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Aus der Wirtschaft

Veredlungstag: Zentrales Thema Tierschutz

von , am
15.09.2011

Dorsten - Tierschutz, Tierhaltung und die öffentliche Wahrnehmung waren ein großes Thema auf dem DBV-Veredlungstag. Doch auch die prekäre Preissituation in der Schweinehaltung stand zur Debatte.

Vertreter aus der gesamten Wertschöpfungskette, aus Politik, Kirche und Verwaltung kamen ebenso zum Veredlungstag wie Schweinemäster und Ferkelerzeuger. © Agravis Raiffeisen AG
"Tierschutz in der Landwirtschaft ist mit modernster Tierhaltung zu realisieren. Mit dem Bau vieler neuer Ställe können wir mit Stolz zeigen, dass wir in den vergangenen Jahren viel für die Lebensqualität unserer Tiere getan haben. Wir wissen, dass wir auf diesem Weg entsprechend des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts weitergehen müssen." Zu dieser Feststellung kam der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Franz-Josef Möllers, vor rund 400 Teilnehmern auf dem DBV-Veredlungstag. Zur Tagung auf dem Gelände des AGRAVIS Kraftfutterwerkes in Dorsten, Westfalen, kamen Schweinemäster und Ferkelerzeuger, aber auch Vertreter aus der gesamten Wertschöpfungskette sowie aus Politik, Kirche und Verwaltung.

Landwirte fordern Fairness in der Tierschutzdebatte

Dem Veredlungstag 2011 komme eine besondere Aufgabe zu, betonte Möllers zum Auftakt. Ob im Bundestag, im Bundesrat, in den Ministerien, in den Vertretungen der Gemeinden und anderen Einrichtungen: Noch nie seien Stallbauten, aber auch die Tierhaltung insgesamt, so intensiv in der Gesellschaft diskutiert worden. "Wir Bauern suchen die Diskussion und führen sie offen, verlangen aber auch Fairness in der öffentlichen Darstellung und Diskussion, was machbar ist und was derzeit wirtschaftlich noch nicht umsetzbar ist", betonte Möllers. "Entgegen der teilweise überzogenen Kritik einiger Tierschutzverbände ist die Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland eine Erfolgsstory. Unsere Produkte finden hohe Anerkennung auf dem Weltmarkt, auch wenn uns das harte Preisregime so mancher Abnehmer mitunter schmerzt", führte Möllers weiter aus.
 
Erzeugung in Deutschland vergleichsweise stabil
 
"Dennoch, wenn wir auf die Bestandsentwicklungen in der Europäischen Union schauen, erkennen wir eine vergleichsweise stabile Entwicklung in der deutschen Erzeugung, in anderen europäischen Ländern gehen die Bestände zurück", sagte Möllers zur aktuellen Entwicklung in Europa. Den zunehmend schärferen Wettbewerb bekämen nun aber auch die Erzeuger in Deutschland zu spüren. "Die Preissituation ist katastrophal, insbesondere für die Sauenhalter", so Möllers. Maßgeblich hätte dazu ein großes Angebot aber auch der Dioxinskandal beigetragen. Der Markteinbruch im Januar 2011 sei zwar mit Hilfe der Privaten Lagerhaltung abgefedert worden. Das Fleisch sei in diesen Wochen zusätzlich zur normalen Erzeugung wieder am Markt und wirke als Preisdämpfer, erklärte Möllers.
 
Landwirtschaftsministerium lehnt Härtefallregelung ab
 
Neben dem Dioxinskandal bereiten die schlechte Ernte und hohe Futterkosten den Schweinehaltern große Sorgen. Der DBV hatte angesichts der schwierigen finanziellen Situation in der Sauenhaltung eine Härtefallregelung für ältere Betriebsleiter und besondere Liquiditätshilfen für Schweinemäster gefordert, stellte Möllers heraus. Die Enttäuschung über die Ablehnung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium sei immer noch groß. "In der Sauenhaltung droht bis zum Jahr 2013 ein Strukturschock, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben", fasste Möllers die aktuelle Lage zusammen.
 
Umso wichtiger sei für die Schweinehalter, dass die Bundesregierung endlich das Instrument einer Risikorücklage schaffe, mit dessen Hilfe die heftigen Einkommensschwankungen abgemildert würden. Hier gehe es nicht um Steuergeschenke, stellte Möllers klar.
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