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Kommentar

Vion-Schließung in Zeven: 'Schwerer Schlag für die Landwirtschaft'

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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Vion Werk in Zeven
Vion schließt seinen Schlachthof in Zeven © Oliver Krato/Vion
von , am
16.03.2017

Mit dem Zevener Vion-Werk schließt wieder ein Schlachthof. Wie bitte sollen regionale Kreisläufe noch funktionieren? Ein Kommentar von LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan © Philipp von Ditfurth

Die Nachricht schlug in der Region ein wie eine Bombe: Innerhalb der nächsten Wochen schließt Vion den Schlachtbetrieb am Standort Zeven. Betroffen sind vor allem rund 300 dort beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch für Servicefirmen, Handwerksbetriebe und Zulieferer fällt ein wichtiger Auftraggeber weg. Völlig zu Recht spricht der Landrat deshalb von einem schweren Schlag für die regionale Wirtschaft.

Vion hört auf: Liefernde Tierhalter entsetzt

Das Entsetzen unter den Tierhaltern ist mindestens genauso groß. Im Herbst erst meldete Vogler im Wendland Insolvenz an. Nun hört mit Vion der letzte leistungsfähige Schlachter dieser Größenordnung im Nordosten auf.

Für die liefernden Tierhalter bedeutet das eine erneute Schieflage in der Kalkulation: Längere Wege und damit höhere Kosten sind absehbar. Zudem verschlechtert sich mit dem Verschwinden eines Wettbewerbers die Position der Erzeuger bei den Preisgesprächen.

Bundesweites Schlachthofsterben: Mehr Transportweg, weniger regionale Produkte

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Nun wird es noch schwieriger, den immer wieder proklamierten Wunsch der Gesellschaft nach Lebensmitteln aus der Region zu erfüllen. Wieder einmal zeigt sich, wie wenig Einfluss die Politik auf Entscheidungen großer Unternehmen hat. Gesellschaftlich gewünscht, politisch gewollt – und trotzdem wird nichts draus.

Eine weitere Folge bekommt vor allem die Landwirtschaft zu spüren. Da das Schlachthofsterben keine norddeutsche Krankheit ist, sondern bundesweit grassiert, nehmen Transportzeiten flächendeckend zu. Gerade die weiten Wege zur Schlachtung sind aber bekanntlich ein beliebtes Angriffsziel von Tierschutzorganisationen.

Und sie passen überhaupt nicht zu den Anstrengungen um mehr Tierwohl. „Wir packen den Schweinen einen Ball zum Spielen in die Bucht, um am Ende stundenlang mit ihnen über die Straßen zu zuckeln“, kommentierte ein Tierhalter die Nachricht aus Zeven.

Tierhalter zahlen doppelte Zeche

Auf die reißerischen Fernsehberichte über das "millionenfache Tierleid" auf den Straßen kann man nun regelrecht warten. Wie immer, werden es wieder allein die Landwirte und ihre Viehvermarkter sein, die viel Geld in möglichst komfortable Transportfahrzeuge und in die Positiv-PR stecken. Schlachtunternehmen werden – ebenfalls wie immer – abtauchen, wenn es draußen ungemütlich wird.

Die Landwirtschaft zahlt damit die Zeche gleich doppelt. Gegenüber der aufgebrachten Bevölkerung verteidigt sie die moderne Landwirtschaft und stellt sich damit zugleich schützend vor die Schlachtkonzerne. Wie lange will sie sich das eigentlich noch antun?

Schweinemast: 10 Tipps für mehr Tierwohl im Stall

Tipp 1: Großgruppen bieten folgende Vorteile: Der Platz pro Tier ist derselbe wie in Kleingruppen, aber jedes einzelne Schwein hat mehr Raum zur Verfügung, um sich frei zu bewegen. © Hungerkamp
Tipp 2: Ein automatisches Filterverfahren kann helfen, die Luft im Stall frisch zu halten. Lüftungsklappen sorgen für frische Luft und ein optimales Stallklima. © Hungerkamp
Tipp 3: Für einen komfortablen Boden sind Kunststoff-Elemente, die eine hygienische Oberfläche besitzen eine Lösung. Sie sollen robust und leicht zu reinigen sein. © Hungerkamp
Tipp 4: Kleine Mengen an Sonnenblumenkernhülsenkönnen als Einstreu verwendet werden. Die Mastschweine spielen, suhlen und liegen in der Einstreu. © Hungerkamp
Tipp 5: Je nach Lebendgewicht trinken die Mastschweine täglich 3 bis 10 Liter Wasser. Um die Zufuhr sicher zu gewährleisten, sollen genügend Tränken im Stall verteilt sein. © Hungerkamp
Tipp 6: Schweine sind neugierige Tiere und beschäftigen sich gerne. Zur Beschäftigung können bewegliche und veränderbare Materialien im Stall aufgehängt werden. © Hungerkamp
Tipp 7: Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit bietet das Raufutter - am besten Heu. Zirka 90 Prozent davon wird von den Schweinen aufgefressen. © Hungerkamp
Tipp 8: Eine Schweinedusche im Stall kann zum Abkühlen oder einfach zum Spielen dienen. Die Schweine lassen sich gerne besprühen. © Hungerkamp
Tipp 9: Ein einfacher Holzstamm kann den Schweinen als Scheuerbalken dienen. Die Schweine nagen sehr gerne am Holz, vor allem,wenn noch Rinde vorhanden ist. © Hungerkamp
Tipp 10: Eine Bade- und Suhlmöglichkeit im Stall weckt und befriedigt die neugier der Schweine. Die Schweine baden, spielen und suhlen sich sehr gerne in einer Wanne. © Hungerkamp
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