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Tierwohl

„Virtueller Stall der Zukunft“: So sieht er aus

Virtueller Stall der Zukunft: So sieht er aus
am
28.05.2019

Landwirte, Stallbauer und Forscher haben neue Konzepte für den „Virtuellen Stall der Zukunft“ entwickelt. Mehr Platz, Zugang zu Außenklima und Duschen sind für Sauen, Ferkel und Mastschweine vorgesehen. Aber wer bezahlt das?

Mehr Platz, Zugang zu Außenklima, organisches Beschäftigungsmaterial, Duschen und Wühlmöglichkeiten: All das bietet der "Virtuelle Stall der Zukunft“. Künftig sollen Landwirte per Baukastensystem ihren Stall für Sauen, Ferkel oder Mastschweine planen und betriebsindividuell Kosten kalkulieren können.

Forscher, Landwirte, Agrarökonomen und Bürger haben die neuen Stallmodelle entwickelt. Am Montag (27. Mai 2019) präsentierte das Projekt "Stall der Zukunft" seine Ergebnisse im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in Berlin. Mit den zusammengestellten Ideen können die Betriebe an der Stufe 2 des staatlichen Tierwohllabels teilnehmen.

Landwirte können individuellen Stall wählen

Dr. Marie von Meyer-Höfer und Julia Klöckner im Gespräch

Das Projekt erarbeitete für jede Produktionsstufe mehrere Stallkonzepte, darunter verschiedene Außenklimaställe für die Mast. Jeder Landwirt kann daraus das, für seinen Betrieb passende Konzept auswählen, in einer Excel-Anwendung Kosten errechnen und auf dieser Basis die Umsetzung planen.

„Das Excel-Tool und Beispielskizzen für die einzelnen Stallkonzepte stehen ab Sommer 2019 auf der Projektseite der Uni Göttingen zur Verfügung“, sagte Projektleiterin Dr. Marie von Meyer-Höfer von der Uni Göttingen. Die Konzepte sind zunächst als Neubauvarianten geplant.

Wie sieht der Stall der Zukunft aus?

  • Mehr Platz und Bewegungsfreiheit für Sauen, Ferkel und Mastschweine
  • Zugang zum Außenklimabereich für alle Tiere ab 30 kg Gewicht
  • getrennte Funktionsbereiche
  • Unbegrenztes Angebot von Raufutter, Stroheinstreu oder anderem organischen Beschäftigungsmaterial
  • Möglichkeiten zum Duschen und Wühlen für Mastschweine
  • Stallbau aus Holz

Mehrkosten von über 30 Euro je Mastschwein

„Finanzierungs- und Genehmigungsprobleme der neuen Stallkonzepte konnten innerhalb des Projekts nicht gelöst werden“, sagte Meyer-Höfer. Grund dafür seien die unterschiedlichen Betriebsstrukturen, die nicht vorhersehbaren Schweinepreise und die noch unsichere staatliche Förderung.

 „In der Summe aus Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Mast sind Mehrkosten in Höhe von über 30 Euro je verkauftem Mastschwein zu erwarten,“ sagte Dr. Karl Heinz Tölle von der ISN.

Klar sein muss laut Tölle: „Mehr Tierwohl bedeutet höhere Kosten und lässt sich erst umsetzen, wenn genehmigungsrechtliche Hürden und Zielkonflikte gemeistert werden.“

Klöckner verspricht Fördergelder

Julia Klöckner lobte Verbundprojekt "Virtueller Stall der zukunft"

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lobte die neuen Stallkonzepte. „Wenn wir in Deutschland Nutztierhaltung künftig erfolgreich betreiben möchten, braucht sie breite gesellschaftliche Zustimmung und muss gleichzeitig ökonomisch gut aufgestellt sein.“

Die Mehrkosten eines solchen Stalls könne der Landwirt aber nicht alleine tragen. „Verbraucher müssen bereit sein, für die Anforderungen, die sie stellen, auch an der Kasse zu zahlen“, so die Agrarministerin. Klöckner versprach Fördergelder für den Stallbau der Stufe 2 des staatlichen Tierwohllabels.

Mehr Sensoren im Stall der Zukunft

Das Projekt zeigte auch Zukunftsvisionen auf, was der Stall von morgen bieten könnte. Dazu gehören zum Beispiel Sensoren zur Anzeige des Geburtsbeginns für eine punktgenaue und möglichst kurze Sauenfixierung.

Am Projekt „Virtueller Stall der Zukunft“ beteiligt waren die Georg-August-Universität Göttingen, die Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Richard Hölscher GmbH und Co KG und die ISN.

Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-goettingen.de/stall-der-zukunft.

Mit Material von BMLE, BLE und Universität Göttingen

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