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+++ Aktualisiert am 10. September, 17:20 Uhr: Afrikanische Schweinepest +++

Verdacht bestätigt: ASP in Deutschland angekommen

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am Donnerstag, 10.09.2020 - 10:36 (1 Kommentar)

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bestätigte heute Vormittag den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland. Beim in Brandenburg aufgefundenen toten Wildschwein wurde die Seuche nun nachgewiesen.

+++ Aktualisiert am 10. September, 17:20 Uhr +++

Sollten Landwirte in Brandenburg durch die Krisenmaßnahmen Einbußen erleiden, will das Land ihnen zur Seite stehen. "Eines ist ganz klar: dass neben der Seuchenbekämpfung auch die Stabilisierung dieser Betriebe erfolgen muss", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Für die finanzielle Unterstützung stehe eine Tierseuchenkasse bereit. "Sollte dieses Geld nicht ausreichend sein, werden wir gemeinsam mit dem Landesbauernverband überlegen, was die Landesregierung tun kann", kündigte Woidke an.

+++ Aktualisiert am 10. September, 13:15 Uhr +++

In den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree will das Land Brandenburg Krisenmaßnahmen durchsetzen. Das vorläufige Gefahrengebiet solle sich in einem Radius von 15 Kilometern um den Fundort erstrecken, teilte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) mit. Damit seien die beiden Landkreise und auch ein Teil polnischen Gebietes erfasst. 

Im Gefahrengebiet sollen Beschränkungen gelten, zu denen unter anderem ein striktes Jagdverbot zähle, damit Wildschweine nicht aufgeschreckt würden. Auch seien Nutzungsbeschränkungen für Förster und Jäger denkbar, beispielweise in Form von Ernteverboten auf Maisfeldern.

Weiterhin solle engerer Radius um den Fundort zur Kernzone erklärt werden. Landestierarzt Stephan Nickisch sprach sich für einen Radius von drei Kilometern aus. Für diese Fläche seien eine Umzäunung und ein Betretungsverbot vorgesehen.

Vom Fundort des Wildschweinkadavers bis zum nächstgrößeren landwirtschaftlichen Betrieb liege eine Strecke von etwa sieben Kilometern. Die Tierhalter der Region seien bereits auf notwendige strikte Hygienemaßnahmen hingewiesen worden. Auf Hoffesten oder Landwirtschaftsausstellungen dürften keine Schweine mehr zur Schau gestellt werden, so Nonnemacher.

 

Als nationales Referenzlabor wies das Friedrich-Löffler-Institut den positiven ASP-Fall endgültig nach und bestätigte damit den Verdacht.

Da Deutschland ab sofort nicht mehr als "seuchenfrei" gilt, droht ein Zusammenbrechen der Handelsströme in Drittländer, die insbesondere die Exporte nach Asien betreffen könnten.

Klöckner hob während der Pressekonferenz hervor, dass der Verzehr von kontaminiertem Fleisch für den Menschen keine Gefahr darstelle, während die Infektion beim Schwein fast immer tödlich ausgehe. Die Bundesministerin betonte, dass die Seuche für den Menschen ungefährlich sei.

Lieferstopp für Schweinefleisch aus gefährdeten Bezirken

Nach erstmaligem Feststellen der ASP bei einem Wildschwein wird der betreffende Bezirk zunächst als "gefährdet" eingestuft und eine Pufferzone errichtet. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen dieses Gebiet dann nicht verlassen. Ausnahmen seien laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nicht ausgeschlossen.

Obwohl Transporte von Schweinen und Schweinefleisch nur in dem festgelegten Gebiet eingestellt würden, müssten sich Schweinehalter aus ganz Deutschland auf Exporteinbrüche einstellen. Dies betreffe nach Informationen des BMEL insbesondere Lieferungen nach Asien. Das Ministerium arbeite an Vereinbarungen mit Nicht-EU-Staaten, damit diese sich auf regionale Exportbeschränkungen einließen.

