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Wolfsmanagement

Wölfe im Bundesrat: schützen oder schießen?

Wolfsrudel
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Amelie Grabmeier, agrarheute
am
18.10.2018

Die Bundesländer Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen fordern klare Abschussregeln für Wölfe. Einen entsprechenden Antrag wollen die Länder an diesem Freitag im Bundesrat einbringen.

In Sachsen geht der Wolf um. „Nahezu täglich müssen wir Meldungen über Wolfssichtungen in Ortschaften oder über gerissene Tiere zur Kenntnis nehmen", sagte Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CSU). Offenbar hat er jetzt genug. Gemeinsam mit seinen Amtskollegen Olaf Lies und Jörg Vogelsänger (beide SPD) aus Niedersachsen und Brandenburg fordert er ein bundesweites Wolfsmanagement. Einen entsprechenden Zehn-Punkte-Plan wollen sie diesen Freitag im Bundesrat einbringen. 

„Wir brauchen mehr Unterstützung vom Bund, um in den betroffenen Regionen Akzeptanz für den Artenschutz zu finden“, sagte  Thomas Schmidt. Auch wenn der Schutz des Wolfes ein wichtiges Anliegen sei, müsse der Mensch auch weiter an erster Stelle stehen. „Sicherheit geht vor Artenschutz.“

Grund für die Initiative: Immer mehr Wölfe

Gab es im Jahr 2011, noch 12 Wolfsrudel, 6 Paare und 4 Einzeltiere, wurden im Jahr 2017 schon 56 Rudel, 19 Paare und 2 Einzeltiere mit insgesamt 215 Welpen bestätigt. Die große Mobilität der Tiere mache eine bundesweite Betrachtung notwendig, um dem strengen Schutz der Wölfe Rechnung zu tragen.

Gleichzeitig müssten aber auch die wirtschaftlichen Belange der Weidetierhalter berücksichtigt werden, begründen die drei Länder ihre Initiative. Ziel sei es, ein Nebeneinander von Wolf, Mensch und Nutztier zu ermöglichen.

Ziel: 100 prozentige Unterstützung für Landwirte

Konkret fordern die Länder eine bessere Unterstützung von Nutztierhaltern. „Es reicht nicht, den Landwirten 80 Prozent der Anschaffungskosten für Elektrozäune oder Herdenschutzhunde zu ersetzen“, sagte Thomas Schmidt.

Weidetierhalter müssten bei der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zu 100 Prozent gefördert werden. Die Bundesregierung solle dazu Verhandlungen mit der EU-Kommission führen, so der Umweltminister.

Änderung des Naturschutzgesetz und Monitoring gefordert

Des Weiteren wollen die Länder das Naturschutzgesetz ändern, um die Spielräume des europäischen Rechts auch in Deutschland nutzen zu können. Hier müsse der Bund für eine 1:1 Umsetzung und für Rechtssicherheit durch eine praxisnahe Ausgestaltung sorgen.

Darüber hinaus soll der Bund gemeinsam mit Polen ein Monitoring entwickeln, das die Wolfspopulation beobachtet und bewertet.

Bauernverband unterstützt Initiative

Unterstützung bekommen die Länder vom Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern. „Wir begrüßen die Initiative der drei Länder“, sagte Manfred Leberecht, Vize-Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. „Aber wir hätte uns gewünscht, dass sich auch Mecklenburg-Vorpommern an dem Antrag beteiligt.“

Der Wolf breite sich auch in Mecklenburg-Vorpommern aus. „Deshalb dürfen sich unsere Politiker nicht davor scheuen, das Zusammenleben mit dem Wolf aktiv zu gestalten“, so der Vize-Präsident.

Grüne: Initiative löst Wolfproblem nicht

Für Wolfram Günther, Grünen-Fraktionschef im Sächsischen Landtag, ist die Initiative der Länder allerdings nicht erfolgversprechend: „Selbst mit der Beschlussfassung dieses Antrags im Bundesrat passiert noch rein gar nichts“, sagte er gegenüber der Leipziger Volkszeitung.

„Mit diesem Antrag wird kein einziges Problem der Weidehalter gelöst", sagte Wolfram Günther. Er sehe zwar auch einen Handlungsbedarf bei Problemwölfen, warne aber vor einer „populistischen Überdramatisierung“ der Situation.

Mit Material von dpa, Bundesrat, LVZ, Bauernverband MV

Länderübersicht: Das kostet der Wolf

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