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Geflügel

Verbot der Käfighaltung treibt Großhandelsnachfrage

von , am
27.02.2010

Eppingen - Europaweit sind Eier knapp; die Industrie sucht händeringend nach Ware. Die deutsche Hähnchenproduktion zeigt diese Woche weiter deutliche Wachstumstendenzen. Wochenmarktbericht von Georg Heitlinger.

© Philip Lange/Fotolia

Eier:
Industrie sucht händeringend nach Ware

Eigentlich gilt der Februar schon seit Jahren als der umsatzschwächste Monat des gesamten Jahres. Bedingt durch die aktuelle Ausnahmesituation durch das Verbot der deutschen Käfighaltung der Legehennen galt dies für den Februar 2010 offensichtlich nicht.

Europaweit sind Eier knapp. Die verarbeitende Eierprodukteeindustrie sucht offensichtlich händeringend nach Ware, obgleich die Industrie das gleiche Problem hat wie viele Packstellen: Langfristige Lieferverträge mit Kunden sorgen dafür, dass der Endkunde von den steigenden Preisen auf dem Spotmarkt für Eier nichts mitbekommt; die Verluste sammeln sich beim Lieferanten an.

Im Konsumbereich ist die Lage seit nahezu sechs Monaten unverändert: Die frei verfügbare Ware wird zu extrem hohen Preisen gehandelt. Der Endkunde, der jedoch z.B. im Discounter seine Eier kauft, merkt davon aber nichts. Ein Beispiel: Der Ladenverkaufspreis eines großen deutschen Discounters liegt schon seit Oktober 2009 bei 1,39 € für 10 Eier aus Bodenhaltung. Frei verfügbare Bodenhaltungseier werden aber schon seit langer Zeit für ca. 16 Cent/Stück auf Großhandelsebene gehandelt.

Bei normaler Kalkulation würde dies eine Vk-Preis im Laden von ca. 2,29 bis 2,39 € bedeuten. Nehmen wir mal an, am Rotterdamer Spotmarkt für Öl steigt der Rohölpreis innerhalb weniger Tage um 50%. Diese Preiserhöhung würde der Endverbraucher sofort spüren, da die großen Ölkonzerne sie unvermindert weitergeben. Dies gilt offensichtlich jedoch nicht bei landwirtschaftlichen Produkten.

Eigentlich unvorstellbar, aber leider Realität. Für Eiererzeuger, die aktuell Legehennen halten (viele haben ja mit der Haltung aufgehört oder bauen immer noch die Ställe um) ist es dennoch eine gute Zeit, da das Preisniveau bei Eiern historische Höchststände erreicht. Die große Unsicherheit besteht aktuell in der Zeit nach Ostern, da niemand weiß, wie viele Ställe gerade umgebaut werden und wie viel Produktion demnächst auf den Markt kommt. In 5 Wochen ist Gründonnerstag; bis dahin ist keine Entspannung der Eierpreise in Sicht.

Geflügel:
Steigende Hähnchenproduktion in Deutschland

Die deutsche Hähnchenproduktion zeigt deutliche Wachstumstendenzen. Die Schlachtungen beliefen sich im Dezember nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 64.095 t, was gegenüber 2009 einen Zuwachs von 11,0 % bedeutet. Im gesamten Jahr 2009 übertrafen die Schlachtungen von Hähnchen das 2008er Ergebnis mit 749.441 t um 6,0 %.

Die Schlachtungen von Puten lagen 2009 mit 438.006 t lediglich um 0,4 % über Vorjahr. Der Absatz von Hähnchen- und Putenfleisch läuft derzeit stetig. Umsatzbelebungen blieben bislang aus. Mit Absatzbelebungen wird erst im März mit Blick auf die Osterfeiertage gerechnet.

Die Großhandels- und Erzeugerpreise blieben am Hähnchenmarkt zuletzt weitgehend unverändert. Zumeist lagen sie allerdings unter dem Vorjahresniveau. Am Putenmarkt standen die Preise auf allen Ebenen noch unter Druck. Größtenteils gaben sie nochmals nach. Mit einer Stabilisierung wird in den kommenden Monaten aber gerechnet.

 

{BILD:115548:jpg} Georg Heitlinger
Eierproduzent aus dem baden-württembergischen Eppingen, 40.000 Legehennen, davon ca. 12.000 in Freilandhaltung, 28.000 in Bodenhaltung, ca. 90 ha Ackerbau, inkl. Packstelle, analysiert ab sofort wöchentlich für agrarheute.com in Zusammenarbeit mit der EMA, Bonn, die Marktentwicklung bei Eiern und Geflügelmast.

 

 

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