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Lebensmittel

So lange müssen Menschen für ein Kilogramm Fleisch arbeiten

Fleischtheke
Sabine Leopold/agrarmanager
am
24.08.2017

Fleisch ist auch heute noch vielerorts ein Luxusprodukt. Eine Untersuchung im Auftrag von Caterwings zeigt, wie teuer oder erschwinglich Fleisch in Bezug auf das landestypische Mindesteinkommen in verschiedenen Ländern der Welt ist.

Der Caterering-Service-Anbieter Caterwings hat eine Studie darüber in Auftrag gegeben, wie teuer in verschiedenen Regionen der Welt Fleisch für den Verbraucher ist. Dabei wurden nicht nur Preise für diverse Fleischarten und -schnitte erfasst, sondern selbige auch ins Verhältnis mit dem im jeweiligen Land üblichen Mindestlöhnen (oder den ortsüblichen Löhnen für Ungelernte und Hilfsarbeiter) verglichen.

Dabei zeigte sich: Vor allem in asiatischen Ländern ist Fleisch vielerorts noch immer ein absolutes Luxusprodukt. Anders in Nord- und Westeuropa. Hier muss auch ein Mindestlohnempfänger oft nicht mal eine Stunde arbeiten, um ein Kilogramm Fleisch kaufen zu können.

Wir haben für die Fleischarten Rind, Schwein und Hähnchen die Spitzenreiter von beiden Enden der Tabellen herausgepickt und sie miteinander verglichen. Die ausführlichen Daten für insgesamt 52 erfasste Länder und fünf Fleischarten finden Sie unter: www.caterwings.de/caterers/2017-fleischpreis-index/

Rind – in Asien Luxus, in Europa erschwinglich

Arbeitszeit Rindfleisch

Erwartungsgemäß gehören Rindfleischprodukte – ausgewertet wurden Rumpsteak, Filet und Hackfleisch – zu den teuersten Fleischerzeugnissen. Die enorme Differenz zwischen dem Land mit der längsten notwendigen Arbeitszeit, um ein standardisiertes Kilogramm Rindfleisch zu erwerben, und dem mit der kürzesten – Indonesien (23,60 Stunden) und Dänemark (1,00 Stunden) – entsteht allerdings nicht durch den Fleischpreis, sondern durch die extrem unterschiedliche Einkommenslage. Während in Indonesien Billiglöhne unter einem Euro nicht selten sind, liegen die tariflichen Mindestentgelte (einen generell gültigen Mindestlohn gibt es nicht) in Dänemark auch im europäischen Vergleich an der Spitze.

Auch in Deutschland ist Rindfleisch sogar für Geringverdiener erschwinglich. Unter 52 ausgewerteten Staaten belegen wir Platz 45. Der für die Studie veranschlagte Mindestlohn von 8,84 € ermöglicht es dem Verbraucher, mit höchstens 2,20 Stunden Arbeit ein Kilo Rindfleischprodukte zu erwerben.

Schinken – in Indien nahezu unbezahlbar

Arbeitszeit fpr Schweinefleisch

Beim Schweinefleisch (in der Auswertung: Kotelett, Würstchen und Schinken) sind die Differenzen zwischen den Billiglohnländern und Ländern der Europäischen Union deutlich geringer als beim Rind. Einzig der Ausreißer Indien sticht hier ins Auge. Um ein Kilogramm Schweinefleisch zu kaufen, muss ein Billigarbeiter dort fast 40 Stunden arbeiten. Im zweitplatzierten Land dieser Auflistung, Mexiko, beträgt die notwendige Arbeitszeit nicht einmal die Hälfte. Hier spielt neben dem extrem geringen Einkommen wohl vor allem der Schinkenpreis eine Rolle, der in Indien, verglichen mit sonstigen Fleischarten, sehr hoch liegt.

Auch hier liegt Dänemark am günstigsten, obwohl Schweinefleisch bei unseren Nachbarn im Schnitt etwas teurer ist als bei uns. Wiederum sorgt hier das vergleichsweise hohe Einkommen im Niedriglohnbereich für dieses Ergebnis.

Deutschland liegt mit Frankreich, Irland und Australien bei einer benötigten Arbeitszeit von 1,20 Stunde, in der Studie ist das Platz 39 von 45. Einige streng muslimische Länder entfielen bei dieser Auswertung.

Hähnchen – fast überall erschwinglich

Arbeitszeit für Hühnerfleisch

Hühnerfleisch war in allen auswerteten Ländern am günstigsten. Selbst bei Spitzenreiter Indien lag die benötigte Arbeitszeit für ein Kilogramm Hähnchenfleisch (auswertet wurden Hähnchenbrust und Hähnchenschenkel) "nur" bei gut 10 Stunden.

Zum dritten Mal ist Dänemark das Land mit der kürzesten notwendigen Arbeitszeit: Für ein Kilogramm Hühnerfleisch muss ein dänischer Geringverdiener nur 0,30 Stunden arbeiten. Und auch Deutschland hat es in diesem Falle unter die Top 5 der aus Verbrauchersicht günstigsten Fleischländer gebracht – mit Platz 48 von 52 und einem Arbeitszeitaufwand von 0,60 Stunden.

Allgemein fällt auf, dass die Fleischpreise sich nicht annähernd mit der Einkommenslage der Bevölkerung mitbewegen. Während in Asien, aber auch in Russland und Mexiko, Fleisch für einen Großteil der Bevölkerung unerschwinglich ist, liegen die Preise in Europa trotz eines Vielfachen beim Einkommen relativ moderat und oft nicht weit über denen der Billiglohnländer.

Die Gesamttabelle von Caterwings zeigt auch, dass die Fleischpreise in der Schweiz sich zum Teil weit vom Rest der ausgewerteten Länder abheben. Dass unser Nachbarland sich trotz dieser hohen Verbraucherpreise stets im unteren Mittelfeld der Auswertung befindet – also bei den Ländern, in denen auch für "Geringverdiener" Fleisch erschwinglich bleibt –, liegt am hohen Gehaltsniveau.

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