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17. Fachtagung "Land-Technik für Profis": Hackfrüchte im Fokus

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Lena Kampschulte, traction
am
12.03.2018

Die DLG-Tagung stand in diesem Jahr unter dem Motto: Hackfrüchte im Fokus. Thema waren unter anderem die veränderten Rahmenbedingungen auf dem Zuckermarkt.

Die diesjährige Fachtagung "Land.Technik für Profis" widmete sich dem Thema "Technik für den Hackfruchtanbau". Die Tagung fand am 27. und 28. Februar im Hause der Grimme Landmaschinenfabrik in Damme statt. 

Thema war unter anderem der sich verändernde Zuckermarkt. Dr. Andreas Windt von der Nordzucker AG in Braunschweig skizzierte die vielfältigen Herausforderungen. Für die Zuckerindustrie und demzufolge auch die Landwirtschaft bedeuten die veränderten Rahmenbedingugen, dass man nicht nur produzieren muss, was der Markt will, sondern dies auch auf eine Art tun muss, wie der Markt es will. Im Gegensatz zu Themen wie Neonicotinoide und Azole sowie Zucker in der Ernährung, die eher auf der verarbeitenden bzw. politischen Ebene angesiedelt sind, stellt der Ersatz von Glyphosat und der Biscarbamate Phenmedipharm bzw. Desmedipharm sowie die Rückführung der Rübenerde die Landtechnik vor besondere Herausforderungen. Insbesondere bei der automatisierten mechanischen Bestandespflege seien hier die Erkennung früher Rübenstadien vor dem 6-Blatt-Stadium und deren automatische Unterscheidung von Unkräutern sowie ein effizientes Hacken zwischen den Reihen genannt.

Im Kartoffelanbau hingegen sind zurzeit weniger Produktions- als vielmehr logistische Aspekte im Fokus der Verarbeiter, machte Jürgen Bruer von der Agrarfrost GmbH & Co. KG in Wildeshausen klar. Aufgrund der am Markt geforderten, gleichbleibend sehr hohen Qualität gerade für Pommes-frites-Kartoffeln müsse das Erntegut in der Logistik entsprechend des Reifegrads getrennt und bis zum Feld rückverfolgbar in der Fabrik angeliefert werden. Somit wird die gesamte Wertschöpfungskette „Kartoffel“ weiter integriert werden, auch damit der Verarbeiter bereits frühzeitig die in Kürze ankommenden Qualitätsstufen kennt und seine Prozesse darauf abstimmen kann.

Auch das Stichwort Landwirtschaft 4.0 wurde aufgegriffen. So stellte beispielweise Landwirt Daniel Feiter aus NRW eine softwaregestützte und in der Cloud angesiedelte Anbauplanung mit integrierter Verfahrensoptimierung vor. Prof. Dr. Yves Reckleben von der FH Kiel präsentierte zudem ein System zur standortbezogenen Variation der Ablagenweite mittels GPS. Erken Block von Grimme berichtete über eine höhere Düngereffizienz durch bodenabhängige Unterfußdüngung beim Legen der Kartoffel. „Viel Neues in der Pipeline, aber…!“ war das Fazit von PD Dr. Markus Gandorfer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising, der einen Überblick über die automatisierte mechanische Unkrautregulierung gab. Nach seiner Bewertung bietet diese vielfältige ökonomische und ökologische Vorteile, die sich auch inzwischen in einer Förderung der Entwicklung entsprechender Methoden niederschlagen. In Summe steckt die Technik aber teilweise noch in den Kinderschuhen. Dieser Eindruck bestätigte sich in den Ausführungen von Tobias Mugele von Deepfield Robotics, einem Startup für autonome Landmaschinen der Robert Bosch GmbH in Rennigen. Im Prototypenstatus könnte einer ihrer Jäte-Roboter rechnerisch ca. 20 ha unkrautfrei halten – auf Basis von ca. 400 aufgelaufenen Unkräutern pro Quadratmeter im Biobereich gerechnet.

Ebenfalls Thema: aktuelle Ernte- und Logistik-Konzepte. Dr. Michael Gallmeier von der Holmer Maschinenbau GmbH in Schierling-Eggmühl (Bayern) identifizierte zwei wesentliche Herausforderungen an die Zuckerrübenernte. So erzeugt die Marktöffnung zunächst einen ungeheuren Kostendruck auf die gesamte Produktionskette, außerdem ist die mögliche Anzahl von Rodern in Deutschland beschränkt, weil sich auch jetzt schon kaum noch qualifizierte Roderfahrer finden. Genau in den Fahrern und einer sinnvollen Feldlogistik steckt aber noch das zu hebende Potenzial, um auch weiterhin steigende Spitzenerträge von heute mehr als 130 t/ha mit möglichst minimalen Doppelbefahrungen der Flächen erreichen zu können. Hier sind Erweiterungen der Reihenzahl auf neun- oder zwölfreihige Roder, die Entkopplung von Roder und Bunker, d. h. Überladefahrzeuge, die den Transport auf dem Feld ermöglichen sowie vor allem fahrerentlastende Assistenzsysteme gefragt. Prinzipiell sollten Lösungen aber über die gesamte Kette gedacht werden.
 
Auch in der Kartoffelernte werden im steigenden Maße Fahrerassistenzsysteme eingesetzt, wie Dr. Rupert Geischeder von der ROPA Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH in Sittelsdorf (Bayern) berichtete. Bei einem hohen Eigenmechanisierungsanteil auf den Betrieben steht vor allem die gezogene 2-reihige Technik im Fokus künftiger Investitionen. Eine weitere Optimierung der leistungsfähigen Ernteverfahren können durch Feldrandmieten und/oder mobile Überladestationen erreicht werden.

Abgerundet wurde das Programm durch eine abschließende Podiumsdiskussion mit dem Titel: Maschinengrößen – haben wir Grenzen erreicht? Hier waren sich die Teilnehmer weitgehend einig, dass die Maschinen alleine durch die Straßenverkehrsvorschriften an ihre Grenzen gestoßen sind. Für das nötige Mehr an Schlagkraft sind nun mittelfristig Assistenzsysteme, Automatisierungen, andere Materialien und Antriebe für niedrigeres Eigengewicht erfolgversprechend, aber auch Prozessoptimierungen beim Landwirt, denn: „Gutes Roden beginnt mit perfekter Aussaat!“. Langfristig müssen möglicherweise die Erntekonzepte insgesamt neu übergedacht werden – hier könnten Sensoren und Aktoren, d. h. insgesamt die Robotik eine wichtige Rolle übernehmen.

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