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Interview

Tierethiker: 'Die Mensch-Tier-Beziehung hat sich verändert'

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Katharina Krenn, agrarheute
am
25.05.2017

Die Mensch-Tier-Beziehung unterliegt einem gesellschaftlichen Wandel. Daraus resultieren neue Konflikte. Ein Tierethiker spricht über die Folgen für die Nutztierhaltung.

Die Debatte über moderne Nutztierhaltung wird in der Gesellschaft zunehmend moralischer und emotionaler geführt. Teilweise sehen sich Tierhalter und Veterinäre mit radikalen Ideologien konfrontiert, deren Verfechter Tierhaltung und Fleischproduktion mit allen Mittel abschaffen wollen. Was ist die Ursache für diesen Wertewandel in der Gesellschaft?

Der Tierethiker Prof. Dr. Herwig Grimm analysiert in einem Interview, das im QS Blog (Qualität und Sicherheit GmbH) erschien, die aktuelle Mensch-Tier-Beziehung in der Gesellschaft und die daraus resultierenden Konflikte. Grimm hat eine Ausbildung zum Landwirt absolviert und lehrt heute als Professor für Philosophie.

Worin unterscheiden sich Tierethik und Tierschutz?

Prof. Dr. Herwig Grimm: Ein Tierethiker ist nicht automatisch Tierschützer. Tierethiker beschäftigen sich mit dem moralischen Verhältnis von Mensch und Tier, wir reflektieren es wissenschaftlich, um es besser zu verstehen. Auch wenn das so gewonnene Wissen gesellschaftspolitische Relevanz besitzt, ergreifen wir keine Partei, wir sind keine Schiedsrichter und auch keine Entscheidungsträger.

Wie wichtig ist Ihre praktische Erfahrung in der Landwirtschaft für Ihre Arbeit?

Prof. Dr. Herwig Grimm: Sie ist ungeheuer wichtig! Von Anfang an ging es mir darum, die Bauern mit ins Boot zu holen. Es ist doch faszinierend, wofür die Landwirtschaft steht: für Erde, Wasser, Luft, für Mensch, Tier. In der Frage nach einer guten Mensch-Natur-Beziehung läuft hier alles zusammen. Deshalb obliegen der Landwirtschaft auch viele gesellschaftliche Anliegen. Sie steht für Werte! Und die müssen einer Gesellschaft aus verantwortungsbewussten Bürgern auch etwas wert sein. Es geht um uns alle. Nicht um die Produzenten hier und die Konsumenten da.

Was zeichnet den gesellschaftlichen Wandel der Mensch-Tier-Beziehung aus?

Prof. Dr. Herwig Grimm: Vor rund 10.000 Jahren begann der Mensch, mit dem Tier unter einem Dach zu leben. Mit den Nutztieren! Heute lebt er auch noch mit Tieren zusammen, aber mit Streicheltieren. Wer als Kind mit Hund und Katze aufwächst, der lernt: Tiere sind Familienmitglieder, sie sind Partner. Daraus erwächst ein völlig anderes Konzept, das unsere Gesellschaft aktuell verhandelt. Dies zu beobachten ist für uns Ethiker extrem spannend. Schließlich sitzt bei einem großen Teil der Bevölkerung das Tier einerseits am Esstisch, andererseits liegt es auf ihm. Das wirft von ganz allein moralische Fragen auf.

Kann eine moderne Gesellschaft, die weder altern noch sterben möchte, damit umgehen, dass Nutztiere sterben müssen?

Prof. Dr. Herwig Grimm: Tod, Krankheit und Alter bekämpft unsere Gesellschaft oder verschließt sie hinter Mauern. Sie will sie nicht sehen – und doch beschäftigen sie jeden Menschen. Natürlich reflektieren wir unsere Vorstellungen von Tod auch über das Tier. Dabei können wir übrigens viel über unsere eigenen Bedürfnisse lernen.

Was geben Sie einem Landwirt an die Hand, der sich mit Ethik auseinandersetzt, der Orientierung sucht?

Prof. Dr. Herwig Grimm: Wo immer für ihn praktische Möglichkeiten bestehen, Tierwohl voranzubringen, sollte er sie ergreifen. Stößt er an Rahmenbedingungen, die Verbesserungen gar nicht erst zulassen, dann verschiebt sich die Verantwortung auf eine neue Ebene: Tierwohl ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Verantwortungsvolle Bürger müssen sich die Frage stellen, ob und wie die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft weiterentwickelt werden sollen.

Das gesamte Interview finden Sie im QS Blog.

Mit Material von qs-blog.de

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