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Bayern

Tierärzte wollen Viehtransporte in Drittländer stoppen

Tiertransport-Viehtransport-Rind
am
11.02.2019

Veterinärverbände appellieren an bayerische Europaparlamentarier, Langzeittransporte in Drittstaaten bis zur Abstellung von tierschutzrelevanten Mängeln zu stoppen. Tierschützern reicht das nicht aus - sie verlangen ein Totalverbot.

In Bayern forderten Veterinärverbände die dortigen Mitglieder des Europaparlaments auf, Tiertransporte in Drittstaaten vorerst aufzuschieben. Bereits Ende Januar stoppte das bayerische Veterinäramt in Landshut einen Viehtransport nach Usbekistan, wie agrarheute berichtete. Bis zur vollumfänglichen Abstellung der tierschutzrelevanten Mängel an den EU-Außengrenzen, in den Mitgliedstaaten und den Drittländern sollten die Langzeittransporte in Nicht-EU-Staaten eingestellt werden, mahnten die Bayerische Landestierärztekammer (BLTK) sowie die Landesverbände des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt) und der beamteten Tierärzte Bayerns (LbT) am vergangenen Freitag (8.2.) in München an.

Nach Ansicht der Verbände muss ein System etabliert werden, dass die Einhaltung des Tierschutzes auch auf den Transportstrecken in den Transit- und Bestimmungsdrittländern sichert. Erst danach dürften Transporte wieder aufgenommen werden. Bislang gebe es keine geprüften Transportrouten mit zertifizierten und zugelassenen Versorgungsstationen. Auch die Voraussetzungen für eine tierschutzgerechte Entladung und die Tierschutzsituation im Bestimmungsland sollten geprüft und beurteilt werden.

Kontrollen bisher nur unzureichend

Die bayerischen Veterinärverbände begründen ihre Forderung mit den Ergebnissen von EU-Audits, bei denen 2017 und 2018 Maßnahmen zur Verhinderung von unnötigen Belastungen bei Langstreckentransporten von Tieren in Drittstaaten untersucht wurden. Die Abschlussberichte belegten unter anderem, dass die Notfallpläne der Transportunternehmen unzureichend und der Informationsfluss zwischen den Mitgliedstaaten verbesserungswürdig seien. Ferner werde der Zeitbedarf von Kontrollen an den EU-Außengrenzen bei der Bewertung und der Überprüfung der Transportroutenplanung nur unzureichend berücksichtigt. In Bulgarien habe sich gezeigt, dass für den Fall einer Verzögerung des Transportes in Grenznähe nur ungenügende Kapazitäten für die Versorgung der Tiere vorhanden seien.

Tierrechtler verweisen auf Unfallzahlen

Derweil forderte das Deutsche Tierschutzbüro Bund, Länder und EU dazu auf, Lebendtiertransporte komplett zu verbieten. Die Transporte seien „elementarer Bestandteil des Systems der Massentierhaltung“. Die Tierrechtler verwiesen auch auf die Unfallstatistik. Im laufenden Jahr habe es bereits zwölf schwerwiegende Zwischenfälle gegeben; dabei seien mehr als 100 Schweine, mehrere Rinder, eine Vielzahl von Hühnern und drei Menschen ums Leben gekommen. Ein Ende von Lebendtiertransporten wäre ein kleiner, aber wichtiger erster Schritt zu weniger Tierleid.

Ende Januar hatte sich der Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments für einheitlichere Standards bei Tiertransporten innerhalb der Europäischen Union ausgesprochen (AgE 5/19, EU-Nachrichten 9). Die Abgeordneten hatten mehr unangemeldete Kontrollen und schärfere Strafen gefordert und auf eine merkliche Reduzierung der Transportzeiten gepocht. Unterschiede bei den Transportstandards in Drittstaaten sollten durch bilaterale Abkommen abgemildert werden; ferner regte der Ausschuss an, dass EU-Staaten, die an Nicht-EU-Länder grenzen, Ruhezonen bereitstellen, um so den Tieren Ruhepausen einräumen zu können, bevor diese die EU verlassen.

Mit Material von AgE

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