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Schwein

VION lehnt Ebermast ab

von , am
15.09.2009

Crailsheim - Das Schlachtunternehmen VION Food Group wird die Ebermast nicht vorantreiben und sieht sie auch nicht als ernsthafte Alternative zur in Verruf geratenen Kastration der männlichen Ferkel.

© agrarfoto.com

Man wolle sich nicht auf unnötige Risiken einlassen, erklärte VIONs Direktor Landwirtschaft für Deutschland, Dr. Heinz Schweer, am vergangenen Donnerstag auf der Tagung "Perspektiven in der Schweinehaltung", die vom Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) in Crailsheim veranstaltet wurde.

"VION schlachtet derzeit keine Eber und auch keine, die geimpft worden sind", stellte Schweer klar. Würden bundesdeutsche Discounter den ausschließlichen Bezug von Schweinefleisch von weiblichen Tieren beschließen, würde das in einem gespaltenen Markt für Eber, Kastraten und weiblichen Tieren enden. Dazu dürfe es auf keinen Fall kommen, denn zu einer Preisverbesserung werde eine solche Angebotspalette an Schweinefleisch sicherlich nicht führen.

Mögliche Optionen zur Kastration

Hansjörg Schrade von der Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) Boxberg wies darauf hin, dass das Thema "betäubungslose Kastration von Ferkeln" lange nicht mehr in der Öffentlichkeit diskutiert worden sei. Dies liege an der Weltwirtschaftskrise, die das Thema überschattet habe. Mögliche Optionen zur Kastration seien die Ebermast, die Mast ausschließlich weiblicher Tiere durch Spermasexing oder die immunologische Kastration von männlichen Tieren mit einer Impfung.

Schmerzmittel einsetzen

Schrade macht keinen Hehl daraus, dass ihm das Spermasexing das liebste Verfahren wäre. Wenn die Selektion weiblicher Chromosomen in der Praxis funktionieren würde, wäre dies das Verfahren der Wahl. Allerdings bleibe ein Wermutstropfen: Kurz- bis mittelfristig seien die Eingriffe ins Erbgut nicht praxisreif. Derweil setzt Schrade auf die Forschung, auch wenn dort Ergebnisse erfahrungsgemäß nicht als schnelle Punktlandungen möglich seien. Der Experte appellierte an die Ferkelerzeuger, ihre Jungtiere vor der Kastration mit Schmerzmitteln zu behandeln. Dieses Verfahren sei "der deutsche Weg".

Kosten für die Schmerzmittel

Die Kosten für die Schmerzmittel lägen bei rund 10 Cent pro Ferkel, und die Landwirte könnten die Tiere selbst betäuben. Es dauere etwa eine Viertelstunde, bis das Medikament wirke und die Ferkel von der bevorstehenden Kastration nichts mehr spürten. Der Zeitaufwand halte sich somit in Grenzen: "Mehr als eine halbe Minute pro Ferkel ist nicht nötig", so Schrade. Viele Ferkelerzeuger ärgere es indes, dass sie auf den Kosten für die Betäubung der Tiere sitzen blieben. Dass das ungerecht ist, empfanden auch viele der anwesenden Landwirte. Sie wiesen darauf hin, dass es nicht 10 Cent pro Tier seien, sondern im Falle einer Impfung von Ebern, mit der die Kastration überflüssig gemacht werden solle, schnell vier Euro betrage.

Fehlerquote von 1 Prozent

Dr. Kathrin Lillie- Jaschniski von der Pfizer Pharma GmbH räumte ein, dass die Behandlung von Ebern mit dem neuentwickelten Impfstoff  "Improvac" heftig diskutiert werde. Der in inzwischen in 53 Ländern, im Mai auch in Deutschland zugelassene Impfstoff unterdrücke eine Zeitlang die Pubertät der männlichen Mastschweine, erläuterte die Tierärztin. Damit die Tiere den gefürchteten Ebergeruch nicht ausbildeten, müssten sie zweimal behandelt werden, einmal zu Beginn der Mast und ein zweites Mal vier bis sechs Wochen vor der Schlachtung. Mit der zweiten Impfdosis verhielten sich die Tiere dann wie chirurgisch kastrierte Tiere, versicherte Lillie-Jaschniski. Neben dem Preis gebe es allerdings noch ein weiteres Manko bei dem neuen Verfahren: Rund 1 Prozent der Tiere falle bei den Studien des Herstellers durch Geruchsabweischungen auf. Hier stelle sich die Frage, ob der Verbraucher Fleisch von solchen Tieren akzeptiere. (AgE)

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