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Ausland

Eine Farm mit Schubkraft

Dieser Artikel ist zuerst in der traction erschienen.

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Alexander Conrad
am
18.03.2016

Die Familie Gist bewirtschaftet seit Generationen 
eine Farm in Kalifornien. Inzwischen gehen die Geschäfte der Gist Farms Inc. weit darüber hinaus. Alexander Conrad hat sich umgesehen und erfahren, wie man aus Nussschalen Geld macht – Teil 5 seiner Motorradreise Bike the AG-World.

Richard Gist, den hier alle nur Butch nennen, begrüßt mich in seiner Hofeinfahrt. Seine 70 Jahre sieht man dem rüstigen Amerikaner nicht an. Er zeigt Gästen gerne das Unternehmen, das er aufgebaut hat – wobei der bescheidene Amerikaner dabei stets zurückhaltend wirkt. Butch führt in dritter Generation die Geschäfte der Gist Farms Inc., die er vor über 40 Jahren von seinem Vater übernahm. „Seit über 130 Jahren lebt ein Gist hier in der Stadt Tulare!“, erklärt er stolz. Bekannt wurde der kleine Ort mit etwa 50.000 Einwohnern durch die Tulare Farm Show, eine der weltweit größten Landwirtschaftsmessen.

Tulare liegt im Herzen des San-Joaquin-Tals im US-Bundesstaat Kalifornien. Wenn es ein Gebiet in Nordamerika gibt, das die Land- und Milchwirtschaft, der Obst- und Gemüseanbau und somit die Landtechnik bestimmen, dann ist es dieses Tal. Von den Einheimischen Central Valley genannt, erstreckt es sich gut 500 km lang topfeben zwischen den Ausläufern des Gebirges Sierra Nevada und dem Pazifik und zwischen den Städten Bakersfield und Sacramento. Wo vor über 100 Jahren eine trockene Wüste war, befindet sich heute der bedeutendste Agrarmarkt Nordamerikas.

Lkw-Flotte im Gist-Design

Wichtigstes Standbein der Gist Farms: der Handel, die Vermarktung und der Transport von Futtermitteln und landwirtschaftlichen Produkten. Dafür ließ der Unternehmer 13 Freightliner-Lkws in markantem Gelb lackieren. Mit dieser Flotte beliefern Butchs Mitarbeiter das ganze Jahr hindurch Milchfarmen und Rinderzuchtbetriebe in der südlichen Hälfte Kaliforniens: von der mexikanischen Grenze bis zur Landeshauptstadt Sacramento und San Francisco.

Die Fracht: Überreste aus der Ernte von Wallnüssen, Pistazien und Mandeln, also Nussschalen und Früchte, die nicht den Vorgaben der Nahrungs- und Genussmittelindustrie entsprechen. Butch kauft sie ein, separiert sie der Unternehmer und gewinnt daraus kaltgepresstes Öl, Futtermittel, Heizpellets und mehr. Während die Nusslieferungen, die in Tulare ankommen, fast ausschließlich aus Kalifornien stammen, kommen die Soja- und Maisprodukte zusätzlich per Schiene aus dem ganzen Land hierher und werden auf Lkws umgeschlagen. Zwei Mitarbeiterinnen hat Butch angestellt, die sich mit der Disposition und Koordination der 13 Lkw-Fahrer und deren Ladungen beschäftigen.

60 Tonnen entleeren

Seit einem Jahr ist Butch zusätzlich mit einem externen Partner in die Vermarktung und den Vertrieb von „Gypsum“ eingestiegen. Das ist ein Mineral mit dem chemischen Namen Calciumsulfat. So wie man in Europa Kalk ausbringt, verwenden amerikanische Farmer Gypsum seit vielen Jahrzehnten in der Bodenbearbeitung vor dem Kultivieren oder Pflügen, um die Felder anzureichern.

Gypsum wird in speziellen Bergwerken gewonnen und aus Nevada und anderen Wüstenstaaten per Lkw oft 1.500 km weit ins kalifornische Längstal gebracht, wo die Nachfrage besonders groß ist. Die Probleme dabei: Erstens ist  und zweitens kommen viele Lkws ohne Entlademechanismus bei Gist Farms an. Deshalb hat Butchs Team eine ganze Auskippvorrichtung installiert: Sie ermöglicht es, Auflieger mit bis zu 60 t Ladung im Handumdrehen zu entleeren.

Den vollständigen Bericht über die Gist Farms und die Landwirtschaft in Kalifornien lesen Sie in der traction-Ausgabe März/April 2016.

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