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Wissenschaftler fordert Beratung statt Ringelschwanzprämie

© Mühlhausen/landpixel
von , am
28.01.2015

Professor Thomas Blaha, der vor kurzem eine Studie zum Schwanzkupieren vorstellte und vor mehr Tierleid warnte, fordert in einem Interview die zielgerichtete Beratung der Höfe statt der Ringelschwanzprämie.

Professor Thomas Blaha fordert in einem Interview die zielgerichtete Beratung der Höfe statt der Ringelschwanzprämie. © Mühlhausen/landpixel
In einem Telefoninterview mit der Internetseite www.stallbesuch.de erläutert und verteidigt Professor Dr. Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) die Ergebnisse seiner Studie zum Schwanzkupieren bei Schweinen.
 
Wie berichtet, will Niedersachsen bis Ende 2016 das Kupieren der Schweineschwänze verbieten. Um dieses Ziel zu erreichen, soll eine sogenannte Ringelschwanzprämie eingeführt werden. Professor Dr. Thomas Blaha hat im Vorfeld eine Praxisstudie durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass der Nutzen der Prämie für die Tiere zweifelhaft sei und das Tierleid vergrößern könne.

Grundlegende Strukturen wurden für die Studie nicht verändert

Die Ergebnisse der Studie seien für ihn nicht überraschend gewesen, sagt Professor Blaha: "Sie haben bestätigt, was 20 andere Projekte landauf, landab in Deutschland auch erbracht haben. Es geht nicht so einfach, wie wir es uns dachten".
 
Die Studie sei als reine Machbarkeitsstudie angelegt gewesen, dass heißt, es wurde untersucht, ob es möglich sei, ohne grundlegende Veränderungen der Struktur und der entstandenen Schweinehaltungsmethoden auf das Kupieren zu verzichten. Die Schweine seien in mehreren Buchten innerhalb eines größeren Stalles gehalten worden, unter Erprobung aller möglichen Dinge, wie dem Angebot von Wühlmaterial, sofortiges Herausnehmen der Tiere, die beißen oder gebissen worden seien und dem Training der Landwirte, dies auch frühzeitig zu erkennen. "Trotz aller dieser Maßnahmen hat es nicht so funktioniert, wie wir es uns erhofft haben. Im Durchschnitt verloren  zwischen 50-60 Prozent der Schweine ihre Schwänze, in manchen Durchgängen höher oder niedriger."

"Abgebissene Schwänze bedeuten ein höheres Tierleid als kupierte"

Die Ringelschwanzprämie, die Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer Landwirten zahlen will, die auf das Schwanzkupieren verzichten, lehnt der Wissenschaftler ab. Die Ringelschwanzprämie sieht vor, dass Landwirte 16 bis 18 Euro mehr pro Schwein bekommen, wenn nicht mehr als 30 Prozent der Schwänze fehlen.
 
Professor Blaha: "Im Durchschnitt haben wir zwar auch bei kupierten Schwänzen keine Beißlosigkeit. Aber das Höchste sind drei  Prozent." Wenn man 30 Prozent zulasse, riskiere man dass Abzesse und Entzündungen entstünden und sich die Tierverluste verdoppelten. Das sei tausendfach höheres Tierleid. "Das Abgebissen-Kriegen ist viel, viel mehr Leid als das Kupieren bei Saugferkeln."

Geld der Ringelschwanzprämie für zielgerichtete Beratung eingesetzen

Der Forscher ist zwar gegen die Ringelschwanzprämie jedoch nicht gegen das Dranlassen der Schweineschwänze. Blaha: "Ich bin dafür, dass wir den Ausstieg aus dem Schwänzekupieren machen und damit sofort anfangen. Es ist nicht wahr, dass wir noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen, sondern das wir viel Zeit brauchen, um auf den einzelnen Höfen die jeweils betriebsspezifischen Maßnahmen herauszufinden" damit es trotzdem nicht zu vermehrtem Schwanzbeißen komme. Er sei dafür, das Geld, das für die Ringelschwanzprämie geplant sei, sofort für eine zielgerichtete Beratungeinzusetzen. Die Schweinegesundheitsdienste, die Landwirtschaftskammern , die Tierärzte sind diejenigen, die das machen können.
 
Eine strikte Deadline für das Kupierverbot lehnt er ab.  Die Deadline müsse flexibel sein, "wenn wir Ende 2016 noch nicht so weit sind, dann müssen diejenigen, die es noch nicht können, noch weiter trainieren bis sie es können und nicht dann einfach alle Schwänze dranlassen.

Telefoninterview mit Professor Thomas Blaha auf www.stallbesuch.de

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