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Greening: Die Grenzen des Ackerbaus

Externer Autor
am
23.06.2015

Die Pflanzenbau-Tagung der DLG drehte sich um das Thema Greening. Am Ende stand ein Szenario von leeren Spritzen, wucherndem Ackerfuchsschwanz und Ackerbauern, die enormes Fachwissen brauchen.

In Bernburg-Strenzfeld tagte die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) auch dieses Jahr wieder zum Thema Pflanzenbau. Die Diskussion zwischen Praktikern und Beratern drehte sich vor allem um das Thema Greening. Diese Direktzahlungen sind an die Umweltschutzanforderungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU gebunden. Doch die Maßnahmen bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen pflanzenbaulichem Mehrwert und ökologischem Deckmantel.
 
Das Tenor der Tagung: Ackerbauer brauchen ein immer breiteres Fachwissen. Was das bedeutet, zeigte Ludwig Wreesmann, Landwirt dem Kreis Oldenburg, am Beispiel des Maisanbaus. Er hatte auf seinen leichten Böden massive Probleme mit Winderosion nach dem Maislegen. Verschiedene Lösungsansätze wie die Direktsaat scheiterten, bis er zum heutigen Anbau kam: die Streifenbearbeitung nach frostempfindlicher Zwischenfrucht. In ähnlicher Weise hat er den Baustein „organische Düngung“ gedreht und gewendet, bis er in sein System passte.

Politik hinkt der Landwirtschaft hinterher

Auch diverse Greeningmaßnahmen müssen erst noch gedreht und gewendet werden, bis sie in die Landwirtschaft passen. Greening kann zwar zur Integration von Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Und Maßnahmen wie Blühstreifen werden von der Bevölkerung positiv wahrgenommen. Doch auf der DLG-Pflanzenbautagung wurde deutlich, dass es beim Greening verschiedene Schwerpunkte für unterschiedliche Regionen beziehungsweise Betriebe geben wird.

Das Greening ist in dieser Saison mit Anlaufschwierigkeiten gestartet. Das Problem: Der Aussaatzeitpunkt war schneller da, als die endgültigen Vorstellungen und Regelungen der EU-Kommission. Nicht selten wurden zum Beispiel bei Waldrandstreifen umgebrochen, um die Greeningmaßnahmen noch zeitgerecht umsetzen zu können. Ein weiteres Problem: Durch die Fruchtfolge können sich manche Schädlinge besonders stark vermehren. So wurde von einem siebenfachen Anstieg der Nematoden berichtet. Auch zur Düngung gab es Unklarheiten: Können die Ziele der Zwischenfrucht ohne Mineraldünger überhaupt erreicht werden? Und Landwirte in Trockengebieten befürchten, dass der Wasserbedarf von Zwischenfrüchten Probleme bereiten könnte.

Leere Spritzen

Manja Landschreiber von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein malte für die Zukunft des Pflanzenbaus ein düsteres Szenario: "Der Ackerbau gerät an seine Grenzen. Bekämpfungsmöglichkeiten gehen deutlich zurück. Bei der Ackerfuchsschwanzbekämpfung wird nichts bleiben."
 
Landschreiber glaubt, dass einfache Lösungen aus der Pflanzenschutzecke und das Pflügen nicht mehr helfen. Sie sieht die alten Tugenden des Ackerbaus auf dem Vormarsch: spätere Säterminen, höherer mechanischer Einsatz bis hin zu Hacke und Striegel und die Integration von Sommerungen in der Fruchtfolge.
 
Auch Insektizide und Fungizide könnten an ihre Wirkungs- und Einsatzgrenzen geraten. Die Landwirtschaft müsse sich auf leere Spritzen einstellen, meint Landschreiber. In den kommenden Jahren wird im chemischen Pflanzenschutz ein kleineres Wirkungsspektrum zur Verfügung stehen. Die Gründe: Zulassungsbeschränkungen, Resistenzen und eine leere Wirkstoffpipeline in der Pflanzenschutzmittelforschung. Deshalb lautet Landschreibers Fazit: Ackerbauer werden, wie Ludwig Wreesmann, in den kommenden Jahres vieles Drehen und Wenden müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein. je

Weitere Informationen: www.dlg.org/pflanzenbautagung
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