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Praxis

Ackern auf dem Meeresgrund

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Lena Kampschulte, traction
am
07.09.2018

Bodenbearbeitung "á la minute", sehr hohes Maschinenkapital und schwerste Tonböden – das beschreibt die ostfriesische Polderregion am Dollart sehr gut.

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Die Trockenheit des Sommers 2018 hat vielerorts den Landwirten das Leben schwergemacht. Es gibt aber auch Profiteure. So z.B. die Polderregion am Dollart. Hier im tiefsten Ostfriesland, nahe der holländischen Grenze, ist um 1600 die Landgewinnung entlang des Dollart entstanden. Insgesamt wurden 4.795 ha eingedeicht. Bei der Einpolderung begann man zunächst mit dem Deichbau. Das Meer spülte dann schlickige Tonerde an und lagerte diese im Deichvorland ab. Im Sommer, der Zeit ohne Sturmfluten baute man dann einen Deich ins Deichvorland und trennte das Meer ab. Viele dieser Deiche bestimmen noch heute das Landschaftsbild. Der zwischen dem alten und dem neunen Deich eingeschlossene Bereich wurde dann leer gepumpt und das Land fiel trocken und konnte so nutzbar gemacht werden. Zur landwirtschaftlichen Nutzbarkeit wurde ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem entwickelt, um den Boden trocken zu halten. Diese Aufgabe zählt auch heute noch zu den wichtigsten Dingen, die Landwirte bei der Nutzung beachten müssen: Jedes Jahr werden die Gräben gemulcht und meist auch ausgebaggert, die Drainagen erneuert und gespült. Denn Wasser ist in dieser Region Segen und Fluch zugleich.

Seltenes Phänomen: Staub

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Das Ackern auf dem Meeresgrund bringt einige Besonderheiten mit sich. Der sogenannte „Klei“ zählt zu den Minutenböden – das Fenster für die Bearbeitung ist sehr gering. Regnet es, sind die Flächen innerhalb kürzester Zeit nicht mehr befahrbar. Daher müssen die Landwirte in den Poldern viel Maschinenkapital vorhalten, um zum richtigen Zeitpunkt hohe Schlagkraft zu gewährleisten, um den schweren Boden zu bearbeiten. Doch der Boden gibt den Landwirten auch viel zurück. Er zeichnet sich durch eine enorm hohe Fruchtbarkeit, ein gutes Nährstoff und Wasserspeichervermögen und große Ertragssicherheit aus, wodurch er ein hohes natürliches Ertragspotenzial besitzt. Der Sommer 2018 mit fehlenden Niederschlägen und anhaltend hohen Temperaturen ist auch für die Dollart-Region sehr ungewöhnlich – wobei diese Region, wie bereits erwähnt, eher zu den Profiteuren der außergewöhnlichen Bedingungen gehört – 10 Tonnen im Weizen waren in diesem Jahr möglich. 

„In diesem Jahr haben wir viel mehr Zeit für die Bodenbearbeitung – das ist schon eine echte Arbeitserleichterung“, erklärt Landwirt Heinz Hoting, der 150 ha bewirtschaftet. „Bei unseren Minutenböden zählt sonst buchstäblich jede Minute. Deshalb müssen wir hier immer genügend Schlagkraft vorhalten. Das ist in diesem ungewöhnlichen Sommer etwas entzerrt. Und Staub bei der Bodenbearbeitung ist für uns ein ganz neues Phänomen.“

Pflug vs. pfluglos

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Am Pflug scheiden sich in der Region die Geister. Landwirt Fokko Johannes de Boer bewirtschaftet gute 200 ha und arbeitet pfluglos: „Der Grubber ist dem Pflug vor allem zeitlich überlegen. Insbesondere in feuchteren Jahren liegt der Zeitvorteil bei 1-1,2 Stunden – das kann bei unseren Minutenböden entscheidend sein.“ Der Nachteil: Vor dem Grubber benötigt de Boer sehr große Schlepper mit mindestens 350 bis 400 PS. Heinz Hoting dagegen setzt auf einen Pflug plus Packer. Das ist eine Besonderheit in der Region – Hoting ist hier der einzige mit Packer. Ganz klassisch arbeitet Landwirt Bernd Lauts. Auf seinen 200 ha kommt der Pflug ohne Packer zum Einsatz - darauf folgt nach ein paar Tagen die Kreiselegge mit Packer. Landwirt Georg Penon setzt auf seinen Flächen einen Onland-Pflug ein. Die Vorteile überwiegen laut Penon: „Mit dem Onland-Pflug brauche ich bei korrekter Einstellung viel weniger Leistung am Schlepper. Hier komme ich nun für den 6-Schar-Pflug mit einem 225 PS-Schlepper auf Raupenlaufwerken aus."

Sie wollen mehr über die spannenden Bedingungen in der Dollart-Region erfahren? In der aktuellen traction finden Sie den ausführlichen Artikel mit vielen Bildern und Infos über die hiesigen Gegebenheiten.

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