Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

+++ aktualisiert am 2. April +++

Zehntausende Schweine sterben bei Großbrand in Alt Tellin

Großbrand in der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin bei Jarmen
am Mittwoch, 31.03.2021 - 10:54 (Jetzt kommentieren)

Der Großbrand am 30. März in der Mega-Schweinezucht von Alt Tellin hat die Kritik an der sogenannten Massentierhaltung aufflammen lassen. Zehntausende Tiere sind in dem Inferno verbrannt.

Auch mehrere Tage nach dem Großbrand in der riesigen Schweinezuchtanlage in Alt Tellin, Vorpommern-Greifswald, ist die Brandursache noch unklar. Wie ein Polizeisprecher der Polizei am Mittwochmorgen sagte, ist die fast völlig zerstörte Anlage in Mecklenburg-Vorpommern vorerst für Ermittlungen beschlagnahmt und gesperrt worden. Ein Brandgutachter soll das Gelände der Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland Holding (LFD) untersuchen.

Wie die LFD Holding am Karfreitag erklärte, standen in der Schweinezuchtanlage vor dem Großbrand rund 50.000 Ferkel und circa 7.000 Sauen. Gerettet wurden bei dem verheerenden Großbrand in Alt Tellin nur etwa 1.300 Tiere, sodass mehrere zehntausend Schweine in den Flammen umkamen. Die genaue Zahl ist unbekannt. Ein Mitarbeiter des Unternehmens wurde leicht verletzt.

Feuer in Schweinezuchtanlage: mehrere Millionen Euro Schaden

Verrußte Schweine

Das Feuer in Alt Tellin bei Jarmen war am Dienstagmorgen ausgebrochen und hat fast die komplette Stallanlage zerstört. Wie ein Sprecher der Feuerwehr erläuterte, waren beim Anrücken der Rettungskräfte vier Stallanlagen von je 90 Meter Länge bereits im Vollbrand. Über die Lüftungsschächte und andere Anlagen griffen die Flammen nach und nach auf fast alle der etwa 18 Schweineställe über. Aus polizeilicher Sicht bestand zu Beginn der Einsatzmaßnahmen das Problem, dass sich viele Schaulustige im Umfeld des Brandortes aufhielten.

Die Löscharbeiten mussten darauf konzentriert werden, die nahestehende Biogasanlage zu kühlen. Rund 75 Feuerwehrleute konnten verhindern, dass das Feuer auf die Biogasanlage und Futtersilos übergriff.

Der Betrieb in Alt Tellin bei Jarmen war 2011 für rund 20 Millionen Euro gebaut worden. Experten schätzen den Schaden durch das Feuer in der Schweinemastanlage auf mehrere Millionen Euro.

Die LFD Holding betreibt in Deutschland elf Stallanlagen mit 55.000 Sauen

Betreiber der Schweinezuchtanlage ist die LFD Holding, die als einer der größten deutschen Schweinezuchtbetriebe gilt. Sie war 2020 von der Schweizer Terra Grundwerte AG übernommen worden. Zur LFD gehören nach eigenen Angaben 11 Anlagen mit 400 Mitarbeitern und rund 55.000 Sauen in Ställen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Bayern. 

Die LFD war 2015 aus dem niederländischen Familienunternehmen des Züchters Adrian Straathof hervorgegangen, gegen den ein Landkreis in Sachsen-Anhalt wegen Tierschutz-Verstößen ein Tierhaltungsverbot verhängt hatte. Gegen die Unternehmen der damaligen Straathof-Gruppe hatte es in mehreren Bundesländern Proteste gegeben. 

Backhaus: Große Anlagen ohne Flächenbindung nicht genehmigen

Der Großbrand der riesigen Stallanlage löste umgehend erregte Diskussionen in den sozialen Netzwerken aus. Die Kritik richtete sich gegen extrem große Tierhaltungen, aber auch die Landwirtschaft insgesamt und die Politik der Bundesregierung.

Auch die Landespolitik griff das Brandunglück auf. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sprach von einer Tragödie. Man könne sich das Tierleid bei einem solchen Brand nicht vorstellen. All jene, die damals gegen den Bau dieser „Ferkel-Fabrik“ protestiert hätten, würden sich nun im Recht sehen, stellte Backhaus fest.

Nach Ansicht des SPD-Politikers passen solche Anlagen nicht in eine Zeit, in der Menschen wollten, dass Nutztiere besser behandelt würden. Backhaus kündigte an, er werde sich weiter dafür einsetzen, dass ohne Flächenbindung keine derartigen Anlagen mehr genehmigt werden könnten.

Kritik am Brandschutzkonzept

Die Spitzenkandidatin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern für die Landtagswahl am 26. September, Anne Shepley, forderte, Schweinemastanlagen in dieser Größenordnung generell zu verbieten. Für alle anderen Anlagen müsse die Landesbauordnung schnellstmöglich nachgebessert werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern beklagte den völlig unzureichenden Brandschutz in der Megastallanlage. Nach eigenen Angaben hatte der Verband das Brandschutzkonzept bereits bei der Planung scharf kritisiert. Der BUND sieht im Fehlen von Brandschutzeinrichtungen ein eklatantes Problem großer Tierhaltungen.

Der Anlagenbetreiber erklärte unterdessen, dass die Betriebsstätte stets unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie einer vorliegenden Brandschutzverordnung betrieben worden sei. 

Anlagenbetreiber: Steine auf Lkw-Fahrer geworfen

Die LFD Holding äußerte Unverständnis darüber, dass Lkw-Fahrer vor Ort mit Steinen beworfen und die Tiertransporte mit Autos verfolgt worden seien. Ein Sicherheitsdienst, der auch Schaulustige fernhalten solle, sei mit der Bewachung des Geländes beauftragt worden. In Gladau (Sachsen-Anhalt) sei zudem in eine weitere Stallanlage eingebrochen worden.

Mit Material von dpa

Was sollten wir aus dem Großbrand der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin lernen?

Tierbestände dieser Größe sollten gar nicht erst genehmigt werden.
35% (714 Stimmen)
Die Brandschutzauflagen für große, neue Stallanlagen müssen verschärft werden.
10% (215 Stimmen)
Die Tierhaltung muss an die Fläche gebunden werden. Dann entstehen solche Riesenbetriebe nicht.
23% (474 Stimmen)
Wer billiges Fleisch will, ist für Mega-Betriebe mitverantwortlich – mit entsprechenden Folgen im Katastrophenfall.
32% (648 Stimmen)
Stimmen gesamt: 2051

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...