Login
Zucht

Wenn das Überschreiten der Vieheinheitengrenze droht

von , am
17.03.2011

Damme - Auch ohne große Wachstumsschritte bewegen sich viele spezialisierte Schweinehalter eng an der Vieheinheiten-Grenze.

© Christine Braune/pixelio
Steigende Leistungen mit höheren Ferkel- und Umtriebszahlen führen schnell zum Überschreiten der Grenze. Wer die Vieheinheiten-Grenze um mehr als 10 Prozent überschreitet, wird neuerdings bereits im laufenden Wirtschaftsjahr gewerblich. Was hierbei zu beachten ist, erläutert Ruth Beverborg von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
 
Wie schnell der sofortige Strukturwandel eintreten kann, verdeutlicht Übersicht 2. Ein Betrieb mit 200 Sauen (200 Sauen * 0,33 VE = 66 VE) und 23 verkauften Ferkeln pro Sau und Jahr sowie einem durchschnittlichen Verkaufsgewicht von 29 Kilogramm pro Ferkel (4.600 Ferkel * 0,04 VE = 184 VE) produziert 250 Vieheinheiten (VE) jährlich. Der Flächenbedarf für eine steuerrechtlich landwirtschaftliche Produktion liegt bei 28 Hektar LF, denn nach dem Bewertungs- und Einkommensteuerrecht gehören Tierbestände in vollem Umfang zur Landwirtschaft, wenn im Wirtschaftsjahr
  • für die ersten 20 ha nicht mehr als 10 VE/ha
  • für die nächsten 10 ha nicht mehr als 7 VE/ha
  • für die nächsten 20 ha nicht mehr als 6 VE/ha
  • für die nächsten 50 ha nicht mehr als 3 VE/ha und
  • für die weitere Fläche nicht mehr als 1,5 VE/ha
erzeugt oder gehalten werden.

Steigende Ferkelzahlen und schwere Ferkel

Bei einer Leistungssteigerung des Betriebes auf von 23 auf 27 verkaufte Ferkel pro Sau und Jahr, wird die 10 Prozent - Grenze des Bundesfinanzhofs bereits überschritten. Der Betrieb produziert dann 282 VE und benötigt 32 Hektar LF. Liegt die Leistung des Betriebes bei 30 verkauften Ferkeln mit einem durchschnittlichen Verkaufsgewicht von 32 Kilogramm, so werden 426 VE erzeugt (66 VE über die Sauen und 360 VE über die Ferkel; 6.000 Ferkel * 0,06 VE). Je nachdem, mit welchem Gewicht die Ferkel vom Sauenhalter an den Mäster verkauft werden, erfolgt die VE-Bewertung der Tiere (s. Übersicht 3).

Gegen böse Überraschungen wappnen

Verkauft der Sauenhalter die Ferkel nicht mit 29 Kilogramm, sondern erst im Gewichtsabschnitt von 30 bis 45 Kilogramm an den Mastbetrieb, wird das Ferkel im Ferkelerzeugerbetrieb anstatt mit 0,04 VE mit 0,06 VE bewertet. Der Schweinemastbetrieb kann im Gegenzug die erzeugten Mastschweine mit 0,10 statt 0,12 VE bewerten. Dabei gilt der Grundsatz, dass ein erzeugtes Mastschwein insgesamt mit 0,16 VE zu bewerten ist. In dem Beispiel steigt damit der Flächenbedarf bei einem Verkauf von 30 Ferkeln mit 32 Kilogramm von ursprünglich 28 Hektar auf 62 Hektar. Damit benötigt der Betriebsleiter allein aufgrund der Leistungssteigerung und der höheren Verkaufsgewichte seiner Ferkel mehr als zweimal so viel Fläche, ohne in der Größe gewachsen zu sein. (isn)
Auch interessant