Login
Forschung

Stressfresser aus dem Kuhstall

Junge füttert Kuh mit Heu
Thumbnail
Wiebke Herrmann, agrarheute
am
09.05.2018

Eine Studie bestätigt: Das Immunsystem von Landbewohnern mit Kontakt zu Nutztieren ist widerstandsfähiger gegen Stress.

Das Landleben ist gesund. Doch das liegt nicht an der dörflichen Ruhe, der frischen Luft oder der intakten Nachbarschaft. Wissenschaftler der Universität Ulm fanden nun dafür eine ganz andere Antwort: Das Immunsystem von Landbewohnern mit engem Kontakt zur Nutztierhaltung kann besser mit Stresssituationen umgehen als das von Großstädtern, die ohne Haustiere aufwuchsen. Grund hierfür sind Bakterien aus der Umwelt, mit denen Menschen seit Jahrtausenden zusammenleben, die in der Großstadt aber nur schwer überleben.

Städter und Landbewohner im Stresstest

Die Ulmer Forscher fanden heraus, dass Männer, die die ersten 15 Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Nutztieren aufgewachsen sind, psychosozialen Stress besser verarbeiten können. Dagegen schnitten Männer, die die ersten 15 Lebensjahre in einer Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern und ohne Haustier verbracht haben, deutlich schlechter ab.
Die Wissenschaftler unterzogen dafür 40 gesunde männliche Probanden einen Stresstest und untersuchten begleitend dazu Stresshormone und immunologische Parameter. Die Teilnehmer mussten eine fingierte Bewerbungssituation meistern, zwischendurch Kopfrechenaufgaben lösen und bei Fehlern noch einmal von vorn beginnen. Vor und nach dem Test entnahmen die Wissenschaftler Speichel- und Blutproben.

Fehlende Mikroben machen krank

Die Landbewohner zeigten im Test zwar höhere Stresswerte als die Großstädter. Jedoch ließ sich das Immunsystem der Landbewohner nicht zu einer starken Reaktion provozieren. Diese überschießenden Immunantworten sind für die Gesundheit ein Problem, da sie häufig zu chronischen Entzündungsreaktionen führen und eine Rolle beim Entstehen von Asthma oder allergischen Erkrankungen spielen. Außerdem vergrößern sie das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Posttraumatischen Belastungsstörungen. 
Schon seit Längerem ist bekannt, dass Großstädter anfälliger für diese Erkrankungen sind. Forscher sind sich einig, dass hierfür auch der fehlende Kontakt zu Mikroben eine wichtige Rolle spielt.

Auch interessant