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Aus der Wirtschaft

USA: Abwärtsspirale am US-Schweinemarkt

© Mühlhausen/landpixel
von , am
30.08.2012

Während sich die Mäster in Europa über Rekordpreise freuen können, befinden sich die Schweinepreise in den USA auf Talfahrt und die Schweinehalter rutschen immer tiefer in die Verlustzone.

Das Weihnachtsgeschäft lässt auf steigende Preise hoffen. © Mühlhausen/landpixel
Verantwortlich für die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Kosten und Erlösen sind nicht nur die die explosionsartig gestiegenen Futterkosten, sondern auch das deutlich gewachsene Schweineangebot.
 
Bis sich die Situation bessert und die Mäster aus den roten Zahlen kommen, kann es nach den derzeitigen Prognosen von US-Analysten noch bis zum zweiten Quartal 2013 dauern. Eine ähnlich katastrophale Situation hatten die US-Mäster zuletzt 1998 durchzustehen.

Markt hat sehr schnell gedreht

Dabei hat sich der US-Markt überraschend schnell gedreht. Noch im Juni dieses Jahres befanden sich die US-Schweinepreise auf dem zweithöchsten überhaupt jemals erreichten Stand. Im Sommer des Vorjahres waren die Notierung in Folge der robusten Inlandsnachfrage und der ausgezeichneten Exportmöglichkeiten sogar noch höher und die Schweinemäster machten trotz der schon recht hohen Produktionskosten die meiste Zeit des Jahres über Gewinn.
 
Die Folge war eine Aufstockung der Bestände und ein Ausweitung der Produktion. Die aktuelle US-Viehzählung von Juni zeigt gegenüber dem Vorjahr eine Bestandsausweitung von etwa 0,5 Millionen Tieren auf insgesamt 65,8 Millionen Schweine. Dies ist der größte Bestand seit 2009.

Schweinmäster mit massiven Verlusten

Mit den steigenden Futterkosten verschlechterte sich jedoch auch die wirtschaftliche Situation vieler Mäster. Spätestens im Juli gerieten die meisten Schweinhalter massiv in die Verlustzone. Mit den sich immer weiter verschlechternden Ernteaussichten für Mais und Soja Juni erhöhten sich die Futterkosten von Juni bis August dramatisch.
 
Untersuchungen des USDA zeigen je nach Futterart und dem Anteil des selbsterzeugten Futters, einen Kostenanstieg von 30 bis 40 Prozent (%).

Steigende Kosten und fallende Preise

Damit verstärkte sich jedoch die Dynamik von wachsendem Angebot (Bestandsabbau) und fallenden Preisen noch und der Markt stürzte regelrecht ab. Vom letzten Preishöhepunkt im Juni gaben die Schweinepreise bis Ende August um rund 25 % nach und fielen auf den tiefsten Stand seit etwa 20 Monaten. Gleichzeitig lagen die Schlachtzahlen am US-Markt Ende August zeitweise fünf bis sieben Prozent über den Vorjahreswerten und besonders die Zahl der geschlachteten Zuchtsauen nahm rapide zu.

Verluste bis weit ins nächste Jahr

Dabei könnte der Druck auf die US-Schweinemäster nach Einschätzung von US-Ökonomen sogar noch zunehmen. Aktuelle Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit in der Schweinemast von der Purdue Universität in Indiana, zeigen im dritten Quartal 2012 Verluste von 30 US-Dollar je Schwein. Im vierten Quartal dieses Jahres könnten sich die Verluste sogar auf rund 60 US-Dollar je Schwein ausweiten und damit den bisherigen Rekordverlust aus dem Jahr 1998 übersteigen. Damals lag das Minus der Schweinemäster bei 45 US-Dollar je Tier.
 
Für das erste Quartal 2013 sehen die US-Ökonomen immer noch ein Minus von 38 US-Dollar je Schwein und für das zweite Quartal 2013 von fünf US-Dollar je Tier. Diese Aussicht könnte den Bestandsabbau in den USA (und auch in Kanada) noch beschleunigen und den Druck auf den Markt im vierten Quartal 2012 noch erhöhen. Ähnlich wie in Europa und Deutschland sind die Schweinepreise während dieser Zeit ohnehin am niedrigsten.

Weiterer Preisrückgang wahrscheinlich

Angesichts dieser pessimistischen Prognosen zeigen auch die Terminmarktpreise in den USA für die nächsten Monate nach unten. Analysten berichten zudem, dass der Abstand zwischen den derzeitigen schon sehr stark gefallen Kassamarktpreisen und den noch niedrigeren Terminmarktpreisen so groß ist wie lange nicht mehr. Das zeigt, dass der Markt offenbar mit einem weiteren Preisrückgang rechnet, auch wenn sich die Kurse zwischenzeitlich kurz vor dem Labourday (3. September) in den USA etwas stabilisieren konnten. Für den Herbst zeigen die Terminmarktpreise jedenfalls weiter nach unten.

Produktion geht stark zurück

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Das US-Landwirtschaftsministerium hat seine Produktionsschätzung vor diesem Hintergrund zuletzt deutlich revidiert. Aufgrund der starken Bestandreduzierung und Schlachtung in den letzten beiden Quartalen dieses Jahres korrigierte das USDA Mitte August die Produktionsmenge für das nächste Jahr um mehr als drei Prozent nach unten. Damit würde die US-Produktion 2013 - anders als bislang erwartet - kleiner sein als in diesem Jahr.
 
 
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