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Welches Hygienekonzept verfolgen Sie im Schweinestall?

von , am
12.11.2010

Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen - Ohne ein Hygienekonzept kommt man in der spezialisierten Schweineproduktion nicht mehr aus. Wir fragen drei Schweinehalter, welche Maßnahmen sie ergreifen und warum.

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Hygienemaßnahmen mit System
Christian Meinering, 48465 Engden, Niedersachsen

"Wir verwenden für Tierarzt, Berater oder Besucher nur eigene Betriebskleidung, die von uns zur Verfügung gestellt wird. Um die Krankheitsverschleppung zwischen den Abteilen zu vermeiden, verwende ich für jedes Mastabteil eigene Stiefel und einen eigenen Kotschieber zum Tröge reinigen. Dazu wechseln wir die Overalls, so dass wir nie mehr als 400 bis 500 Schweine 'an einem Overall' haben. Der Zentralgang wird vor jedem Aufstallen bzw. nach jedem Ausstallen gewaschen und desinfiziert genauso wie Besen, Schaufeln oder Kotschieber. Die leeren Abteile werden zunächst gewaschen, danach mit Reinigungsschaum übergeschäumt und nochmals abgewaschen. Wenn sie trocken sind, werden sie desinfiziert und geheizt. Zum Behandeln der Tiere benutze ich jedes Mal eine neue Injektionsnadel, um Krankheitserreger nicht von Tier zu Tier und in die Medikamentenflasche zu verschleppen. Beim Schlachtschweine verladen arbeiten wir mit Verlade-Rampen, so dass der Fahrer nicht in den Stall kommt. Die Schadnagerbekämpfung wird im Außenbereich von einer Firma ausgeführt, die alle sechs Wochen um die Ställe herum die Köderboxen kontrolliert und bei Bedarf wieder auffüllt. Im Stallinnern machen wir es selbst." mehr ...

Strenges Hygienekonzept
Dirk Rodenbeck, 31683 Gelldorf, Niedersachsen

"Wir haben für jeden Stall komplett separate Kleidung und ziehen uns jedes Mal, wenn wir den Stall betreten, im Vorraum komplett um. Hände waschen und desinfizieren und Stiefel desinfizieren ist dabei Pflicht. Bei Kontrollgängen gehen wir im Kamm-Stall grundsätzlich erst zu den kleinsten und damit empfindlichsten Tieren und danach zu den Älteren. Nach dem Stalldurchgang werden die Stiefel im Stiefelreiniger gewaschen und anschließend desinfiziert. Arbeitsgeräte sind für jeden Stall separat vorhanden und werden nicht hin und her getragen. Der Bereich um die Futtersilos wird alle zwei Wochen im festen Rhythmus sauber gemacht. Den Personenverkehr beschränken wir auf ein absolutes Minimum. Eigentlich betritt nur die Tierärztin den Stall. Beim Verladen der Tiere gibt es eine festgelegte Grenze, die der LKW Fahrer nicht überschreitet. Schadnagerbekämpfung wird gerade jetzt im Herbst sehr regelmäßig gemacht. Bei Befall wird sogar alle zwei Tage nachgefüllt." mehr ...

Schwarz-Weiß-Trennung und Rein-Raus-Verfahren
Dieter Dammeier, 32469 Petershagen, Nordrhein-Westfalen 

"Am Betriebsstandort befindet sich eine Hygieneschleuse mit Waschbecken und Dusche. Die Ställe werden nur in Stallkleidung betreten, wir haben strikte Schwarz-Weiß-Trennung. Die einzelnen Stallabteile und meistens die Gebäude werden konsequent im Rein-Raus-Verfahren betrieben. Das Nachmastabteil ist in einem anderen Gebäude untergebracht. Tierverkehr zwischen den einzelnen Abteilen findet nur in Ausnahmefällen statt. Die Spritzen werden nach jedem Gebrauch desinfiziert. Die Schadnagerbekämpfung wird in Intervallen vornehmlich im Spätherbst durchgeführt." mehr ...

{BILD:131400:jpg}Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin

Welches Hygienekonzept verfolgen Sie im Schweinestall?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - Ohne ein Hygienekonzept kommt man in der spezialisierten Schweineproduktion nicht mehr aus. Wir fragen Christian Meinering, welche Maßnahmen er ergreift und warum.


