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Geflügelpest

Vogelgrippe weitet sich zur Pandemie aus

Warnschild Vogelgrippe
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Katharina Krenn, agrarheute
am
07.12.2016

In rasender Geschwindigkeit breitet sich die Vogelgrippe weltweit aus. Die erreichte Bilanz der Seuche hat das Pandemie-Rekordjahr 2006/2007 bereits überholt. In Deutschland ist ein zuvor nie gekanntes Ausmaß erreicht.

Die aktuell kursierende Vogelgrippe hat sich nach Experteneinschätzung inzwischen zur Pandemie ausgeweitet. «Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist beachtlich», sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter. «Wir sehen im Moment keine Tendenzen zu einer Abschwächung, weder was die Zahl der gefundenen Vögel noch was die geografische Ausbreitung angeht.» Mit Europa, Asien und Afrika seien nun drei Kontinente betroffen.

Rekordausmaß erreicht

«Mittlerweile haben in Deutschland die Fälle bei Wildvögeln und Ausbrüche bei Geflügel und in zoologischen Einrichtungen ein nie zuvor gekanntes Ausmaß angenommen», heißt es in der aktuellen Risikobewertung des FLI.  Den Grund für die aktuell vermehrte Eintragung des H5N8-Erregers in Geflügelhaltungen sieht das FLI im offenbar höheren Infektionsdruck aus der Wildvogelpopulation. So sei der Anteil infizierter Vögel unter den Totfunden deutlich höher als im Vogelgrippe-Rekordjahr 2006/2007.

Prognose: Wildvögel verbreiten Virus weiter

Ein Abklingen der Vogelgrippe-Welle ist nach Einschätzung der FLI-Fachleute noch nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Der für Geflügel hochgefährliche Erreger, der bislang konzentriert bei Wildvögeln an den Küsten und am Boddensee gefunden wurde, werde inzwischen zunehmend bei Wasservögel-Kadavern an Binnengewässern nachgewiesen. Das Institut empfiehlt den Bundesländern inzwischen, auch tote Säugetiere, die in Gebieten mit hoher Wildvogeldichte gefunden werden, zu untersuchen.

Ursachen: Hoher Infektionsdruck und mehr Nutzgeflügel

Welche Ursachen zu Vogelgrippe-Wellen führten, sei noch weitgehend unklar, sagte Mettenleiter. Obwohl die Vogelgrippe seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder auftrat, ist eine der aktuellen Situation ähnliche Pandemie im Wildvogelbereich nach Angaben des FLI bislang nur 2006/2007 beobachtet worden.  Dies hänge nicht nur mit den heute zur Verfügung stehenden besseren Diagnosemöglichkeiten zusammen.

«Der Infektionsdruck gegenüber den Wildvögeln hat sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten deutlich erhöht», sagte Mettenleiter. Die Zahl an gehaltenem Nutzgeflügel sei weltweit gestiegen. «Damit stehen mehr potenzielle Wirte für den Erreger zur Verfügung.» Zudem gebe es in Asien eine enge Vergesellschaftung zwischen Nutzgeflügel und Wildvögeln, mit der Folge, dass die Wahrscheinlichkeit von Ansteckungen steige.

Ausbreitung in Europs

In Europa ist der Erreger demnach inzwischen in zwölf Staaten nachgewiesen worden.  Darüber hinaus meldeten Indien, Iran, Israel, Tunesien und Ägypten H5N8-Fälle. In Frankreich waren bis zum Wochenbeginn sieben Betriebe im Südwesten des Landes betroffen. Eigentlich hätte das Land Anfang des Monats seinen Status «frei von Vogelgrippe» wiedererlangen können. Gerade wurde die Risikostufe im ganzen Land von moderat auf hoch angehoben. Bislang galt diese Stufe nur für einige Regionen.

Mit Material von dpa
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