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Aktionsplan Ringelschwanz

Update 01. Juli 2019: Nationaler Aktionsplan Kupierverzicht in Kraft

Schweine mit Ringelschwänzen
am Montag, 01.07.2019 - 16:45 (Jetzt kommentieren)

Der Nationale Aktionsplan Kupierverzicht in Deutschland tritt heute in Kraft. Nun ist es Sache der Bundesländer, ihn in die Tat umzusetzen. Wir sagen Ihnen, worauf sich Schweinehalter ab heute einstellen müssen.

Schweine mit langen Ringelschwänzen sind selten geworden in Europas Ställen – und das, obwohl die Europäische Union das routinemäßige Kupieren schon seit Längerem nur noch mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. In diesem Jahr wird ein großer Schritt hin zu einem flächendeckenden Kupierverzicht in der EU unternommen und damit kommt auch auf deutsche Schweinehalter einiges zu. Laut EU-Gesetzgebung müssen Schweinehalter kontinuierlich daran arbeiten, dass langfristig auf das Kürzen der Schwänze bei Ferkeln verzichtet werden kann. Der Europäische Kommission schien dieses Vorankommen jedoch nicht schnell genug zu gehen. 

Bis Anfang 2018 wurden in den Mitgliedsstaaten Audits zum Thema durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass fast überall, außer in Schweden und Finnland, überwiegend kupierte Tiere gehalten werden. Aus diesem Grund forderte die EU-Kommission von allem Mitgliedsstaaten einen Aktionsplan zur Umsetzung des Kupierverzichts.

Aktionsplan Kupierverzicht: Mehr Schweine mit Ringelschwanz in deutschen Ställen

In Deutschland wurde daraufhin der Nationale Aktionsplan Kupierverzicht entwickelt, dem die deutschen Agrarminister im September 2018 zugestimmt haben. Sie einigten sich außerdem darauf, den Aktionsplan ab heute, dem 1. Juli 2019 greifen zu lassen. Nun müssen die Bundesländer an der Umsetzung arbeiten. Doch auch, wenn es noch Bundesländer noch keine Umsetzung erarbeitet haben sollten: Der Aktionsplan gilt ab heute für alle schweinehaltenden Betriebe, die weiterhin kupieren beziehungsweise kupierte Schweine einstallen möchten.

Ende 2018 veröffentlichte Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland einen Erlass zur Umsetzung. Andere Bundesländer werden folgen, Niedersachsen hat seinen Erlass erst vor wenigen Tagen veröffentlicht. Die Richtung des Plans ist dabei klar: Der Anteil kupierter Schweine in deutschen Ställen soll schrittweise reduziert werden.

Zunächst geht es aber auch darum, die Einzelfallentscheidungen für das Kupieren in den Betrieben mit Fakten zu belegen und zu dokumentieren. Außerdem müssen die Betriebe die Maßnahmen aufführen, die sie gegen das Schwanzbeißen ergreifen. Damit soll der Aktionsplan eine von den Behörden akzeptierte Dokumentation dafür sein, dass Schweinehalter den langfristigen Kupierverzicht aktiv angehen.

Kupieren bleibt unter Auflagen vorerst weiter erlaubt

In Niedersachsen haben Schweinehalter mit dem dort geplanten Aktionsplan zukünftig weiterhin zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können vorerst weiter kupieren oder kupierte Tiere einstallen.
  2. Oder sie sammeln bei einer kleinen Gruppe unkupierter Tiere Erfahrungen.

Damit gleichen sich der Erlass aus Nordrhein-Westfalen und der geplante Erlass in Niedersachsen in den wesentlichen Punkten.

Wer vorerst weiterhin nur unkupierte Tiere halten möchte, muss eine Risikoanalyse in seinem Betrieb durchführen. Sie umfasst das Bewerten des Stallklimas, des Beschäftigungsmaterials, der Gesundheit und Fitness der Tiere sowie der Futter- und Wasserversorgung. Außerdem werden die Struktur und die Sauberkeit in den Buchten berücksichtigt. Zusätzlich müssen Schweinehalter Schwanz- und Ohrverletzungen dokumentieren. Auch Schlachtbefunde können in die Beurteilung mit einfließen.

Auch Betrieben, die sich für die zweite Variante – dem Halten einer kleinen Gruppe unkupierter Schweine – entscheiden, wird das Durchführen einer Risikoanalyse empfohlen. Im nächsten Schritt müssen Landwirte geeignete Optimierungsmaßnahmen mit ihrem Tierarzt oder Berater absprechen. Jeder Schweinehalter, der seine Tiere kupiert, muss zweimal jährlich den Status in seinem Betrieb anhand einer Stichprobe erheben. Die Risikoanalyse ist zudem einmal im Jahr durchzuführen.

Einen positiven Nebeneffekt hat dieser Aufwand: Wer eine Risikoanalyse durchführt, kann sich bei der vorgeschriebenen betrieblichen Eigenkontrolle zurücklehnen, denn sie ist damit erfüllt.

Tierhaltererklärung ab 1. Juli 2019 verpflichtend

Die Risikoanalyse und die Optimierungsmaßnahmen münden letztendlich in der Tierhaltererklärung, die Schweinehalter erstmals bis zum 1. Juli 2019 bei ihrer zuständigen Veterinärbehörde vorlegen müssen – ansonsten drohen Veterinärkontrollen.

Die Erklärung ist für alle Betreibe obligatorisch, die ihre Schweine kupieren oder kupierte Tiere einstallen. Hier kann aber auch angegeben werden, ob der Betrieb eine kleine Gruppe unkupierter Tiere hält. Die Tierhaltererklärung muss zudem beim Kauf und Verkauf von Schweinen berücksichtigt werden. Hier kann der Tierhalter angeben, ob er selbst oder einer seiner Lieferbetriebe Probleme mit Schwanzbeißen im Bestand hat, aber auch, ob der Betrieb einen kleine Gruppe unkupierter Tiere hält.

Betriebe, die auch in zwei Jahren noch ein Problem mit Schwanzbeißen haben, müssen sich dann wahrscheinlich auf behördliche Maßnahmen einstellen. Bis dahin sollten Sie also ausprobieren und testen, wie Schwanzbeißen in Ihrem Betrieb verhindert werden kann, denn einen Königsweg dafür gibt es nicht.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Märzausgabe 2019 von agrarheute Schwein. 

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