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Initiative Tierwohl

Steht die 'Initiative Tierwohl' vor dem Aus?

Schwein schaut aus der Stallbucht
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Katharina Krenn, agrarheute
am
03.05.2016

Während sich Edeka und Bauernverband öffentlich über die Finanzierung der 'Initiative Tierwohl' streiten, spricht der Geschäftsführer schon vom Ende der Initiative.

Der Geschäftsführer der Initiative Tierwohl schließt ein Auslaufen der Branchen-Initiative im kommenden Jahr scheinbar nicht aus. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Initiative-Geschäftsführer Alexander Hinrichs am Montag: "Einen Blankoscheck für die Fortsetzung, ohne dass der Rahmen abgesteckt ist, stellt niemand aus."

Es liefen jedoch Gespäche zwischen den Beteiligten, wie die Initiative nach Auslaufen der ersten Periode Ende 2017 fortgesetzt werden kann. "Das Aus der Initiative ist das derzeit unwahrscheinlichste Scenario, dem wir die wenigste Aufmerksamkeit widmen", erklärte die Pressesprecherin auf Nachfrage von agrarheute.

Edeka gibt Bauernverband Schuld

Die Initiative ist heillos unterfinanziert, über 2.200 Landwirte stehen immer noch auf der Warteliste. Einige Lebensmitteleinzelhändler haben ihren Beitrag erhöht. Nicht so: Edeka. Das Handelsunternehmen knüpft eine Erhöhung des Beitrags an eine transparente Erfolgsmessung, die es bisher nicht gebe. In der Welt am Sonntag hat der Edeka-Chef Markus Mosa jetzt dem Bauernverband vorgeworfen, an der Unterfinanzierung der Initiative Tierwohl schuld zu sein.

"Wir haben eine Vereinbarung getroffen, nach der vier Cent gezahlt werden. Sie gilt bis Ende 2017", so Mosa. "Der Bauernverband war bei diesen Gesprächen dabei." Edeka halte sich an die Vereinbarung, auch der Verband müsse Vertragstreue zeigen. Für 2018 könne neu verhandelt werden.

Rukwied: Handel hat Finanzierung festgelegt

Joachim Rukwied weist die Vorwürfe Mosas scharf zurück. "Der Vorwurf des Vorstandsvorsitzenden von EDEKA, der Bauernverband trage Schuld an der unzureichenden Finanzausstattung der Initiative Tierwohl, ist absurd. Die Kriterien für bessere Haltungsbedingungen in der Tierhaltung sind einvernehmlich zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel vereinbart worden." Die unzureichende Finanzausstattung sei von Seiten des Handels einseitig festgelegt worden.

"Richtig ist, dass Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels zu Beginn der Initiative einen Finanzbedarf von mehreren hundert Millionen Euro jährlich für notwendig erachtet haben. Dieser Betrag ist unter Federführung der EDEKA auf 85 Millionen Euro jährlich gedrückt worden", stellte Rukwied klar.

So geht es weiter: Tierwohl messbar machen

"Die Gremien der Initiative Tierwohl beschäftigen sich derzeit intensiv mit der zukünftigen Ausrichtung der Branchenlösung. Alle Partner sind an einer soliden Fortsetzung interessiert", nimmt die Gesellschaft der Initiative auf Nachfrage von agrarheute Stellung. Die Initiative plane unter anderem eine Weiterentwicklung der Kriterienvorgaben und eine Einbeziehung des sogenannten Tierwohlindexes. Auch setze man sich mit der Frage der zukünftigen Teilnehmerzahl und damit zusammenhängend auch der Prüfung der Entgeltsätze auseinander.

Derzeit arbeite man an der Möglichkeit das Tierwohl messbar zu machen. Dies soll über einen Tierwohlindex geschehen, der auf den Befunddaten der Schlachter basieren soll. Ab dem 1. Juli sind die Schlachtunternehmen zur Meldung der Schlachtbefunddaten verpflichtet. Dies sei die Grundlage für die Erarbeitung eines Tierwohlindex, was unter wissenschaftlicher Begleitung erfolgt. "Alle Beteiligten erhoffen sich unter anderem von dieser Auswertung eine Möglichkeit, die Wirksamkeit der Initiative belegen zu können", so die Pressesprecherin gegenüber agrarheute.

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