Ausland Unbegrenzte Unterschiede

Ob die Möglichkeiten unbegrenzt sind, ist in den USA fraglich; die Kontraste sind es auf jeden Fall. Davon konnte sich Alexander Conrad auf seiner Motorradreise überzeugen. Teil 2: Landtechnik von vier Pferdestärken bis 535 PS im Bundesstaat Indiana.

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Gegensätzlicher kann Landtechnik nicht sein. Fährt man die endlos wirkenden geraden Straßen zwischen saftig grünen Wiesen, Mais- und Sojafeldern im Nordosten der USA entlang, kann man immer wieder XXL-Technik im Einsatz sehen: ein Quadtrac hier, ein BiG X da. Doch schon ein paar Meilen weiter wird Landwirtschaft noch so betrieben, wie es bei uns vor 100 Jahren üblich war – mit Pferdegespannen.Einen großen Betrieb in dieser Gegend, im kleinen Ort Claypool im US-Bundesstaat Indiana, führen Rick Parker und seine Ehefrau Jill, ihre drei Söhnen und eine Tochter. Sie betreiben das Familienunternehmen bereits in der dritten Generation. Es besteht aus dem Landmaschinenhandel Parker & Sons Equipment sowie mehreren Rinderzuchtbetrieben, die sich heutzutage Parker Farms nennen.
 
Heute liefert Ricks ältester Sohn Ryan die siebte Bellima aus, die er in den vergangenen vier Monaten seit der Vorstellung im US-amerikanischen Markt verkauft hat. Dazu lädt er sie nicht etwa auf einen Lkw, sondern er hängt sie einfach an seinen Pick-up und fährt damit im öffentlichen Straßenverkehr zu seinen Kunden. Schon das ist ungewöhnlich, doch nicht so ungewöhnlich wie die endgültige Nutzung der Presse. Die Farm, auf der die Maschine in Zukunft laufen wird, unterscheidet sich äußerlich kaum von den Farmen in anderen Gemeinden. Überschaubar, ein Haus, ein Schuppen, ein Stall und ein hohes Silo. Die erste Besonderheit: Zu dieser Farm führen keine Stromkabel.

Vier Pferde vor der Presse

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{BILD:642269:jpg}Die Farm gehört einer Amish-Familie. Die Amish sind eine christliche Glaubensgemeinschaft, die überwiegend aus sich selbstversorgenden Landwirten besteht, jedoch äußerst konservativ den gängigen technischen Fortschritt ablehnt, allem voran selbst angetriebene Technik. So verwenden die Amish weder Traktoren oder Radlader noch Selbstfahrer und ziehen sämtliche Geräte mit Pferdekraft – so auch die neue Bellima-Presse.

Meist sind es vier ausgewachsene Hengste, die einen „Kart“ ziehen. So nennen sie den Karren, auf den sie meist ein 3-Zylinder-Dieselaggregat aufbauen, um dann damit das Arbeitsgerät anzutreiben. Um die Presskammer gleichmäßig zu befüllen, wird das Kart hydraulisch verschwenkt und somit die Rundballenpresse gelenkt. Die Pferde, die auf Zuruf gehorchen, müssen lediglich am Ende des Felds in eine neue Richtung dirigiert werden. Geringes Leergewicht und geringer Leistungsbedarf sind deshalb für die Amish-Farmer von immenser Bedeutung. Die Zugpferde sollen nicht so schnell ermüden, die Tagesleistungen steigen. Das ist ein wichtiges Verkaufsargument von Ryan Parker. von Alexander Conrad
 
Die ganze Reportage über Landtechnik bei Rick Parker und bei den Amish lesen Sie in der traction-Ausgabe September/Oktober 2015.

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