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Vogelsang vertreibt SyreN

Gülle: Mit Schwefelsäure gegen Ammoniakverluste

Traktor mit Gülletechnik und SyreN
am Mittwoch, 25.11.2020 - 18:16

Vogelsang nimmt das emissionsreduzierende System SyreN des dänischen Unternehmens BioCover in sein Produktportfolio mit auf. Doch was steckt hinter der Technik?

Das System SyreN verspricht mithilfe von Schwefelsäurezugabe Gülle zu stabilisieren, Ammoniakemissionen zu reduzieren und Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen. Nun nimmt auch das deutsche Unternehmen Vogelsang SyreN in sein Portfolio mit auf.

Schwefeldünger gratis

Durch die Zugabe von Schwefelsäure zur Gülle wandelt sich Ammoniak in Ammonium um, was zu weniger flüchtigen Gasen, mehr pflanzenverfügbarem Stickstoff und Phosphor sowie zu einem niedrigeren pH-Wert führt. Die Gülle wiederum neutralisiert die Säure und der freiwerdende Sulfatschwefel wirkt als Dünger. Auf zusätzlichen Schwefel-Mineraldünger könnte der Landwirt also getrost verzichten. 

Die Ansäuerung durch SyreN ermögliche, Gülle möglichst effektiv einzusetzen und beeinflusst Nährstoffversorgung, Wachstum und Ertrag positiv.

Bis zu 70 % weniger Emissionen

Ein weiterer Vorteil der Technik ist die verminderte Geruchsbildung. Über eine Schaumbildung bei der Gülleausbringung braucht sich der Landwirt nicht wundern. Die Säure hat laut Umweltbundesamt auf durchschnittlich gut gepufferte Böden keinen negativen Einfluss. Zudem ist durch SyreN ein größerer Spielraum bei den Ausbringzeitpunkten möglich. Der Einfluss des Klimas spielt aufgrund der geringeren Ausgasung eine kleinere Rolle.

Wie hoch die Emissionsreduktionen tatsächlich sind, ist von vielerlei Faktoren abhängig, wie Herr Vogelsang, Geschäftsführer des Unternehmens, uns im Video verrät. Der Einspareffekt sei ähnlich groß wie bei der Schlitztechnik, jedoch bleiben die Pflanzen dabei unbeschädigt und das System ist aufgrund der größeren Arbeitsbreiten schlagkräftiger.

Flexible Säureeinspritzung

SyreN besteht aus Fronttank, Säurepumpe, Zuleitung und Mischkammer inkl. einer Einspritzung direkt vor dem Gestänge des Gülleverteilers. Die Einspritzung der Schwefelsäure erfolgt direkt während der Gülleausbringung und orientiert sich am aktuell gemessenen pH-Wert der Gülle. Per ISOBUS-Verbindung lässt sich das System einfach steuern. Dank geschlossenem System kommt der Landwirt oder Lohnunternehmer nie in Berührung mit dem Gefahrgut. Dies gewährleistet eine Trockenkupplung und das Befüllen des Tanks durch einen Säuretankwagen.

Gefahrgutschein nötig

Das System ist für einen Nutzung im Grünland oder in wachsenden Beständen mit Schleppschuh- oder Schleppschlauchgestänge geeignet. Der Kunde kann geräteunabhängig nachrüsten. Im Straßenverkehr ist jedoch darauf zu achten, dass der Fahrer einen Gefahrgutschein benötigt.

Niedersachsen bezuschusst mit 35 %

In Deutschland fehlt bisher der Nachweis der Minderungseffizienz der Gülleansäuerung. Eine VERA-Verifizierung (Verification of Environmental Technologies for Agricultural Production) gibt es bisher lediglich in Dänemark für die Ansäuerung von Schweinegülle. Hierbei gibt VERA eine Ammoniakminderungsleistung in Mastschweineställen von 64 % an.

Innerhalb Deutschlands bezuschusst Niedersachsen die Technik mit 35 %. Bei einer weitreichenderen Anerkennung und Förderung, würden, laut Befragung, viele Landwirte großes Interesse an entsprechender Technik zeigen.

Mit Material von Vogelsang, Umweltbundesamt, ML Niedersachsen und Lohmann et al. 2018