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Kommentar

Mit weniger Fleisch lässt es sich auch gut leben

Fleisch
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Wiebke Herrmann, agrarheute
am
29.03.2018

Am Ostersamstag endet die Fastenzeit – ein Grund sich einmal Gedanken über unseren Fleischkonsum zu machen.

Wiebke-Herrmann

Am kommenden Samstag endet für die meisten die Fastenzeit. Davor hieß es, sich sieben Wochen in Verzicht üben: keine Süßigkeiten, kein Alkohol oder – scheinbar immer öfter – kein Fleisch. Auch der Landesbischof der Landeskirche Hannover, Ralf Meister, verzichtete in diesem Jahr auf Fleisch. Das gab er zumindest zu Beginn der Fastenzeit gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung bekannt.

In seiner Kindheit gab es noch den klassischen Sonntagsbraten. Mit dem Verzicht möchte er seinen Fleischkonsum hinterfragen: Die Art und Menge der derzeitigen Fleischproduktion hält Ralf Meister für nicht zukunftsfähig. Er sehe darin keinen Weg, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ohne gleichzeitig das Ökosystem zu gefährden. Trotzdem dürfe die Existenz der Landwirte nicht bedroht werden.

In meinen Augen macht er es sich damit etwas einfach. Trotzdem ist eines sicher: Die Weltbevölkerung lässt sich ohne Nutztiere nicht ernähren, denn 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche weltweit sind nur von ihnen nutzbar. Zudem braucht der Mensch tierische Lebensmittel – synthetisch hergestellte Ersatzstoffe für Vitamin A und B 12 reichen bei weitem nicht für eine ausgewogene Ernährung aus.

Mehr Wertschätzung für tierische Produkte

Damit bleibt die Frage, ob die Landeskirche in Niedersachsen und die Landwirte wirklich so weit voneinander entfernt sind. Ich finde nicht. Den Fleisch- und Lebensmittelkonsum zu hinterfragen, macht in meinen Augen Sinn. Anfangen könnten wir zum Beispiel bei der Lebensmittelverschwendung. Mir tut es weh, eine Packung Wurst in die Tonne wandern zu sehen. Dafür hält kein Landwirt Tiere. Für ihn ist etwas anderes wichtig: Die Wertschätzung seiner Tiere und ihrer Erzeugnisse. Und ein angemessener Preis, der dafür bezahlt wird.

Es müssen nicht die 60 kg Fleisch pro Kopf und Jahr sein. Um festzustellen, dass es sich auch mit weniger Fleisch auf dem Teller gut leben lässt, ist die Fastenzeit ideal. Mit dem Verzicht lernen wir, das, worauf wir verzichten, mehr wertzuschätzen. Dadurch können wir es mehr genießen und können es bewusster wahrnehmen.

Genau diesen Stellenwert braucht Fleisch meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft wieder. Ein bisschen weniger, dafür aber ein bewusster Fleischkonsum, für den ein angemessener Preis bezahlt wird. Das ist sicherlich im Sinne eines jeden Tierhalters.

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