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Unbekannte lassen 400 Ferkel frei

von , am
05.05.2011

Göttingen - Unbekannte haben in der Nacht zum Samstag an einer Schweinemastanlage in Rosdorf bei Göttingen sämtliche Türen und Boxen geöffnet.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission mit einer sinkenden Schweineproduktion gerechnet. Der Trend hat sich bestätigt. © landpixel
Wie die Hessische Niedersächsische Zeitung (HNA) berichtet, machten sich nach der Aktion knapp 400 Ferkel auf den Weg: Sie rannten kreuz und quer im Stall herum, ins Freie, über den Hof. "Das war für die Stress pur", berichtet der betroffene Schweinehalter Sohnrey. Bislang ist dem Landwirt zufolge noch kein Tier verendet. Aber: Ob alle Ferkel die Aufregung überleben werden, sei noch ungewiss.

Familie den ganzen Tag mit Einfangaktion beschäftigt

100 bis 150 Schweine waren aus dem Stall gerannt, der Rest randalierte im Inneren: Die Tiere stießen Futterbehälter um, misteten und urinierten überall hin. "Schweine versuchen sofort, Hierarchien zu bilden", sagt Sohnrey. Die Tiere hätten sich "gebissen und gekabbelt".
 
Zudem empfing die Ferkel im Freien eine ungewohnte Kälte: Am Wochenende lagen die Nachttemperaturen bei fünf Grad Celsius. Man könne nicht ausschließen, dass sich ein Großteil der Tiere erkältet habe, sagt Sohnrey.
 
Fast den ganzen Samstag waren der 50-Jährige und seine Frau, die beiden Kinder, seine Eltern und Schwiegereltern damit beschäftigt, die vier bis zwölf Wochen alten Ferkel einzufangen und nach Altersstufen zu sortieren. Es sei aber trotzdem fraglich, ob jetzt jedes Tier wieder das Futter bekomme, das es benötige, sagt Sohnrey.

Täter unbekannt

Wer die Stalltüren geöffnet haben könnte, ist dem Landwirt schleierhaft. "Falls das ein dummer Jungenstreich sein sollte, war das nicht so lustig", sagt er. Selbst ernannte "Tierschützer"? Dann hätten diese keine Ahnung von Ferkeln, deren Haltungsbedingungen und Hygienemaßnahmen, sagt Sohnrey: "Die Ferkel kennen so etwas doch gar nicht. Das sind doch keine Wildschweine." Jemand, der mit ihm persönlich eine Rechnung offen hat? "Wer ein Problem mit uns hat, sollte uns direkt ansprechen und nicht die Tiere darunter leiden lassen.", sagte Sohnrey gegenüber der HNA.
 
Aus diesem aktuellen Anlass empfiehlt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) dringend, die Türen von Schweineställen sicher abzuschließen. So werden nicht nur Chaoten und "Tierschützer" abgehalten - auch unbefugte Foto- und Filmaufnahmen mit deren oft weitreichenden Folgen lassen sich so verhindern.
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