2.000 Mastschweine in der Grafschaft Bentheim

"Unser Betrieb liegt im Nordwesten Deutschlands in der Region Grafschaft Bentheim im Ortskern in Engden an einer viel befahrenen Straße. Wir haben 2.000 Mastplätze und betreiben 85 Hektar Ackerbau. Die Ferkel hole ich selber mit dem eigenen Viehwagen von unserem Ferkelerzeuger im Direktbezug.

Hygienemaßnahmen mit System

Wir verwenden für Tierarzt, Berater oder Besucher nur eigene Betriebskleidung, die von uns zur Verfügung gestellt wird. Um die Krankheitsverschleppung zwischen den Abteilen zu vermeiden, verwende ich für jedes Mastabteil eigene Stiefel und einen eigenen Kotschieber zum Tröge reinigen. Dazu wechseln wir die Overalls, so dass wir nie mehr als 400 bis 500 Schweine "an einem Overall" haben. Der Zentralgang wird vor jedem Aufstallen bzw. nach jedem Ausstallen gewaschen und desinfiziert genauso wie Besen, Schaufeln oder Kotschieber. Die leeren Abteile werden zunächst gewaschen, danach mit Reinigungsschaum übergeschäumt und nochmals abgewaschen Wenn sie trocken sind, werden sie desinfiziert und geheizt. Zum Behandeln der Tiere benutze ich jedes Mal eine neue Injektionsnadel, um Krankheitserreger nicht von Tier zu Tier und in die Medikamentenflasche zu verschleppen. Beim Schlachtschweine verladen arbeiten wir mit Verlade-Rampen, so dass der Fahrer nicht in den Stall kommt. Die Schadnagerbekämpfung wird im Außenbereich von einer Firma ausgeführt, die alle sechs Wochen um die Ställe herum die Köderboxen kontrolliert und bei Bedarf wieder auffüllt. Im Stallinnern machen wir es selbst.

Hygieneschleuse in Planung

Ich plane in naher Zukunft eine "ordentliche" Hygieneschleuse mit Dusche und Toilette zu bauen, außerdem werden wir Zäune errichten um den Fremdpersonenzutritt abzuhalten. In der Tierhygiene gibt es meiner Meinung nach keine Maßnahmen, die überflüssig sind. Sie sollten allerdings mit akzeptablen Aufwand durchführbar sein, damit sie auch von allen eingehalten werden."

Christian Meinering
48465 Engden, Niedersachsen

Welches Hygienekonzept verfolgen Sie im Schweinestall?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - Ohne ein Hygienekonzept kommt man in der spezialisierten Schweineproduktion nicht mehr aus. Wir fragen Dirk Rodenbeck, welche Maßnahmen er ergreift und warum.


3.000 Mastplätze im Landkreis Schaumburg

"Unser Betrieb liegt im Landkreis Schaumburg, 50 Kilometer westlich von Hannover. Wir bewirtschaften 200 Hektar Ackerbau in einer Kooperation. Angebaut wird Weizen, Raps und Körnermais. Die Schweinemast umfasst 3.000 Mastplätze in einer Schweine-Kooperation. Zusätzlich verrichten wir kommunalen Winterdienst und betreiben Photovoltaik-Anlagen.

Strenges Hygienekonzept

Wir haben für jeden Stall komplett separate Kleidung und ziehen uns jedes Mal, wenn wir den Stall betreten, im Vorraum komplett um. Hände waschen und desinfizieren und Stiefel desinfizieren ist dabei Pflicht. Bei Kontrollgängen gehen wir im Kamm-Stall grundsätzlich erst zu den kleinsten und damit empfindlichsten Tieren und danach zu den Älteren. Nach dem Stalldurchgang werden die Stiefel im Stiefelreiniger gewaschen und anschließend desinfiziert. Arbeitsgeräte sind für jeden Stall separat vorhanden und werden nicht hin und her getragen. Der Bereich um die Futtersilos wird alle zwei Wochen im festen Rhythmus sauber gemacht. Den Personenverkehr beschränken wir auf ein absolutes Minimum. Eigentlich betritt nur die Tierärztin den Stall. Beim Verladen der Tiere, gibt es eine festgelegte Grenze, die der LKW Fahrer nicht überschreitet. Schadnagerbekämpfung wird gerade jetzt im Herbst sehr regelmäßig gemacht. Bei Befall wird sogar alle zwei Tage nachgefüllt.

