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Geflügel

Warnung vor Überkapazitäten am Schlachtgeflügelmarkt

von , am
05.10.2010

Bienenbüttel - Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht sich in ihrer Einschätzung eines bevorstehenden Zusammenbruchs des Hähnchenmarktes durch eine Analyse des Marktexperten Prof. Windhorst bestätigt.

© Mühlhausen/landpixel

Der ehemalige Leiter des Instituts für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) in Vechta hatte in der Fachzeitschrift DGS Magazin unter dem Motto "Wachstum als Risiko?" vor Überkapazitäten durch den Ausbau von Schlachthöfen und den Neubau solcher Anlagen gewarnt.

Die regionale Verdichtung der Produktion werde zudem das Problem der umweltverträglichen Verwertung der tierischen Exkremente und des Krankheits- und Seuchenrisikos verschärfen, und die Schaffung neuer Mastanlagen außerhalb der Zentren werde Auswirkungen auf Absatzmöglichkeiten von Geflügelmist aus den Verdichtungszentren in diese Gebiete haben, so Windhorst vor dem Hintergrund der Pläne des emsländischen Unternehmens Rothkötter für einen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb mit einer Endkapazität von rund 200.000 Tonnen Geflügelfleisch bei Celle.

Abhängigkeit von Futtermittelimporten 

Er erwartet außerdem Verschiebungen der Getreide-Warenströme, die zu einer stärkeren Abhängigkeit von Futtermittelimporten und von risikoreichen Marktschwankungen führen könnten. Ein wachsendes Problem sieht Windhorst auch im Widerstand gegen eine weitere Verdichtung beziehungsweise Neuerrichtung von Mastanlagen. Dieser komme nicht nur von Tier- und Umweltschutzorganisationen, sondern auch von der nicht in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung sowie von Landwirten selbst.

"Bauernhöfe statt Agrarfabriken" 

Windhorst geht davon aus, der Bedarf an Hähnchenfleisch in Deutschland bis 2014 um rund 164.000 Tonnen zunimmt, wovon 137.000 Tonnen durch inländischen Produktion und 27.000 Tonnen durch Importe bereitgestellt werden. Demgegenüber rechnet er mit einer Erweiterung der Schlachtkapazitäten um 160.000 Tonnen schon bis Ende 2011. In den darauffolgenden Jahren sollen weitere 200.000 Tonnen hinzukommen. Der ehemalige ISPA-Leiter stellt auch fest, dass für Rothkötter aus unternehmerischen Gesichtspunkten ein zweiter Standort neben dem Betrieb in Haren im Emsland durchaus sinnvoll ist. Die AbL nahm die Analyse zum Anlass, ihre Kritik an der intensiven Fleischproduktion zu erneuern. Sie sieht eine unverantwortliche Förderung und Beschönigung "der Überproduktion". (AgE)

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