Klöckner geht davon aus, dass der Handel innerhalb der EU weitgehend aufrechterhalten werden könne. 

Schutzmaßnahmen haben nicht mehr gehalten

Im Landkreis Spree-Neiße, wo sich das tote Wildschwein befand, sowie im Landkreis Oder-Spree und in der Stadt Frankfurt (Oder) errichtete das Land Brandenburg einen 120 Kilometer langen Elektroschutzzaun an der Grenze zu Polen. Auch in Sachsen wurde eine Barriere errichtet. Für den Kreis Spree-Neiße ist ein fester Schutzzaun geplant. 

Ob sich das Virus in Deutschland bereits verbreitet habe, müsse laut Thomas Mettenleiter, Präsident des FLI, jetzt geprüft werden. Der in Brandenburg aufgefundene Wildschweinkadaver habe vermutlich schon länger am Fundort gelegen, darauf habe die starke Verwesung hingedeutet. Die Fundstelle sei desinfiziert worden.

Erste Maßnahmen gegen weitere ASP-Ausbreitung vorgestellt

Bundesministerin Klöckner stellte einen ersten Plan vor, mit dem die ASP aus Deutschland zurückgedrängt werden soll: Dieser sehe einen eingeschränkten Personen- und Fahrzeugverkehr in den betroffenen Gebiet und Absperrungen vor.

Darüber hinaus seien Punkte zur Nutzung von Agrarflächen und gezielten Suche nach verendeten Tieren im Maßnahmenplan vorgesehen. 

Berufsjäger und Forstbeamte sollten außerdem die Jagd intensivieren. 

Warten auf Festlegung der gefährdeten Gebiete

Schweine- und Geflügelhalter Christoph Schulz im Stall

Christoph Schulz ist einer unser Ceresfinalisten und sein Betrieb liegt in Atterwasch in unmittelbarer Nähe zu Schenkendöbern. Redakteurin Martina Hungerkamp/agrarheute hat heute früh beim ihm nachgefragt: „Im Moment wissen wir noch nichts, der Landkreis hat sich noch nicht bei uns gemeldet. Das war eine sehr unruhige Nacht.“

Christoph Schulz mästet hauptsächlich Hähnchen und hält eine Herde Mutterkühe. Aber für die eigene Hofschlachterei und Direktvermarktung stehen auch einige Mastschweine auf dem Hof. „Wir werden jetzt erstmal abwarten, was der Landkreis heute Mittag sagt, wo genau die Fundstelle ist und wie die Restriktionsgebiete verlaufen werden. Unsere Betriebsstätte liegt hoffentlich außerhalb der Zonen, aber wir werden wohl einige Flächen innerhalb liegen haben. Das ist für uns im Moment das größte Problem. Wir sind mitten in der Maisernte. Ein Erntestopp verbunden mit einem halbjährigen Betretungs- und oder Bearbeitungsverbot der Flächen würden uns hart treffen. Die direkten Ernteausfälle sind noch versichert, aber die ganzen Folgen nicht. Wir können dann die Felder nicht neu bestellen.“

Rukwied: Maßnahmen notwendig, um Seuche wieder zu verdrängen

Über das Risiko für Haus- und Wildschweine sorgt sich Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Eine Impfung gegen das Virus sei noch nicht verfügbar. Auf dem Gebiet der Biosicherheit hätten die deutschen Schweinehalter bereits Maßnahmen umgesetzt. 

Von Politik und Behörden erwartet Rukwied entsprechende Konsequenzen, die die Seuche eindämmen und aus Deutschland zurückdrängen. Wichtig sei dabei, an der Grenze zu Polen eine wildschweinfreie Zone zu schaffen: "Dazu gehört weiter die konsequente Bejagung von Schwarzwild und ein stabiler Zaun. Wir brauchen zwingend eine wildschweinfreie Zone an der polnischen Grenze. Reisende dürfen Wurstbrote und andere Essensreste nicht unachtsam wegwerfen - denn auch darin kann das Virus überleben", so Rukwied.

Mit Material von dpa
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