Ausland Herr der drei Achsen

Nur wenigen Landtechnikbegeisterten ist der Name Josef Dvorák ein Begriff. Bislang – denn schon lange vor dem Fendt Trisix begann der tschechische Landwirt mit dem Bau von dreiachsigen Traktoren mit Einzelradaufhängung. Wir haben den Tüftler besucht und uns die Schlepper im Einsatz angeschaut.

Josef Dvořák ist kein Mann der großen Worte. Der ausgebildete Landmaschinenmechaniker stammt von einem Bauernhof südlich der tschechischen Stadt Tabor. Und er liebt es, das Bestehende zu hinterfragen und zu verändern. Als er 1991, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, einen Konkurs gegangenen Hof mit 200 ha Pacht kaufte, war er schon bald mit der Leistung seiner Traktoren unzufrieden. Die passende Lösung für seine Flächenstrukturen und die schlechten Wege war nicht in Sicht. So entstand die Idee für etwas völlig Neues: einen kompakten, wendigen und leichten dreiachsigen Traktor mit Einzelradaufhängung und hoher Motorleistung.

Serienproduktion zum Greifen nah

Bis es so weit war, musste Dvořák einige
Ansätze und Ideen verwerfen. "An die 30 Skizzen
habe ich angefertigt, bis ich endlich die zündende Idee hatte. Schließlich habe ich alles von Hand entworfen und gezeichnet, völlig ohne Elektronik." Kopfzerbrechen bereitete ihm vor allem die Achslastverteilung von Vorder- und Hinterachse. Dvořák entschied sich, alle sechs Räder mit einer Luftfederung von Tatra auszurüsten. Das bringt zum einen einen hervorragenden Fahrkomfort, super Bodenanpassung und Traktion. Zum anderen kann er per Druckluftkompressor die Achslasten im Feld aktiv steuern.
 
Auf die Idee folgte die Umsetzung. Auf einem leichten Rohrrahmen baute Dvořák in nur drei Monaten den ersten Prototypen, den PB300 mit 300 PS. Tatra lieferte Getriebe und Federung, Liaz den Motor. Als der Schlepper einsatzbereit war und sich Dvořák die Patente auf drei gefederte Achsen in Kombination mit zwei Lenkachsen
gesichert hatte, warb er um Partner für die Weiterentwicklung. Experten wie Industrie waren anhand seiner Skizzen zunächst skeptisch. Als Dvořák ihnen den PB300 dann aber im Praxiseinsatz vorführte, wichen die Bedenken einer ungehemmten Begeisterung. Nach erfolgreichen Tests war die Serienproduktion zum Greifen nah. mu
 
Warum es Dvořáks Dreiachser (noch) nicht bis zur Serienproduktion geschafft haben und wie sich der PB auf dem Acker schlägt, lesen Sie in traction-Ausgabe Mai/Juni 2015.