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Markt

Vermarktung: Lohnen sich Bioschweine noch?

Wie entwickelt sich der Bioschweinemarkt unter dem Eindruck der aktuellen Krisen? Wichtig ist, dass jetzt nicht zu viele Schweinehalter mit vielen Sauen auf Bio umstellen. Der Markt ist sehr sensibel.
am Mittwoch, 07.12.2022 - 14:09 (2 Kommentare)

Die Erlöse für Bioschweinefleisch liegen über denen für konventionelles Fleisch. Lohnt sich der Umstieg? Wie steht es um den Bioschweinemarkt.

Die konventionelle Schweinehaltung steckt unumstritten in einer gewaltigen Multikrise. Viele Schweinehalter geben auf, aber es gibt auch die Zuversichtlichen, die in der Schweinehaltung nicht nur einen Job, sondern ihre Berufung sehen und sich keine schönere Arbeit vorstellen können.

Schaut man dann auf die Erlöse für Bioschlachtschweine oder Bioferkel, könnten einige in Versuchung kommen und die Lösung in der Umstellung auf Bioschweinehaltung sehen. Aber ist es wirklich so einfach? Mit welchen Herausforderungen kämpfen Bioschweinehalter? Wie stabil ist der Bioschweinemarkt?

Bioschweine: Gestiegene Futterkosten senken Erlös

Seit 2018 sind die Bioschweinebestände fast unverändert. Die höhere Nachfrage der vergangenen Jahre wurde häufig mit Importen gedeckt. Der Bioschweinemarkt ist seit vielen Jahren von der Preisentwicklung am konventionellen Markt losgelöst. Die Anforderungen an die ökologische Schweinehaltung werden jedoch in den kommenden Jahren wachsen. Davon geht das Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland e. V. (ABD) aus.

Die bedarfsgerechte Versorgung der Bioschweine, insbesondere der Ferkel, sei eine große Herausforderung. Generell unterstützt das Bündnis die Umsetzung der 100-Prozent-Biofütterung für Schweine ab 35 kg. Deren Aussetzung bis Ende des Jahres 2022 und die Möglichkeit, bis zu 5 Prozent konventionelle Eiweißfuttermittel aufgrund der nicht vorhersehbaren Lieferprobleme einzusetzen, sei aber ein richtiger Schritt.

Schwierige Versorgungssituation bei Eiweißfuttermitteln

Die Versorgungssituation, vor allem mit Eiweißfuttermitteln, ist aufgrund der vielfältigen Krisen schwierig. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen. So ist zum Beispiel Biosoja aus China kaum zu bekommen, solange China insgesamt zu wenig Soja hat. Außerdem ist die Einfuhr mit hohen Logistikkosten verbunden. Besonders Selbstmischer haben Probleme, ausreichend Ware zu erhalten. Raps und Sonnenblumen kommen überwiegend aus der Ukraine und Russland. Deshalb werden hier 30 bis 50 Prozent fehlen.

Experten erklärten aber auch, dass bereits vor dem Angriffskrieg Russlands ein Proteinmangel bestand. So stehe man bei den Bioackerbohnen neuerdings in Konkurrenz mit den Biomilchviehhaltern, vor allem mit denen aus Skandinavien. Diese hätten aufgrund der gestiegenen Preise für EU-Biosoja auf Ackerbohnen umgestellt.

In der Bioschweinehaltung stellen also die Futterkosten die Wirtschaftlichkeit und die Pläne für die Zukunft vieler Bioschweinehalter durchaus infrage. Das merkt auch der ABD. Die Erzeugungskosten seien stark gestiegen und würden eine gewinnbringende Erzeugung mehr und mehr erschweren.

Zeitenwende am Biofleischmarkt

Dr. Albert Hortmann-Scholten, Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, denkt zudem, dass die Zeitenwende am Fleischmarkt auch Einfluss auf die Bioschweinehaltung habe. Die stark steigenden Faktorkosten für Futter und Energie würden dafür sorgen, dass man ganz neue Break-even-Punkte ansteuern müsse.

Die Kostenentwicklung hängt laut Albert Hortmann-Scholten sicher mit dem Überfall Russlands zusammen. Das treffe indirekt auch den Biosektor. Deshalb geht er davon aus, dass es auf dem Futtermittelsektor bei wichtigen Biofuttermitteln zu einer Verteuerung kommt.

Bioschweinemarkt ist sehr sensibel

Auch die Bioschweinebranche kann sich also den Folgen der weltweiten Krise infolge des Kriegs in der Ukraine nicht vollständig entziehen. Das ABD hat aber wenig Sorge vor einem Zusammenbruch. Dafür müsse aber einiges getan werden. Es dürfe auf keinen Fall zu einem ungewollten Überangebot an Bioschweinen kommen. Deshalb müsse man bundesweit einen Überblick über die Strukturen gewinnen.

Nach wie vor sind laut ABD nur knapp 1 Prozent der in Deutschland geschlachteten Schweine Ökoschweine. Der Bioschweinemarkt sei und bleibe ein hochsensibler Markt. Gerade mal 400 zusätzliche Biosauen stünden für 2 Prozent Marktanteil.

Nur mit Abnahmevertrag auf bio umstellen

Der ABD setzt sich für Erzeugerpreise ein, die stabil sind und sich an den Erzeugungskosten orientieren. Wie Albert Hortmann-Scholten spricht das Bündnis sich dafür aus, dass die Vermarktung sicher stehen muss – sowohl von Ferkeln als auch von Mastschweinen – bevor ein Betrieb umstellt.

Die Experten sind sich einig, dass Bioschweinefleisch weiter seinen Absatz findet. Die Aussichten bleiben positiv, auch wenn das Wachstum sich kurzfristig etwas verlangsamen dürfte. Da vor der Krise die Nachfrage nicht gedeckt werden konnte, ergeben sich jetzt auch keine Angebotsüberschüsse.

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