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Interview

Vogelgrippe: Warum wird Geflügel nicht geimpft?

Weiße Gänse auf der Weide
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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
01.12.2016

Warum impft man Geflügel nicht, um die Tiere vor Vogelgrippe zu schützen? LAND & Forst fragte den Geschäftsführer der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft Dieter Oltmann.

Warum werden die Bestände zum Schutz vor der Vogelgrippe nicht geimpft?

Porträt von Dieter Oltmann

Die Impfung gegen die Vogelgrippe ist nach der EU-Richtlinie 2005/94/EG in Europa nicht erlaubt. Die EU-Richtlinie sieht dazu aber auch Ausnahmen in Form einer Notimpfung vor. Das ist dann der Fall, wenn im Rahmen eines massiven Seuchengeschehens die Gefahr der Verschleppung besteht. Zur Viruseindämmung könnten die Mitgliedstaaten dann Gebrauch von der Notimpfung machen, die i.d.R. als Ringimpfung um das Seuchengeschehen herum erfolgen würde. Mit Abklingen der Seuchensituation müssten dann aber trotzdem die geimpften Tiere nach der derzeitigen Rechtslage getötet werden.

Warum ist eine generelle Impfung nicht möglich?

Eine generelle Impfung der Geflügelbestände gegen AI H5 und H7 wird von den Experten abgelehnt. Dies hat mehrere Ursachen. In der Vergangenheit wurde z.B. über das DIVA-Konzept in Italien versucht, die Aviäre Influenza einzudämmen. Unter dem Deckmantel des Impfschutzes lief die Virusausbreitung jedoch weiter, da geimpfte Tiere trotzdem infiziert werden können. Die Impfung führt zwar zu einer weitgehenden Verhinderung der Krankheitssymptome, die Tiere sind trotzdem aber Virusausscheider.

Wie stark variieren Influenzastämme?

Die Varianz der Influenzastämme muss beachtet werden und die kann sich laufend ändern. So müssen Impfstoffe der neuen Virusvarianz angepasst werden. Bisherige Versuche, über Impfstrategien Seuchen zu beherrschen, sind allesamt gescheitert. Hinzu kommt, dass eine flächendeckende Impfung nur mit einem enormen Aufwand zu bewerkstelligen wäre, da die Tiere mit der Nadel geimpft werden müssen, bei größeren Tieren wie z.B. Puten bis zu dreimal, um einen ausreichenden Impfschutz herzustellen.

Kleinst- und Hobbiehaltungen sind nicht immer registriert, so dass nicht alle Tiere geimpft werden könnten, so dass Impflücken im Feld entstehen. Jede Impfung bedeutet zudem auch Stress für die Tiere. Darüber hinaus werden die Länder, in denen gegen AI H5 und H7 geimpft wird, mit Handelshemmnissen belegt.
 

Wie ist die Rechtslage H5- und H7-positiven Tieren?

Über die Rechtsprechung verpflichtet die EU die Mitgliedstaaten, H5- und H7-positive Tierbestände zu töten und zu räumen, um eine flächendeckende Virusverbreitung zu verhindern. Diese Strategie hat sich in den zurückliegenden Jahren erfolgreich behauptet, so dass es immer nur zu kleinen regionalen Influenza-Geschehen in Nutzgeflügelbeständen gekommen ist, die durch neue Viruseinträge zustande gekommen sind. Ein konsequentes Monitoring in den Nutzgeflügelbeständen führt dazu, dass Viruseinträge frühzeitig erkannt werden.

Warum muss gekeult werden, wenn die Bestände nicht betroffen sind?

Die Geflügelpest-VO regelt die Vorgehensweise in der Seuchenbekämpfung. Das Influenzavirus kann u.a. durch Wind- und Staubpartikel weitergetragen werden. D.h., wenn es zu einem Ersteintrag in einer Nutzgeflügelhaltung gekommen ist, müssen bei hochpathogener Aviärer Influenza, wie aktuell H5N8, nach der Geflügelpest-VO die Geflügelbestände im 1-km-Radius um den Ausbruchsbestand präventiv getötet und geräumt werden, auch wenn sie AI-negativ getestet sind.

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