Login
Tierseuche

Zombie-Hirsche: Prionenkrankheit in Wildbeständen Nordamerikas

Wapiti-Hirsch
Thumbnail
Sabine Leopold, agrarheute
am
19.02.2019

In den USA und Kanada stoßen Jäger und Wanderer immer wieder auf kranke Hirsche, die sich ungewöhnlich verhalten. Was ist dran an der "Zombie-Krankheit", die möglicherweise auch Menschen gefährden könnte?

Vor allem in Nordamerika mehren sich nach Angaben lokaler Medien die Funde sogenannter "Zombie-Hirsche". Die Tiere bewegen sich unkoordiniert, sabbern und haben kaum Scheu vor dem Menschen.

Doch was nach neuer Netflix-Serie klingt, hat einen bedenklichen Hintergrund: Die Chronic Wasting Disease (kurz: CWD; deutsch: Chronische Auszehrung) ist eine Prionenkrankheit und steht damit in einer Reihe mit Creutzfeld-Jacob beim Menschen, der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) beim Rind und der Traberkrankheit (Scrapie) beim Schaf.

Symptome ähneln BSE

CWD ist bereits seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Prionenerkrankung beim Hirsch bekannt. Zu den Symptomen gehören neben Verhaltensänderungen ein starker Gewichtsverlust, Apathie, Bewusstseinsstörungen, vermehrter Durst und erhöhte Erregbarkeit. Dazu kommen häufig Probleme bei der Bewegungskoordination.

In letzter Zeit mehren sich offenbar die Meldungen von Verdachtsfällen. "USA Today" schrieb am 18. Februar, mittlerweile sei die Seuche in 24 US-Bundesstaaten und zwei kanadischen Provinzen nachgewiesen.

Michael Osterholm, Direktor des Zentrums für infektiöse Krankheiten an der University of Minnesota, warnte vergangene Woche bei einer Anhörung vor einer möglichen Ansteckung von Menschen.

Vorsicht bei Jagdreisen in Infektionsgebiete

Vor allem Jäger, die erlegte Tiere selbst aufbrechen und ausnehmen, könnten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein. Seuchenexperten raten deshalb in bekannten Infektionsgebieten zu Latexhandschuhen, vorsichtigem Umgang mit der Klinge und Kontaktvermeidung mit Nerven- und Lymphgewebe. Ähnlich wie bei BSE wird vermutet, dass Menschen sich über diese Gewebe anstecken können, auch wenn bislang kein konkreter Fall bekannt ist.

Zwischen 7.000 und 15.000 infizierte Tiere, schätzt Osterholm, werden in den USA jedes Jahr verspeist, Tendenz steigend.

In Europa ist die Seuche bislang nur in Norwegen und Finnland nachgewiesen worden. in Deutschland gibt es noch keinen Fall.

Auch interessant