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Geflügel

Zoonosen-Monitoring: Auch Putenfleisch ist belastet

von , am
22.02.2012

Putenfleisch ist häufig mit antibiotikarestistenten Keimen belastet. Das war das Ergebnis des Zoonosen-Monitorings von 2010. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Ergebnisse bewertet.

Vogelgrippe: Die im Stand-Still-Gebiet gehaltenen Vögel dürfen weder in einen noch aus einem Bestand verbracht werden. Nur für Eintagsküken gilt eine Ausnahme. © landpixel
Im Zoonosen-Monitoring 2010 lag der Schwerpunkt auf Puten und Putenfleisch. Das Ergebnis: Antibiotikaresistente Bakterien kommen häufig entlang der Lebensmittelkette vor. Putenfleisch war mit Salmonellen, Campylobacter und Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) belastet, die häufig resistent gegen Antibiotika waren.
 
"Die Keime stammen ursprünglich aus der Tierhaltung und werden während des Schlachtprozesses und der Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen", erklärt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Verbreitung und Resistenzen

Das BfR hat 3.748 Isolate von Proben aus Puten-, Hähnchen- und Mastkälberbeständen sowie Putenfleisch, Rohmilch und Eiern untersucht. Bei der Resistenztestung der Keime wurde deutlich, dass es große Unterschiede zwischen den Tiergruppen und Lebensmitteln hinsichtlich der Belastung mit antibiotikaresistenten Bakterien gibt:
 
Mehr als 90 Prozent der E. coli-Isolate aus Puten-, Hähnchen- oder Mastkälberbeständen sowie aus Putenfleisch waren gegen mindestens eine, häufig auch mehrere Antibiotikasubstanzklassen resistent.
 
Dagegen waren E. coli aus Rohmilch oder aus Legehennenbeständen seltener resistent (24 bzw. 40  Prozent). Ebenso waren Salmonellenisolate aus Masthähnchenbeständen im Vergleich zu denen aus Putenbeständen seltener resistent.
 
Im Vergleich zum Vorjahr wurde für E. coli und Salmonellen bei Legehennen-, Masthähnchen- und Mastkälberbeständen und Putenfleisch ein Anstieg oder zumindest gleichbleibende Resistenzraten gegenüber bestimmten Antibiotika ermittelt.
 
Im Putenfleisch wurde zudem ein besonders resistenter Stamm von Salmonella Kentucky gefunden. Dieser Stamm hat in mehreren europäischen Mitgliedstaaten zu Erkrankungen bei Menschen geführt und weist eine hochgradige und stabile Resistenz auf.
 
Die Ausbreitung einiger dieser Keime kann erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitsweisen haben, weil sie für die menschliche Therapie eingesetzt werden.
 
MRSA bei Tieren: Geringe Rolle bei der Ausbreitung
 
Das Vorkommen von Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) in den Tierbeständen führt insbesondere für Beschäftigte in der Tierhaltung zu einer häufigen Besiedlung mit MRSA. Die Rolle der aus diesen Tieren erzeugten Lebensmittel für die Ausbreitung der nutztierassoziierten MRSA ist nach derzeitiger Einschätzung des BfR jedoch aufgrund der meist niedrigen Keimzahlen gering. Resistente Erreger in der Tierproduktion können vor allem über den Kontakt mit Tieren sowie über kontaminierte Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs zum Verbraucher gelangen.
 
Zoonosen: Vom Tier auf den Menschen und umgekehrt
 
Zoonosen sind Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können oder umgekehrt. Im Zoonosen-Monitoring werden nach einem Stichprobenplan in jährlich wechselnden Programmen gezielt wichtige Bereiche der Lebensmittelproduktion auf das Vorkommen von Zoonoseerregern untersucht. Der Plan für das seit 2009 jährlich stattfindende Monitoringprogramm wird vom BfR erstellt und mit den Behörden des Bundes und der Länder abgestimmt. Er schreibt neben Art und Umfang der Probennahme auch die anzuwendenden Untersuchungsverfahren vor, so dass ein Höchstmaß an Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern und über die Jahre erzielt wird. 
 
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