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Zahlen über Antibiotika-Abgabe veröffentlicht

© landpixel
von , am
12.09.2012

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat erstmals Zahlen der Antibiotika-Abgabe in der Tiermedizin veröffentlicht.

Mehrere Tausend Landwirte haben trotz Meldepflicht keine Angaben zum Antibiotika-Einsatz auf ihrem Betrieb gemacht. © Mühlhausen/landpixel
Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als "kritisch" eingestuften Antibiotika wie Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation werden in der Tiermedizin eher selten eingesetzt.
 
 
 
 
 
 
Der Focus der Antibiotikaabgabe im Veterinärbereich betrifft eindeutig ältere Wirkstoffe. Dies ergab eine erste Auswertung der erstmals im Jahr 2011 erhobenen Daten, die dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zur Verfügung gestellt wurden.

Antibiotika der 3. und 4. Generation werden selten eingesetzt

Insgesamt sind im Jahr 2011 rund 1.734 Tonnen Antibiotika von Pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Den Schwerpunkt bildeten Tetrazycline mit etwa 576 Tonnen und Aminopenicilline mit etwa 505 Tonnen. Des Weiteren wurden rund acht Tonnen Fluorchinolone und rund 3,8 Tonnen Cephalosporine der 3. und 4. Generation abgegeben.
 
Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln sich sowohl in der Human- wie auch in der Tiermedizin. Die Verwendung von Wirkstoffen aus der Gruppe der Fluorchinolone und der Cephalosporine der 3. und 4. Generation zur Behandlung von durch Bakterien verursachten Erkrankungen beim Tier wird allgemein als sehr kritisch eingestuft, da diese Wirkstoffe als "Reserveantibiotika" für die Humanmedizin von großer Bedeutung sind.

Arzneimittelverordnung regelt Erfassung der eingesetzten Antibiotika

Um mögliche Zusammenhänge zwischen der Menge der eingesetzten Antibiotika und den Entwicklungstendenzen von Resistenzen zu erkennen, ist es erforderlich, die angewendete Menge an Antibiotika in Beziehung mit den auftretenden Resistenzen bei bestimmten Bakterien zu setzen. Um dieser Forderung gerecht werden zu können, wurde durch die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010 festgelegt, wie die Erfassung der Gesamtmenge der abgegebenen Stoffe mit mikrobieller Wirkung an Tierärzte in Deutschland durch das DIMDI jährlich zu erfolgen hat.
 
Erstmals ist dies nun für das Jahr 2011 erfolgt. Die Abgabemengenerfassung allein erlaubt es nicht, eine direkte Verbindung zwischen den ermittelten Abgabemengen und der Behandlungshäufigkeit einzelner Tierarten herzustellen. (pd)
 



Antibiotika-Zahlen: Das sagen Parteien und Verbände


Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat erstmals Zahlen der Antibiotika-Abgabe in der Tiermedizin veröffentlicht. Was Parteien und Verbände dazu sagen, lesen Sie hier.


DBV fordert Aufschlüsselung der Daten nach Tierarten
 
Der Deutsche Baurnverband (DBV) sieht in der Veröffentlichung offizieller Statistiken über den Antibiotikaeinsatz bei Tieren eine gute Basis für weitere Schritte im Hinblick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung.
Der DBV sieht einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika durch Landwirte und Tierärzte durch das BVL bestätigt. Die Menge der als kritisch eingestuften sogenannten Reserveantibiotika beträgt weniger als ein Prozent.
 
Bedauerlich ist aber, dass keine Aufschlüsselung der Daten nach Tierarten erfolgt. Hilfreich wäre eine Differenzierung nach Lebensmittel liefernden Tieren und Hobbytieren. Ebenso fehlen verlässliche Daten über den Status im humanmedizinischen Bereich. Eine vollständige Transparenz ist notwendig, um die nationale Strategie zur Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen (sogenannte DART-Strategie) zum Erfolg zu führen.
 
Ostendorff: Fünf nach zwölf
 
Zu den gestern  vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichten Daten zu den Antibiotika-Abgabemengen in 2011 erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik: Im Jahr 2011 wurden in der Tierhaltung mehr als doppelt so viele Antibiotika eingesetzt als von der Regierung angenommen. Ursprünglich wurde von 800 Tonnen ausgegangen, tatsächlich waren es 1734 Tonnen. Außerdem wurden sechsmal mehr Antibiotika bei Tieren als bei Menschen eingesetzt - das ist ein echter Skandal.
 
Die BVR-Daten zeigen, dass es eigentlich schon fünf nach zwölf ist. Die Bundesregierung muss endlich aufhören zu verschleppen und zu verzögern und entschlossen handeln. Für eine echte Antibiotika-Reduktionsstrategie bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich von den Fesseln der Agrarindustrie zu lösen und einen radikalen Umbau der Tierhaltung einzuleiten.
 
Goldmann: Bundesministerin Aigner soll im Ausschuss berichten
 
Anlässlich der ersten aussagekräftigen Datenerhebung von Antibiotika Abgabemengen an Tierärzte durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), erklärt der Ausschussvorsitzende für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Hans-Michael Goldmann: Die heute vom BVL herausgegebenen Zahlen über die an Tierärzte abgegebenen Antibiotika-Mengen zeigen, dass bereits an der Dokumentation und der Transparenz von Antibiotika-Einsätzen gearbeitet wird. 
 
Es ist Ziel meiner Ausschussarbeit, auch bei diesem Thema für eine zielgerichtete und vor allem sachliche Debatte zu sorgen. Aus diesem Grund habe ich Bundesministerin Aigner gebeten, über die nun vorliegenden Daten im Ausschuss zu berichten und sich der Diskussion über die anstehende Arzneimittelnovelle zu stellen.
 
CDU: Daten konkretisieren
 
"Die Zahlen liefern eine gute Datenbasis für eine konkrete Antibiotika-Minimierungsstrategie, wie sie Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner plant. Wichtig ist jetzt eine weitere Ausdifferenzierung der Daten nach Einsatz der Medikamente im Nutztier- und im Heimtierbereich", meint Franz-Josef Holzenkamp, agrarpolitischer Sprecher CDU/CSU. Mit dem Ziel einer Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Nutztierhaltung auf ein absolutes Minimum werde Aigner im Herbst die 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes vorlegen. Das Gesetz enthalte unter anderem Verschärfungen hinsichtlich der Verschreibungspraxis sowie eine einzelbetriebliche Erfassung der Antibiotikamengen.  (pd)
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