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Aus der Wirtschaft

Verbände kritisieren Hauspreispolitik der Schlachtkonzerne

© contrastwerkstatt/Fotolia
von , am
08.01.2013

Angesichts der hohen Produktionskosten leiden die Schweinehalter unter den gesunkenen Erzeugerpreisen. Interessensverbände kritisieren jetzt die Schlachtunternehmen, die Preise zu drücken.

Vergangene Woche wurde für Schweine der Handelsklasse S 1,39 Euro je Kilo Schlachtgewicht gezahlt. Das sind vier Cent mehr als in der Vorwoche. © Mühlhausen/landpixel
Seit September sind die Erzeugerpreise um etwa 25 Cent gesunken. Die Interessensverbände suchen nun die Schuld für den Preisrückgang bei den Schlachtunternehmen und deren Preispolitik. Die Interessensgemeinschaft deutscher Schweinehalter (ISN) wirft den Schlachtunternehmen vor die Preise zu drücken, obwohl die Verbraucherpreise nicht gesunken sind. Laut ISN drohten einige Unternehmen kürzlich die Menge angenommener Schweine zu kürzen. Außerdem kritisieren die Schweinehalter das Vorgehen einiger Schlachtunternehmen, bereits am Donnerstag vor der Ermittlung des Vereinigungspreises ihre Preisvorstellung zu veröffentlichen und damit Einfluß zu nehmen. "Hier darf die Frage erlaubt sein, ob die Schlachtunternehmen den Markt derart gut einschätzen können oder ob die Marktposition ausreicht, um den Preis in die gewünschte Richtung zu lenken", so die ISN.
 

Die Hauspreispolitik

Vergleich Vereinigungspreis- und Hauspreis-Entwicklung © isn
Der Interessensverband befürchtet dass die Preisfindung sich ähnlich der Praxis beim Schlachtsauenmarkt entwickelt. Hier veröffentlichten die Unternehmen Tönnies und Westfleisch seit einigen Wochen einen eigenen Schlachtsauenpreis auf ihren Internetseiten. Laut Beobachtung des Verbands, scheinen sich diese Woche für Woche mit der Veröffentlichung abzuwechseln. Aus Sicht der Schweinehalter sei diese Art der Preisermittlung mit Sicherheit zum Nachteil. Landwirte und Viehhandel sollten sich, so ISN, eine gewisse Flexibilität erhalten, um auch mal andere Liefermöglichkeiten bedienen zu können. Die Internet Schweinebörse biete hier Unterstützung, um den Wettbewerb zu erhalten und alternative Vermarktungsmöglichkeiten anzubieten.

 

Vorwurf: Schlachtunternehmen verändern Schlachtkörperbewertung

Die Interesssensverbände werfen den Schlachtunternehmen außerdem vor die Bewertung der verschiedenen Partien ("Masken") der Schlachtkörper zu verändern. "Durch die zuletzt wieder einmal sehr kurzfristigen FOM- Maskenumstellung bei den Unternehmen Tönnies und DanishCrown wird das viel zitierte Vertrauen zwischen Rot und Grün einseitig von den Schlachtunternehmen mit Füßen getreten", heißt es bei ISN. Auch in 2013 sei dieses Thema spätestens mit der AutoFOM III Einführung wieder beschäftigen.
 

Das Angebot bestimmt den Preis

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Laut Marktexperte Olaf Zinke war der Preisrückgang zum Ende des Jahres saisonbedingt zu erwarten und letztlich die Folge marktwirtschaftlicher Prozesse. Erfahrungsgemäß steige das Schweineangebot saisonbedingt jedes Jahr zwischen August und Januar und somit falle auch der Preis. Dass Schlachtunternehmen dies zum Anlass machten die Erzeugerpreise zu drücken, sei aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht überraschend. So nutzten die Unternehmen ihre Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, um auch dem Druck der Händler zu begegnen. Letztlich gingen bei gestiegenen Fleischpreisen die Verbrauchernachfrage zurück.
 

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