft die Produktion 2015 die bisherigen Spitzenwerte aus den Jahren 2001 und 2007. Zudem gehen die  Kommissionsexperten auch für das Jahr 2016 von einem weiteren Zuwachs der europäischen Schweineproduktion auf einen neuen Rekordwert aus. 

Auch 2016 niedrige Schweinepreise erwartet

Die durchschnittlichen europäischen Schweinepreise der Handelsklasse E  im Jahr 2015 liegen nach den vorläufigen Angaben der Kommission bei 144,4 Euro je 100 kg SG. Das ist der niedrigste Preis seit dem Jahr 2010 als Schweinepreise im Jahresmittel nur bei 140 Euro je 100 kg SG lagen. Im vierten Quartal 2015 erwartet die Kommission nur ein Preisniveau von 142,7 Euro je 100 kg. Die Erwartung für das erste Quartal 2016 liegt vor dem Hintergrund der Produktionsdaten nur noch bei 138,8 Euro je 100 kg SG und rutscht damit noch unter den ohnehin schon schwachen Wert aus dem vierten Quartal 2015. 

 

Schweineproduktion steigt auf Rekordniveau

Nach den Ende Oktober von der EU-Kommission aktualisierten Daten hat die europäische Schweineproduktion im Jahr 2015 um 2,7 %  auf 23,44 Millionen Tonnen zugenommen. Das ist ein neuer Rekordwert, der auch die bisherigen Produktionsspitzen aus dem Jahr 2001 von 23,06 Millionen Tonnen und aus dem Jahr 2007 von 23,09 Millionen Tonnen übertrifft. Für das Jahr 2016 rechnet die Kommission derzeit mit einem weiteren moderaten Wachstum der Produktion um 0,5 % auf den neuen Spitzenwert von 23,56 Millionen Tonnen. 

Gleichzeitig hat im Jahr 2015 jedoch auch der Verbrauch von Schweinefleisch in der Europäischen Union um 2,3 % auf 21,37 Millionen Tonnen zugenommen. Allerdings ist der Verbrauch langsamer gewachsen als die Produktion. Für das Jahr 2016 rechnet die Kommission dann nur noch mit einem ganz leichten Wachstum des Verbrauchs um 0,1 % auf  21,4 Millionen Tonnen. 

 

 

Export ebenfalls sehr kräftig gewachsen

Den Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch in der Europäischen Union gibt die Kommission für das Jahr 2015 mit 110 % an. Allerdings hat 2015 auch der Export von Schweinefleisch aus der Europäischen Union sehr kräftig um 7,5 % auf 2,06 Millionen Tonnen zugenommen. Und dieser kräftige Zuwachs fand trotz des Einfuhrstopps des bislang wichtigsten Abnehmers Russland statt.

Die Hauptträger des sehr dynamischen europäischen Exportwachstums waren China und Südkorea. Für das Jahr 2016 erwarte die Kommission derzeit ein weiteres Wachstum der Exporte um 3,0 % auf  2,12 Millionen Tonnen. Der zuletzt erneut sehr schwache Euro könnte die europäischen Exporte indessen weiter ankurbeln und damit zur Entlastung des europäischen Markte beitragen und die Preise am Binnenmarkt stützen.

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