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Geflügel

Wirtschaftliche Geflügelhaltung

von , am
22.09.2009

Westerstede - Die Geflügelmast ist immer noch nicht ausgereizt, wie aktuelle Untersuchungen belegen. Sparpotentiale finden Züchter im Futterbereich. Die Zugabe von Weizen sowie pflanzlichen Stoffen ist sowohl sinnvoll als auch wirtschaftlich.

© Natalia Schmöller

Die Fachhochschule Osnabrück hat zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen festgestellt, dass eine Zugabe von bis zu 30 Prozent Weizen je Phase zum üblichen Alleinfutter sinnvoll ist.

Vorbehalte gegenüber dieser Zufütterung wie Skeletdeformation und Kokzidiose konnten ausgeräumt werden. Mehr noch: Am Ende zeigte sich eine Mastleistung über den Sollwerten, wobei die Mortalität niedriger und die Tiergesundheit höher war.

Zwar stieg der Futterverbrauch geringfügig an, doch die Gesamtkosten sanken aufgrund des preiswerteren Weizens. Um auf Medikamente verzichten zu können, hatte man Dostofarm-Oregano ins Trinkwasser gegeben. Das spart nicht nur teure Antibiotika, sondern hält das Medikamentenbuch eintragsfrei. Zudem ist der Einsatz bis zum Schlachttag erlaubt - vielleicht einer der Gründe für die niedrigen Verluste in der Endphase.

Verzicht auf Formaldeyhd liefert höhere Gewinne

Ein wissenschaftlicher Versuch der Industrie, diesmal im Bereich der Aufzucht von Bruteiern im Inkubator, bestätigte ein Einsparpotential bei der Desinfizierung. Eier der Hähnchenmastline Cobb 500 wurden im Inkubator einer vernebelten Wasserlösung mit zwei Prozent Dosto Liquid ausgesetzt. Untersucht wurde auf Salmonellen, Staphylokokken, Escherichia Coli und Proteus-Bakterien. Das Ergebnis zeigte keine Mortalität bei den Küken, während der Verlust in der konventionell mit Formaldehyd behandelten Kontrollgruppe bei über fünf Prozent lag. Der Anteil unbefruchteter Eier sank deutlich. Durch den Verzicht auf Formaldehyd ließe sich ein höherer Betriebsgewinn realisieren, waren sich die beteiligten Experten einig.

Auf selbe Art, allerdings als Beimischung im Trinkwasser, bekämpfen Tierärzte erfolgreich Dysbakteriosen und Malabsorptionssyndrome, die sie bei Masthähnchen im Alter von 8-16 Tagen feststellen. Die Erkrankungen führen sie auf das protein- und energiehaltige Futter zurück, das die Tiere an ihre Grenzen bringt. Kommt es zu bakteriellen oder parasitären Belastungen, sind Darmprobleme mit Leistungseinbußen zu erwarten. Eine Häufung stellte man bei jungen Küken und während der Futterwechsel fest. Präparate aus der Gruppe der Penicilline einzusetzen, sei am Ende womöglich teurer als die phytogenen Alternativen, so die Meinung.

Höhere Gewinne duch appetitanregende Futterzusatzstoffe

Wieviel Potential darin steckt, zeigt ein Blick in die Niederlande. Holländische Putenzüchter setzen in ihrer Gewinnkalkulation auf die appetitanregende Eigenschaft von Futterzusatzstoffen auf Oregano-Basis. Die offen gelegte Abrechnung eines Betriebes mit 27.500 Tieren zeigt einen Mehrertrag von 1,07 Euro je Tier, wobei 0,12 Euro für den natürlichen Wachstumsbeschleuniger aufgewandt werden mussten. Das macht einen Mehrgewinn von etwa 27.000 Euro je Mastgeneration aus.

Einsatz von pflanzlichen Stoffen ist wirtschaftlich

Für Züchter eine gute Nachricht: Pflanzliche Stoffe als Futterergänzung oder Medikamentenersatz sind keine Öko-Spinnerei, sondern wirtschaftliche Vernunft. Dank der Initiative intensiv forschender Spezialisten wie Dostofarm wächst das Anwendungsspektrum. So fand man beispielsweise heraus, dass bestimmte Pflanzen, fermentiert und im belegten Stall vernebelt, die Rote Vogelmilbe extrem dezimieren. Ein Rückbefall war erst nach rund drei Monaten festzustellen, wobei keinerlei Resistenzen und gesundheitliche Beeinträchtigungen für Mensch und Tier beobachtet wurden. Ein Ergebnis übrigens, das überraschte: Ursprünglich sollte ein pflanzliches Spray allein zur Geruchsbindung entwickelt werden. (pd)

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