Dokumentation als Nachweis

Wir wollen in Zukunft die Kontrollgänge alle zwei bis drei Wochen mit Wasser spülen, um diesen Bereich noch sauberer zu halten und die Staubbelastung für Tier und Mensch, gerade beim Verladen, zu minimieren. Wir haben eine sehr gute Tierärztin, ich halte die tierärztliche Betreuung auf unserem Betrieb für einen sehr wichtigen Baustein. Die Hygienepläne werden in unserem Betrieb natürlich auch geführt, obwohl diese Dokumentation eher für Dritte ist. Man weiß ja, was man gemacht hat. Der eingezäunte Stall ist ein fester Bestandteil der Seuchenprophylaxe, erweckt aber vielleicht für Außenstehende den Anschein, dass wir etwas Verbotenes tun oder Angst vor Besuchern haben. Diese Wirkung bedauere ich, doch gerade bei hohem Wildschwein-Besatz kann uns diese Maßnahme vor einer Schweinepest bewahren. Weiterhin sind ein LKW-Wasch- und Desinfektionsplatz sowie eine separate Personen-Dusche für den Ernstfall vorhanden. Diese Dinge halte ich für unerlässlich, auch wenn man sie hoffentlich nie für den Ernstfall benötigt."

Dirk Rodenbeck
31683 Gelldorf, Niedersachsen

Welches Hygienekonzept verfolgen Sie im Schweinestall?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Nordrhein-Westfalen - Ohne ein Hygienekonzept kommt man in der spezialisierten Schweineproduktion nicht mehr aus. Wir fragen Dieter Dammeier, welche Maßnahmen er ergreift und warum.


4.000 Mastschweine in Westfalen

"Unsere Schweinehaltung ist in drei Einzelbetriebe, Dieter Dammeier, Dieter und Claudia Dammeier GBR und Dammeier GmbH gegliedert, die aus steuerlichen und genehmigungstechnischen Gründe voneinander getrennt sind. Zusammen bewirtschaften wir ca. 4.000 Mastschweineplätze und 110 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Alle Betriebe befinden sich an unserem Hofstandort in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke. Betriebsleiter ist Dieter Dammeier, 47 Jahre, Landwirtschaftsmeister. Der Betrieb verfügt außerdem über einen Lehrling und die Ehefrau arbeitet noch teilweise mit. Wir liegen in der Norddeutschen Tiefebene, unsere Flächen bestehen zu jeweils einem Drittel aus sandigen Böden, aus anlehmigen Sanden mittlerer Qualität und aus staunassen Standorten auf ehemaligem Grünland, die in Jahren wie 2010 kaum zu bewirtschaften sind. Die mittlere Bodenpunktzahl beträgt 42.

Schwarz-Weiß-Trennung und Rein-Raus-Verfahren

Am Betriebsstandort befindet sich eine Hygieneschleuse mit Waschbecken und Dusche. Die Ställe werden nur in Stallkleidung betreten, wir haben strikte Schwarz-Weiß-Trennung. Die einzelnen Stallabteile und meistens die Gebäude werden konsequent im Rein-Raus-Verfahren betrieben. Das Nachmastabteil ist in einem anderen Gebäude untergebracht. Tierverkehr zwischen den einzelnen Abteilen findet nur in Ausnahmefällen statt. Die Spritzen werden nach jedem Gebrauch desinfiziert. Die Schadnagerbekämpfung wird in Intervallen vornehmlich im Spätherbst durchgeführt.

Einheitliche und gesunde Ferkelpartien wichtig

In Zukunft werde ich noch mehr Wert auf gesunde einheitliche Ferkelpartien legen. Das größte Risiko liegt immer noch im Tierverkehr, da sich Tiere nicht desinfizieren lassen. Bestandsbetreuungsverträge liegen schon länger vor. Eine gute Weiterbildung und Motivation der behandelnden Tierärzte ist sehr wichtig. Wir planen auch Umzäunungsmaßnahmen des Gesamtbestandes und vor allem eine lückenlose Reinigung und Desinfektion. Im neuen Mastall ist ein zentraler Hochdruckreiniger installiert, um die Reinigung und Desinfektion möglichst einfach zu machen. Auf Unverständnis treffen bei mir die Maßnahmen, die im Zuge eines Exportes von Mastschweinen zur Schlachtung im Ausland ergriffen worden sind. Sie zielen meiner Meinung nach eher darauf ab, solche Exporte zu verhindern."

Dieter Dammeier
32469 Petershagen, Nordrhein-Westfalen

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