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Aus der Wirtschaft

Ukraine: Import von Schweinefleisch wächst kräftig

© agrar-press
von , am
11.09.2012

Die Ukraine ist in den letzten Jahren ein bedeutender Exportmarkt für Schweinefleisch aus der Europäischen Union geworden.

© Mühlhausen/landpixel
Für 2012 rechnen die Experten des amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) in einer aktuelle Analyse nochmals mit einem kräftigen Zuwachs der ukrainischen Importe. Diese Einschätzung stimmt auch mit der aktuellen europäischen Exportstatistik überein. Danach hat sich Ausfuhr von Schweinefleisch aus der EU in die Ukraine im laufenden Jahr etwa verdoppelt. Damit gehört die Ukraine neben China und Weißrussland zu den wichtigsten Wachstumsmärkten im EU Schweinefleischexport.

Noch immer viele Kleinproduzenten

Nach einem kräftigen Rückgang im zweiten Halbjahr 2011 scheint sich der ukrainische Schweinebestand derzeit wieder zu stabilisieren. Ursache sind offenbar die hohen Schweinepreise in der Ukraine. Insbesondere in den großen industriellen Produktionsanlagen nimmt die Zahl der Schweine 2012 wieder zu. Diese Großanlagen, die ganz überwiegend im Rahmen von vertikalen Produktionsketten (Holdings) organsiert sind, halten jedoch nur 45 % des gesamten ukrainischen Schweinbestandes. Die übrigen Tiere stehen nach wie vor in den hauptsächlich auf Selbstversorgung ausgerichteten kleinen Haus- und Hofwirtschaften.

Import wächst kräftig

Die Produktionsmenge wird für dieses Jahr auf etwa 680.000 t Schweinefleisch geschätzt. Damit wäre die Produktion im laufenden Jahr größere als ursprünglich erwartet, jedoch rund 20.000 t bzw. 5 % kleiner als im letzten Jahr. Der erwartete Verbrauch liegt mit 830.000 t fast ein Viertel über der Produktionsmenge und auch 25.000 t über dem Vorjahreswert. Entsprechend steigen die Importmengen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls an. Die Experten des USDA gehen für 2012 von einer Einfuhrmenge von etwa 180.000 t aus (+ 50 %), nach knapp 120.000 t im letzten Jahr.

Ausreichend Futtergetreide

Auch in der Ukraine sind Getreidepreise und Futterkosten kräftig gestiegenen. Dies hat nach Einschätzung des USDA in den vertikal integrierten Großunternehmen (Holdings) jedoch deutlich weniger Auswirkungen. Dort wird nämlich in der Hauptsache innerbetrieblich produziertes Futter eingesetzt. Damit hätte die Kostenexplosion bei Futter auch weniger Einfluss auf die Bestandsentwicklung in den Holdings. Darüber hinaus wird auch in diesem Jahr mit einer sehr guten Maisernte gerechnet und damit - trotz der schwachen Weizenernte - auch mit einer guten Futtergetreideversorgung.

Holdings wachsen weiter

Die ukrainische Marktproduktion wird von großen industriellen Unternehmen dominiert. In diesem Sektor nehmen die Investitionen weiter kräftig zu. Dabei werden in den industriemäßig organsierten Großunternehmen meist 20.000 und mehr Schweine gehalten. Zu solchen Holdings gehört dann nicht nur die Mast- oder die Aufzucht, sondern in aller Regel auch die Futterproduktion, die Logistik und oftmals auch betriebseigene Verkaufseinrichtungen. Häufig haben diese Unternehmen gleichzeitig in die Geflügelproduktion investiert. Schweinefleisch macht etwa ein Drittel des Gesamt-Fleischverbrauchs in der Ukraine aus, auf Geflügel entfallen 46 %, auf Rindfleisch 19 %.

Verdopplung der Einfuhren aus der EU

Die EU-Länder haben in den ersten 5 Monaten des laufenden Jahres mit 60.000 t beinahe doppelt so viel Schweinefleisch in die Ukraine geliefert wie im letzten Jahr. Im ersten Halbjahr 2012 lag die Ukraine nach Südkorea und vor Weißrussland auf Position 6 der wichtigsten EU-Exportmärkte. Zwischen der EU und der Ukraine steht zudem ein Freihandelsabkommen über die Lieferung von Schweine- und Rindfleisch kurz vor dem Abschluss. Ein weiterer wichtiger Lieferant für den ukrainischen Markt war bislang Brasilien. Die Brasilianer lieferten in den letzten Jahren fast die Hälfte aller ukrainischen Schweinefleischimporte.

Export nimmt ebenfalls zu

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Trotz knapper Inlands-Versorgung exportiert die Ukraine jedoch auch Schweinefleisch. Hauptabnehmer sind Russland und Kasachstan sowie eine Reihe weiterer GUS-Länder. Mit sieben Ländern der GUS besteht seit 2012 eine Freihandelsvereinbarung. Der ukrainische Export von Schweinefleisch belief sich 2011 immerhin auf rund 17.000 t und im könnte im laufenden Jahr sogar auf fast 30.000 t ansteigen.
 

Video: Ebermast als sinnvolle Alternative

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