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Geflügel

Turbulenzen am Eiermarkt mit Besonnenheit begegnen

von , am
20.03.2010

Eppingen - Die Ereignisse auf dem deutschen Eiermarkt im letzten halben Jahr stellten ein noch nie dargewesenes Phänomen dar; über Monate hinweg kannten die Eierpreise nur eine Richtung: Nach oben.

© agrarfoto.com

Eier:
Die Blase ist geplatzt

So krass beschrieb diese Woche ein Kollege die Marktentwicklung bei Eiern im Verlauf der letzten Woche. Anscheinend hatte viele Produzenten die Panik erfasst, dass dieses Jahr Ostern ausfällt. Es kam dann - wie an der Börse bei fallenden Kursen - auf der Anbieterseite zur Panik und jeder wollte noch schnell verkaufen, egal zu welchem Preis.

Die Ereignisse auf dem deutschen Eiermarkt im letzten halben Jahr stellten ein noch nie dargewesenes Phänomen dar; über Monate hinweg kannten die Eierpreise nur eine Richtung: Nach oben. Das Geschehen der letzten Woche kam so aber auch noch nie vor: Ein absacken der Preise in solch einem Ausmaß innerhalb weniger Tage gab es noch nie.

Rationell betrachtet besteht kein Grund zur Panik: Weiterhin ist nicht viel Ware am Markt; glaubt man der Küken- und Junghennenstatistik bleibt die Produktion in Deutschland auch weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau. Unsere Nachbarn in den Niederlanden allerdings haben anscheinend aber doch die Produktion, gerade in Bodenhaltung, massiv gesteigert. Auch die Tatsache, dass es in Deutschland viele "Neu-Legehennenhalter" gibt (viele Kuhställe wurde ja anscheinend in Legehennenställe umgebaut), verschärfte die Situation in den letzten Wochen.

Anscheinend werden die Karten auf dem Eiermarkt gerade neu gemischt; daher die extremen Ausschläge sowohl nach oben als auch nach unten. Es gibt viele Kollegen, welche die Hochpreisphase der vergangenen Monate nicht an die Kunden weitergaben; gerade in solchen Fällen besteht jetzt kein Grund - weder für die Produzenten als auch für die Kunden - neue Preisverhandlungen zu führen, da mittlerweile ein normales Niveau der Preise erreicht wurde.

Mein Rat an alle Marktbeteiligten:
Ich kann mich in den letzten 20 Jahren an keinen Gründonnerstag erinnern, an dem noch Eier übrig waren. Daher: Ruhe bewahren und nicht überstürzt handeln.

Geflügel:
Grillsaison startet bald

Der Hähnchenmarkt verlief in den ersten Wochen dieses Jahres stabil. Die Preise blieben auf allen Absatzstufen weitgehend unverändert. Absatzbelebungen waren nach Informationen der EMA überwiegend im Zusammenhang mit Aktionstätigkeiten des Handels zu beobachten. Der Putenmarkt stand in den zurückliegenden Wochen vielfach unter Druck. Sowohl die Großhandelspreise für frische und gefrorene Putenteile als auch die Erzeugerpreise gaben etwas nach.

Aktuell scheint die Phase der Reduzierungen überwunden. Die Preistendenz ist wieder nach oben gerichtet. Die Hähnchen- und Putenproduzenten warten auf die bald beginnende private Grillsaison. Etwa ab Mitte März wird das Grillsortiment im Lebensmitteleinzelhandel gelistet. Mit steigenden Temperaturen findet dieses dann wohl schnell seine Abnehmer. Auch das bevorstehende Osterfest dürfte positive Impulse für die Geflügelfleischmärkte bringen.

 

{BILD:115548:jpg} Georg Heitlinger
Eierproduzent aus dem baden-württembergischen Eppingen, 40.000 Legehennen, davon ca. 12.000 in Freilandhaltung, 28.000 in Bodenhaltung, ca. 90 ha Ackerbau, inkl. Packstelle, analysiert ab sofort wöchentlich für agrarheute.com in Zusammenarbeit mit der EMA, Bonn, die Marktentwicklung bei Eiern und Geflügelmast.

 

 

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