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Geflügel

Uneinheitliche Entwicklung am Gänsemarkt

von , am
11.11.2013

Bonn - Die deutsche Gänseproduktion wird dieses Jahr voraussichtlich das Vorjahresvolumen übertreffen. Darauf deutet die Anzahl eingestallter Gänseküken hin.

Deutsche Gänsehalter verurteilen die Stopfleberprodukion. © www.landpixel.de
Von Januar bis August 2013 waren es nach Berechnung der MEG (Marktinfo Eier & Geflügel) 902.032 Gänseküken und damit rund 11 Prozent mehr als in den ersten acht Monaten 2012. Die Berechnung fußt auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. Die Nachfrage nach deutschen Weidemastgänsen wurde zu Beginn der diesjährigen Vermarktungssaison als recht lebhaft bezeichnet.
 
Kurz vor dem Martinsfest ist üblicherweise der erste Absatzhöhepunkt. Im Rahmen des Kammerprogramms der AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH) meldeten Landwirtschaftskammern bzw. süddeutsche Bauernverbände Anfang November Preise für Gänse auf unterschiedlichen Vermarktungsstufen.

Große Preisunterschiede

Die von MEG und AMI ausgewerteten Meldungen ergaben ein uneinheitliches Bild. Verbraucher, die direkt beim Erzeuger eine frische deutsche Gans kauften, mussten mit durchschnittlich 11,80 Euro je Kilogramm (kg) um 0,41 Euro je kg mehr ausgeben als im Vorjahr. Die große Spanne von 8,50 bis 15,90 Euro je kg zeigt, dass es regional unterschiedliche Preisvorstellungen gibt. Spitzenpreise sind insbesondere in der Nähe von Ballungsgebieten zu erzielen. Hohe Preismeldungen beziehen sich teils auf Bio-Tiere.

Druck im Frostsegment

Die Vermarktungspreise der Schlachtereien an Großhandel und Einzelhandel pendelten zurück. Bei der Vermarktung an den Großhandel ergab sich ein Schwerpunktpreis von 7,92 Euro je kg, das waren 0,52 Euro je kg weniger als 2012. Die Spanne reichte von 6,40 bis 9,50 Euro je kg.
 
In Richtung Einzelhandel erzielte man im Schnitt 8,37 Euro je kg und damit um 0,45 Euro je kg weniger als im Vorjahr. Der Rückgang der Schlachtereiabgabepreise an Groß- und Einzelhandel erklärt sich durch den Importdruck im Frostsegment. Insbesondere polnische Ware wird in aktuell unter Vorjahrespreisen offeriert. Während Frostware im Lebensmitteleinzelhandel laut GfK-Haushaltspanel im Schnitt der Saison 2012 noch 4,94 Euro je kg kostete, lagen erste Preismeldungen für 2013 teils unter der vier Euro-Grenze.
Die Verbraucherpreise für frische Gänse im Einzelhandel stoßen offensichtlich an eine Obergrenze. Mit 12,37 Euro je kg waren laut AMI-Kammerprogramm im Schnitt nur 0,06 Euro je kg mehr zu erzielen. Die gemeldete Spanne reichte von 10,00 Euro je kg bis 15,20 Euro je kg.

Importware dominiert

Margit M. Beck, MEG - Marktinfo Eier & Geflügel
Die deutsche Bruttoeigenerzeugung von Gänsen stieg 2012 um 100 Tonnen auf 4.500 Tonnen. Obwohl sich für 2013 ein weiterer Zuwachs abzeichnet, kann die hiesige Erzeugung nur einen Teil des deutschen Bedarfs abdecken. Der Selbstversorgungsgrad im Jahr 2012 von 17,5 Prozent verdeutlicht dies. Der Pro-Kopf-Verbrauch stagnierte im Vorjahr bei 300 Gramm (g). Hauptlieferland für Gänsefleisch ist Polen, gefolgt von Ungarn.
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