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Zweierlei Maß beim Wolf: Zäune auf dem Land, Abschuss in der Stadt?

wolf-im-wald
am Donnerstag, 11.08.2022 - 11:12 (3 Kommentare)

Das niedersächsische Umweltministerium bereitet den Abschuss des am Dienstag gesichteten Wolfs vor. Olaf Lies möchte kein Risiko eingehen. Tierhalter und Landbevölkerung äußern ihren Unmut und sprechen von Doppelmoral.

Der Wolf, der sich im Hannoveraner Stadtgebiet blicken ließ, sorgt für viel Aufsehen. Bei der Polizei gingen viele Anrufe aus der Bevölkerung ein und auch das Umweltministerium sei vorsichtig. So bereite das Ministerium, nach Angaben der Sprecherin Stefanie Gaffron zusammen mit den Unteren Naturschutzbehörden eine Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Wolfes vor. Auf der Pressekonferenz lies Umweltminister Olaf Lies (SPD) auch mitteilen, dass er besorgt sei. Nur weil bei der Sichtung des Wolfs am Dienstag nichts passiert sei, heiße dies nicht, dass das auch bei künftigen Besuchen des Tieres so sein werde.

Diese schnelle Entscheidung, eine Entnahme des Hannover-Wolfes vorzubereiten, wo es doch in anderen Ortschaften und auch Regionen mit häufigere Wolfsbegegnungen und auch Rissen, als natürlich hinzunehmen sei, stößt auch in den sozialen Median auf Unmut und Unverständnis.

Unmut kommt auf

Lars E. Broch macht es in einem Kommentar auf Facebook deutlich: „…Liebe Leserin, lieber Leser, der Sie wie ich vielleicht auch auf dem Lande leben, dem Lande, das einfach nur wolfabweisend gezäunt werden muss, damit den ollen Weidetieren nichts passiert und für dessen Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt jemals auch nur der Ansatz einer Gefahr bestand – wir sollen uns im Falle einer Wolfsbegegnung „groß machen und mit dem Schlüsselbund klimpern“ oder uns zur Not „mit einem Stock bewaffnen“ - egal ob Reiterinnen von Wölfen verfolgt oder Joggerinnen von Wölfen bedrängt wurden. Egal ob im Dorf bei Müllers ein Reh im Garten gerissen oder beim Schäfer das Schaf morgens um 7 direkt hinter der Schulbushaltestelle. Oder, weils so lecker war, auch direkt neben dem Schulhof der dörflichen Grundschule. Keine Gefahr. Aber Wolf in Hannover… nee, das geht gar nicht. Und Stöcke hat man da vielleicht auch nicht genug.“

Karin R erinnert sich noch an Bilder, als ein Wolf auch durch einen Bremer Vorort lief: „Daraus folgte vonseiten der Politik keinerlei vergleichbare Reaktion. Ich hoffe eigentlich, dass durch die zunehmende Annäherung der Wölfe an den Menschen, jetzt auch mehr und mehr in städtischen Bereichen eine Kehrtwendung hin zur allgemeinen Regulierung durchgeführt und entsprechend gehandelt wird.“

Auch Bo O. zweifelt: „Ist es noch Scheinheiligkeit oder spricht man da vielleicht schon über Doppelmoral, also für den Fall das überhaupt Moral im Spiel sein sollte? Ich geh nämlich gerade innerlich hoch und das ist meistens ein Indiz für generelle Unverschämtheit oder eben letzteres.“

Ob sich der Wolf jedoch noch mal in Hannover blicken lässt, ist unklar. Wolfexperten gehen davon aus, dass er nur auf der Durchreise war.

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